Wo Wildblumen als lukratives Nischenprodukt angebaut werden

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Für die einen sind es Unkräuter, für andere wichtige Pflanzen für den Naturschutz. Rund um Callenberg geben ihnen Landwirte einen Chance.

Callenberg.

Flockenblume, Wilde Möhre oder Kornblume wollen Landwirte auf ihren Feldern normalerweise nicht sehen und bekämpfen sie genau wie andere vermeintliche Unkräuter. Bei der Waldenburger Agrar GmbH ist das zumindest auf kleinen Flächen anders. Der Landwirtschaftsbetrieb ist rund um Callenberg im Bereich der Wildblumen-Saatgutvermehrung tätig. Sie erfolgt für die Firma Rieger-Hofmann, die im Osten Baden-Württembergs zu Hause ist und als absoluter Spezialist für regionale Saatmischungen für Blühstreifen oder artenreiche Wiesen gilt.

Diese werden vor allem für den Naturschutz angelegt, weil sie wichtig für Insekten und andere Tiere sind. Da der Bedarf an dem Saatgut wächst, muss es landwirtschaftlich angebaut und vermehrt werden. "Wenn es funktioniert, ist es für uns sehr lukrativ", sagt Georg Stiegler, Geschäftsführer der Waldenburger Agrar GmbH. Bis zu 15 Hektar seien im Betrieb, der insgesamt rund 1000 Hektar eigenes Land und Pachtflächen bewirtschaftet, dafür vorgesehen. Damit wird klar, dass es eine Nische ist und bleiben wird.

Ein paar Hundert Kilo Saatgut von der Flocken- und Kornblume können pro Hektar durchaus geerntet werden, wofür Mähdrescher mit spezieller Technik erforderlich sind. Auch Reinigung und Trocknung sind Herausforderungen, für die der Betrieb aber gut gerüstet ist. "Da haben wir beim Mohn schon einiges ausprobiert und entwickelt", sagt Stiegler. Mit den riesigen blühenden Mohnfeldern, auf denen Backmohn angebaut wird, sorgt die Waldenburger Agrar GmbH jedes Jahr im Frühjahr für echte Hingucker in der Region. Stieglers Bruder Hendrik, der ebenfalls zur Geschäftsführung gehört, hat als studierter Maschinenbauer schon manche praktische Entwicklung realisiert, die bei der Arbeit mit den sensiblen Pflanzen und ihren Samen hilft.

Kürzlich fand auf dem Hof von Stieglers ein Informationstag der Firma Rieger-Hofmann statt, bei dem Landwirte, aber auch Behörden und Naturschutzverbände einen Einblick bekamen. Etwa 400 Tonnen regionales Saatgut für Blühstreifen und artenreiche Wiesen werden in Sachsen jährlich benötigt. Produziert wird im Freistaat aber nicht einmal die Hälfte. "Wir suchen noch nach Betrieben für die Vermehrung", sagt Ernst Rieger, der in Deutschland als Pionier in Sachen Wildpflanzensaaten gilt. Sein Unternehmen arbeitet mit Kleinstproduzenten bis hin zu Agrarbetrieben mit 2000 Hektar zusammen.

Regionale Saatgutmischungen sind deshalb wichtig, weil sie Samen liefern, die auch wirklich von heimischen Wildblumen oder Gräsern stammen. Eine Flockenblume aus Sachsen kann sich über Jahrhunderte schon anders entwickelt haben als die auf den ersten Blick gleiche Blume aus dem Rheinland. Da sich unter Umständen auch die Insekten angepasst haben, sind regionale Mischungen bei Naturschutz- und Ausgleichsmaßnahmen mittlerweile sogar vorgeschrieben. Ein anderes Unternehmen, die Firma Saaten Zeller, sammelte im Juli auf von Naturschützern gepflegten artenreichen Wiesen bei Meinsdorf in Handarbeit Sämereien, die Grundlage der Vermehrung werden sollen.

Nötig ist dabei laut Rieger viel Erfahrung, denn die teils sensiblen Pflanzen verzeihen keine Fehler. Manchmal kann es aber auch schiefgehen, ohne dass der Grund ersichtlich ist. So war es bei Stiegler, der neben dem Kornblumenfeld auch noch eine kleine Fläche mit gelbem Hornklee, der für viele Wildbienen und Schmetterlinge wichtig ist, angelegt hatte. Gewachsen ist fast nichts, doch die Erträge der anderen Wildblumensaaten dürften diesen Verlust ausgleichen.

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