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Antirassismus-Projekt des DFB: Warum Zwickau Pilotstandort ist

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"Fußball vereint gegen Rassismus" nennt sich eine neue DFB-Kampagne. Der FSV Zwickau ist der einzige ostdeutsche Vertreter in dem Projekt. Dabei gab es in den vergangenen Jahren kaum mehr rassistische Ausfälle im Stadion. Warum also Zwickau?

Zwickau.

Fremdenfeindliche Entgleisungen, gewalttätige Übergriffe und Randale im Fußball werden oft als Problem ausschließlich der neuen Bundesländer dargestellt. Wenn Zwickau als einziger Ost-Vertreter Pilotstandort für eine DFB-Kampagne gegen Rassismus wird, könnte man vermuten, in Westsachsen sei das Problem besonders akut. Ein Klischee, das so nicht zutrifft.

"Wir haben in Zwickau im Gegensatz zu anderen Stadien eigentlich kein großes Rassismus-Problem", räumt Chris Scheundel ein, der die lokale Koordinationsstelle des DFB-Projekts beim FSV besetzt. Der letzte Vorfall, der Schlagzeilen machte, stammt vom Oktober 2016, als ein dunkelhäutiger Spieler des FSV Frankfurt in Zwickau mit Affenlauten beleidigt wurde. Dagegen ernteten die Rot-Weißen im Oktober 2020 bundesweit eine Menge Lob für ihre Willkommens-Aktion gegen Türkgücü München, mit dem sie klare Kante gegen den Vereinnahmungsversuch durch die rechtsextreme Partei "Der Dritte Weg" zeigten.

Neben dem FSV Zwickau gehören der 1. FC Saarbrücken, Viktoria Köln und Eintracht Braunschweig zu den beteiligten Klubs am DFB-Projekt. "Die Pilotstandorte wurden über einen Bewerbungsprozess ausgewählt. Gemeinsam mit dem FSV Zwickau haben wir diese Bewerbung abgegeben und die Zusage erhalten", erklärt Laura Holzapfel, Projektreferentin für Antidiskriminierung und Gewaltprävention beim Sächsischen Fußball-Verband. Die Verantwortlichen hätten dabei auch auf ein räumliches Gleichgewicht der Pilotstandorte geachtet.

FSV-Vorstandssprecher Frank Fischer steht voll hinter der Bewerbung des Vereins. "Grundsätzlich halte ich es für richtig, dass wir in dieser Richtung tätig sind. Auch um unser Image aufzubessern." Der Name Zwickaus sei nun mal mit der NSU verbunden. Aktuell komme vor allem im Osten schwelende Unzufriedenheit hinzu, der soziale Friede sei gefährdet. "Ich bin sehr für Toleranz", betont Frank Fischer. "Für uns ist das wichtig, nach außen zu zeigen, dass wir dafür einstehen."

Seit knapp vier Wochen ist Chris Scheundel mit seiner neuen Aufgabe betraut. "Das ist am Anfang erst mal viel Netzwerkarbeit", berichtet der 26-Jährige, der seit 2008 regelmäßig die Spiele des FSV besucht. Zu den engen Partnern zählen dabei das Fanprojekt und der Alte Gasometer. Ein zweiter Schwerpunkt sind Prävention und Bildungsarbeit. Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollen erreicht werden. "Mit Vorträgen, Filmen und Lesungen. Ganz unterschwellig, ohne dass sich jemand genötigt fühlt", erklärt Scheundel. Der dritte große Baustein des vom Bundesinnenministerium geförderten, auf zwei Jahre befristeten Projekts ist ein diskriminierungsfreies Stadionerlebnis. "Ich weiß natürlich, dass ich das Rad nicht neu erfinden kann", sagt der Zwickauer, der bewährte Konzepte anderer Vereine analysiert, um daraus eigene Ideen zu entwickeln.

Ihm schwebt beispielsweise vor, eine Möglichkeit zu schaffen, wo sich Betroffene während des Spieltages telefonisch melden können. "Es gibt ja doch immer mal Fälle, die kriegt der Großteil der Besucher im Stadion vielleicht gar nicht mit." Die Lösung könne auf eine feste Anlaufstelle hinauslaufen oder die Meldung über eine Spieltagshotline. In Absprache mit Verein und Verband wolle man herausfinden, was für den Standort am besten geeignet ist.

Dass immer wieder Probleme auftreten, wenn Leute verschiedener Nationalitäten gemeinsam Fußball spielen, ist nicht von der Hand zu weisen. Frank Fischer hat selbst einige Male verbale und tätliche Auseinandersetzungen auf Kreisebene erlebt. "Das war teilweise richtig schlimm." Deshalb sollen bei dem Antirassismus-Projekt auch kleinere Vereine unterstützt werden und Hilfe bekommen. Obwohl man beim DFB weiß, dass die Probleme tiefer liegen, hat man die Pilotstandorte bewusst bei Drittligisten angesiedelt, um die Vorbildwirkung des lokalen Profivereins zu nutzen.