Ein Kunstwerk aus 12.000 Einzelteilen

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Ein Tüftler aus Lichtenstein hat einen lebens- großen Samurai aus Holz angefertigt. Wie viele Details dafür nötig waren, hat den 48-Jährigen selbst überrascht.

Lichtenstein.

Schon die Eckpunkte des kürzlich vollendeten Kunstwerkes von Danny Reinhold verblüffen. Sein lebensgroßer Holzsamurai wiegt rund 70 Kilogramm und besteht aus etwa 12.000 Teilen. Zum Einsatz kamen 23 verschiedene Holzarten. Das Projekt des Lichtensteiners zog sich über knapp zwei Jahre hin und umfasste etwa 2500 Arbeitsstunden. "Ursprünglich war ich mal von 6000 Einzelteilen ausgegangen. Aber durch verschiedene Details wurde es immer aufwendiger", erzählt der 48-Jährige, der schon mit mehreren ebenso ungewöhnlichen wie arbeitsintensiven Werken für Schlagzeilen gesorgt hat.

Da ihn fremde Kulturen begeistern, üben auch die Samurai eine besondere Faszination auf den Lichtensteiner aus. In Museen in der britischen Hauptstadt London, bei einem Raritäten-Händler in England und auf zahllosen Fotos studierte er die besonderen Rüstungen der japanischen Kämpfer. Sein Kunstwerk stellt einen Samurai aus der Zeit um 1600 dar. Im Gegensatz zu den Rittern in Europa setzten die Japaner auf Schutzausrüstungen, die nicht ganz so robust, aber viel flexibler waren. "Das war für ihre besondere Kampfkunst wichtig", weiß Reinhold.

Deshalb bestand die Panzerung zum Beispiel oft aus hunderten Schuppen, die mit Lederschnüren verbunden wurden. Reinhold nutzte kein Leder, sondern fertigte mehrere tausend kleine Holzelemente, was in seiner Werkstatt im heimischen Keller schon an eine meditative Arbeit grenzte. "Da war ich komplett im Tunnel und konnte abschalten", erzählt der Lichtensteiner, der in der Sommersaison in der Miniwelt Lichtenstein arbeitet.

Kompliziert in Holz umzusetzen seien textile Materialien wie Bänder oder Gürtel der Samurai-Ausrüstung. Um sie gestalten zu können, nutzte der Tüftler besondere Furniertechniken, bei denen viele dünne Holzlagen geformt werden können. Größere Teile wurden aus tropischem Laubholz geschnitzt und bekamen Verzierungen durch kleine Elemente aus Kokospalmenholz mit seiner besonderen Maserung. Sumpf-Kauri, ein zehntausende Jahre altes Holz aus Neuseeland, das mit Mooreichen vergleichbar ist, wurde im Helm verarbeitet. Die Zähne an der Maske, mit der sich die Samurai schützen, aber zugleich auch Gegner erschrecken wollten, entstanden genau wie die Augen nicht aus Holz, sondern aus Rinderknochen. "Sie sollen ja weiß bleiben. Holz würde irgendwann vergilben", begründet Danny Reinhold, der für den Samurai auch Maserknollen von Ulme, Ahorn und Birke verarbeitet hat. Sie fand er vor Ort in Lichtenstein.

Als Nächstes will Danny Reinhold eine große Vitrine für den Samurai bauen, weil er ansonsten schnell verstaubt. Verkäuflich ist das Kunstwerk nicht. Eine passende Frau, eine japanische Geisha, ist ebenfalls geplant. Aktuell werkelt er aber an einem großen Fabergé-Ei aus Holz.

Seine Arbeiten stellt Danny Reinhold im Internet unter www.thewoodenheart.de vor.

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