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Fußball-Talk mit Geyer und Heynemann

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Zwei im Osten aufgewachsene Ikonen des deutschen Fußballs haben beim in Zwickau Anekdoten aus ihrer aktiven Zeit zum Besten gegeben.

Zwickau.

Es war schon mutig vom Veranstalter, die irreführenden Aufsteller nicht wegzuräumen. Weder im Foyer noch vor der Bühne. "Meyer trifft Geyer" stand in großen Lettern auf dem Plakat zum Sportlerstammtisch in der "Neuen Welt". Doch die eine Hälfte des Plauder-Duos stand nicht zur Verfügung. Hans Meyer hatte aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Als Ersatz sprang kurzfristig der ehemaliger FIFA-Schiedsrichter Bernd Heynemann ein. Die logischerweise enttäuschten Fußballanhänger empfingen ihn dennoch fair mit Beifall. Der Magdeburger CDU-Politiker, einst im Bundestag und noch immer im Stadtrat, der bei den Alten Herren aktiv Fußball spielt, erwies sich als ebenbürtiger Gesprächspartner.

Als es um Xabi Alonso als neuen Cheftrainer bei Bayer Leverkusen ging, meinte Eduard Geyer, ein sehr großer Fußballer müsse nicht automatisch ein guter Trainer sein. Moderator Thomas Veit attestierte dem Dresdner, ein guter Trainer gewesen zu sein, obwohl er kein Weltklassefußballer war. "Was erzählst du für einen Stuss?", brauste darauf Geyer auf. "Ich musste für die anderen mitrennen. Jetzt halt mal bissel den Ball flach!" Der letzte Nationaltrainer der DDR, der am Freitag seinen 78. Geburtstag feierte, galt als sehr emotionaler Typ am Spielfeldrand. Ab und zu gab es schon deftige Äußerungen in Richtung Schiedsrichter. "In Unterhaching war ich deshalb gezwungen, dich schon frühzeitig in die Kabine zu schicken", erinnerte sich Bernd Heynemann. "Das haste mir jahrelang übel genommen."

Trotz seiner erfolgreichen Laufbahn in der DDR hatte es Eduard Geyer nach der Wende schwer, Tritt als Trainer zu fassen. Prägend war seine zehneinhalbjährige Zeit bei Energie Cottbus. Dort machte der bodenständige Sachse sogar die Hausordnung. Noch heute ist er den Lausitzern sehr verbunden. Heynemann lobte die kurzen Wege zwischen Trainer, Manager und Präsident in der damaligen Cottbuser Leitungshierarchie. Ähnliche Modelle hätten auch bei Werder Bremen unter Willi Lemke und 1860 München in der Ära Wildmoser gut funktioniert. Heute gebe es mehrere Beiräte, und jeder wolle mit reinreden. Energie war damals übrigens die erste Bundesligamannschaft, die mit elf Ausländern in der Startelf antrat. "Wir wurden dafür angefeindet", sagte Geyer. "Aber die deutschen Spieler wollten einfach nicht zu uns nach Cottbus, am Arsch der Welt."

Heynemann sprach in diesem Zusammenhang die für Bundesligisten obligatorischen Nachwuchsleistungszentren an. "Die meisten Talente fallen jedoch durchs Raster. Nur die wenigsten kommen oben in der 1. Bundesliga an", bedauerte der 68-Jährige.

Diskutiert wurde unter anderem über das Scouting, das Verhalten der randalierenden Fußballbesucher, das Benehmen der Eltern bei Jugendspielen, die gestiegene Aufwandsentschädigung für Referees, das irrationale Verhältnis von Betreuern zu Spielern in der Nationalmannschaft (110:25 bei der WM 2018), die ausufernde Kommerzialisierung und die scheinheiligen Boykott-Drohungen gegen WM-Ausrichter Katar.

Eduard Geyer ereiferte sich, als er gegen Spielverzögerungen durch sich häufende schauspielerische Einlagen und Behandlungen wetterte. "Die Spieler liegen laufend unten. Es tut immer was weh. Das nervt. Und die Schiedsrichter tun nichts dagegen." Es habe Zeiten gegeben, da seien Verletzte mit einem Elektrokarren sofort vom Platz gefahren und draußen verarztet worden.

Ausgiebig unterhielten sich die Protagonisten des Abend über die Chancen der Ostvereine in der laufenden Saison. "Ich gönne es allen, dass sie in der Liga bleiben, in der sie spielen", meinte Geyer, der dem FSV Zwickau eine gute Arbeit bescheinigte. "Wenn wir früher nach Zwickau kamen, hatten wir Respekt. Da waren ganz schöne Eisen dabei!"

Zum Abschluss gab Eduard Geyer eine frivole Anekdote zum besten. Als er den deutschen Fußball-Nachwuchs im Jahr 2001 ob dessen vermeintlich unsoliden Lebenswandels mal mit den Prostituierten von St. Pauli verglichen hatte, wurde er beim folgenden Gastspiel am Millerntor von einigen Damen aus dem Milieu empfangen. Und die Hamburger Fans entrollten ein großes Spruchband auf der Tribüne "Ede Geyer - unser bester Freier".

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