Der Schulmeister, der niemals auslernt

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Rüdiger School, der von Glauchau aus das größte nicht-staatliche Schulnetzwerk in Südwestsachsen betreibt, wird 70. Der "Freien Presse" hat er erzählt, wieso er im Rentenalter noch Englisch lernt - und was sein Schulimperium mit Kamerun zu tun hat.

Glauchau.

Rüdiger School ist bodenständig. Er lebt immer noch in Hohndorf, wo er aufgewachsen ist. Und er arbeitet in Glauchau, wo er 1972 seinen Facharbeiter als Schlosser und das Abitur machte. Seine beiden gemeinnützigen Firmen betreiben aktuell 16 Schulen und 19 Kitas in der Region. "Wir wollen Kinder und Jugendliche fit für die Welt machen, die immer internationaler wird", sagt School. Am heutigen Mittwoch wird er 70 Jahre alt.

Nach dem Studium der Kraftfahrzeugtechnik an der Technischen Hochschule Zwickau wirkte der Diplomingenieur als Lehrer im Hochschuldienst und Abteilungsleiter in der Studienvorbereitung für Ausländer. In den Wendezeiten, erzählt er, habe ihn der Kulturattaché aus Kamerun gebeten, doch weiter dessen Landsleute für ein Studium in Deutschland fit zu machen. School entwickelte ein Konzept und stellte es mit viel Herzklopfen dem damaligen sächsischen Wissenschafts- und Kulturminister Hans-Joachim Meyer vor. "Schließlich brauchte ich die staatliche Anerkennung als privater Bildungsträger", sagt School. "Weil nicht nur der Bereich Bildung, sondern auch die Finanzierung plausibel war, bekam ich grünes Licht." Gemeinsam mit Horst Jähnert gründete er die Studiencolleg Bildungsgesellschaft Glauchau, die bis heute existiert. Beide sind bis heute Gesellschafter.

Der umtriebige Hohndorfer hat ein Näschen dafür, was wann gebraucht wird. So bot er in den 1990er-Jahren Sprachkurse für Spätaussiedler an. "Außerdem haben wir sie im Baugewerbe ausgebildet, leer stehende Gebäude in Mülsen saniert und so gleich Wohnraum für die Menschen geschaffen", erinnert sich School. Später hat das Unternehmen gemeinsam mit der Stadt Wildenfels den hinteren Bereich des Schlosses mit Kornhaus saniert und zu Wohnzwecken ausgebaut.

Die gemeinsame Idee mit dem früheren Glauchauer Oberbürgermeister Karl Otto Stetter, aus der Kita im Ortsteil Gesau, die nicht ausgelastet war, einen Fremdsprachenkindergarten zu machen, habe es schwer gehabt, erzählt School. "Im Ortschaftsrat ging der Beschluss knapp mit einer Zwei Stimmen-Mehrheit durch, im Stadtrat war sogar eine Stimme das Zünglein an der Waage", berichtet er. "Der Erfolg gab uns Recht. Nach vier Monaten waren alle Plätze belegt." Inzwischen betreibt die Gesellschaft für ganzheitliche Bildung 19 Kindertagesstätten, in denen die Mädchen und Jungen spielerisch Englisch und jetzt auch Chinesisch lernen.

Als sich dann einige Glauchauer Eltern wünschten, dass ihre Sprösslinge in der Schule weiter verstärkt Fremdsprachen lernen, stellte der Bildungsunternehmer den Antrag auf die Gründung einer privaten Grundschule. "Der wurde in Glauchau eineinhalb Jahre lang blockiert", sagt School. Am Ende etablierte sich die Internationale Grundschule dann doch im leer gezogenen Teil des Gymnasiums an der Lindenstraße. Und obwohl es Streit mit der Stadt um Mietzahlungen für den Hort gab, die sogar vor dem Verwaltungsgericht landeten, ist der scheidende Glauchauer Oberbürgermeister Peter Dresler froh, School und seine Bildungsangebote in der Stadt zu haben. "Die 70 sieht man ihm nicht an. Das liegt wohl daran, dass der Altersdurchschnitt durch die Kinder und Jugendlichen in den von ihm betriebenen Einrichtungen deutlich niedriger ist", witzelt Dresler und fügt an: "Er hat sich mit der Gründung und Entwicklung seiner privaten Schul- und Bildungsfirmen verdient gemacht."

Der ehemalige VW-Vorstandsvorsitzende Carl Hahn ist ihm in vielerlei Hinsicht Vorbild, erzählt School. "Er ist nicht hochnäsig und denkt immer drei Schritte voraus. Außerdem ist er weltoffen, ist ihm internationale Zusammenarbeit wichtig. Und für die braucht es gute Fremdsprachenkenntnisse." Also fasste sich der Unternehmer ein Herz und fragte Hahn bei einer Begegnung in Reinsdorf vor 13 Jahren, ob er der Saxony International School (SIS) den Namen Carl Hahn geben dürfe. Der Manager bat sich zwei Monate Bedenkzeit aus, um sich erst einmal kundig zu machen. "Schon eineinhalb Wochen später rief er mich an und sagte: ,Es ist mir eine Ehre'", berichtet School.

School mag Carl Hahns Lebensmotto "Mein Feld ist die Welt". Er sieht das genauso. Noch mit Mitte 60, wenn andere sich in den Ruhestand begeben, hat School in Ägypten eine Berufsakademie für Kraftfahrzeugtechnik mit aufgebaut, genau wie drei Berufsfachschulen. Seit vorigem Jahr gibt es dort auch Schule und Kindergarten, in denen neben Arabisch auch Deutsch und Englisch gelehrt werden.

Er selbst hatte in der Schule kein Englisch, er hat das Fach abgewählt. "Erst mit 63 Jahren habe ich einen Sprachurlaub mit meiner Frau in Großbritannien genutzt, um diese Sprache wenigstens ein bisschen zu beherrschen." Aber: "Ich glaube, ich würde in einer unserer Schulen eine glatte 6 dafür erhalten." Öfter werde er darauf angesprochen, dass sein Namen auf Englisch Schule heißt. "Viele glauben, dass ich mir diesen als Bildungsunternehmer extra zugelegt habe und fragen, was ich dafür bezahlt habe. Aber den Namen trage ich schon immer."

Früher sah es so aus, als ob Sohn Thomas die Firmen weiterführen würde. "Natürlich wünscht man sich, dass einer weitermacht", gibt School zu. Aber es habe nicht gepasst. Und so ist Thomas School mit seiner Frau Manuela mit einer ebenfalls auf Bildung ausgerichteten Firma am Markt. Der 70-Jährige hält es mit Konfizius, der einst sagte: "Mache dein Hobby zum Beruf, dann brauchst Du ein Leben lang nicht arbeiten". Trotzdem denkt er über seine Nachfolge nach. "Ich habe für jeden Bereich fähige Mitarbeiter im Auge", sagt er.

Pläne schmiedet School aber weiter. Im Januar hat der das Vorhaben vorgestellt, ein Schulungszentrum für seine Mitarbeiter in Hohndorf zu errichten. Es soll in Trägerschaft der SIS gebaut werden, doch gekauft hat School das Flurstück als Privatperson. Kann man vielleicht als Bildungsunternehmer Millionär werden? Er lacht: "Ich bin keineswegs Millionär, verdiene nicht mehr als unsere Schulleiter." Der Eigentümer habe aber nur an eine Privatperson verkaufen wollen. Und so geht School weiter seinen Plänen nach. Nach Ruhestand sieht das nicht aus.


Zahlen & Fakten

Die Studiencolleg Bildungsgesellschaft Glauchau wurde gegründet und existiert bis heute.

2231 Kinder werden in 19 Kitas und Horten der Gesellschaft für ganzheitliche Bildung in Meerane, Glauchau, Crinitzberg, Wildenfels, Wolkenburg, Stollberg, Niederwürschnitz, Wüstenbrand, Frankenberg und Geithain betreut. Dort arbeiten 300 Pädagogen plus technisches Personal. Englisch und Chinesisch werden spielend vermittelt.

Die Saxony International School "Carl Hahn" verfügt über Grundschulen in Glauchau, Meerane, Crinitzberg, Stollberg und Geithain, Oberschulen in Meerane, Neukirchen/P., Reinsdorf, Neuwürschnitz und Elsterberg, Gymnasien in Meerane, Reinsdorf, Niederwürschnitz, Geithain und Elsterberg sowie ein Wirtschaftsgymnasium in Geithain. Dort lernen insgesamt 2900 Schüler. 350 Pädagogen plus technische Personal wirken an den Schulen. Englisch, Spanisch, Chinesisch, Französisch, Russisch und weitere Fremdsprachen im Ganztagsangebot werden vermittelt.

Das Unternehmen betreibt in Stollberg die Lern- und Erlebniswelt "Phänomenia". Seit 2021 gibt es darüber hinaus das "Hotsy Totsy Kinderzentrum" in Glauchau.

Die Tochtergesellschaft Saxony International School Middle East betreibt in Ägypten drei Berufsschulen, eine Bildungsakademie und eine Schule mit Kindergarten. (vim)

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