Rätsel um Hohlräume unter dem Waldenburger Markt

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Ein Schacht soll 7,50 Meter in die Tiefe führen. Dort werden die Gründe für einen Tagesbruch vermutet.

Waldenburg.

Der Blick in den Erkundungsschacht erinnert an ein Mini-Bergwerk - allerdings mitten auf dem Markt in Waldenburg. Nachdem ein Bagger in den vergangenen Wochen bis in eine Tiefe von fünf Metern sämtliches Material herausgeholt hat, ist von den Spezialisten auf der Baustelle nun Hand- arbeit gefragt - unter anderem mit Presslufthammer und Schaufel. Mit einem Dreibein werden die Eimer nach oben gezogen, dort auf einem Förderband geleert.

"Das ist aufwändig und mühevoll", sagt Michael Kühn, der Baustellenverantwortliche aus dem Sächsischen Oberbergamt. Er geht davon aus, dass der Erkundungsschacht noch bis in eine Tiefe von 7,50 Metern erweitert werden muss. Dort lassen die bisher durchgeführten Bohrungen einen Hohlraum vermuten, der wiederum einen Tagesbruch und damit den Einsatz der Bergleute ausgelöst hat.

Prognosen, wie lange die derzeit laufenden Teufearbeiten dauern, fallen schwer. Zwischen Anfang und Mitte Mai, so schätzt Michael Kühn ein, soll der Hohlraum erreicht sein. "Erst dann wissen wir mehr zu den Ursachen für den Tagesbruch", sagt der 61-Jährige, der zumindest eine Vermutung äußert. Auf den Karten des Oberbergamtes sind weitere unterirdische und bereits verfüllte Hohlräume auf der Straße vor den Häusern am Markt 14 und 15 eingezeichnet. Kühn: "Das könnte eine Ursache sein." Von den Untersuchungen, die Experten unter Tage durchführen werden, hängt viel ab - etwa mit Blick auf Baustellen-Absperrung, Bauzeit und Kosten.

Bisher rechnet das Oberbergamt mit einem Finanzbedarf von rund 350.000 Euro für die Sicherung der Hohlräume. Die Zahl teilte Oberberghauptmann Bernhard Kramer auf Anfrage der "Freien Presse" mit. "Die Hohlräume sollen voraussichtlich mit Porenleichtbeton verfüllt werden", erläutert Cramer weiter.

Der Tagesbruch auf dem Markt wurde Ende März entdeckt, damals informierte Bürgermeister Bernd Pohlers (Freie Wähler) auch die Stadträte. Seitdem hat sich der Baustellenbereich stetig vergrößert, aktuell ist fast die Hälfte der Markt- insel abgesperrt. An den Zäunen befinden sich Schilder mit der Aufschrift "Lebensgefahr".

Mitarbeiter des Oberbergamtes entwickeln sich mittlerweile zu Stammgästen in Waldenburg. Erst im vergangenen Jahr musste ein Hohlraum vor dem Wohngebäude Markt 18 verfüllt werden - mit rund 40 Kubikmeter Beton. Im August 2020 tat sich neben der Bushaltestelle auf dem Gehweg plötzlich ein 1,20 Meter breites Loch in der Pflasterdecke auf. Untersuchungen ergaben, dass sich schräg unter dem Fundament des Wohngebäudes ein einfallender Hohlraum befand. "Zwischen den beiden Hohlräumen gibt es keinen Zusammenhang", sagt Bernhard Cramer auf Anfrage.

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