Wie aus einer Schmiede die "Sächsische Krone" wurde

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Königswalde.

Die letzte Folge dieser Serie führt uns in die etwas abgelegene, aber dafür liebliche und mittlerweile 751 Jahre bestehende Gemeinde Königswalde. Wie andere Klosterdörfer der damaligen Zeit auch, hatte Königswalde eine eigene Gerichtsbarkeit und das Recht zum Bierbrauen. Auf der Königstraße, gegenüber einer Bushaltestelle, befindet sich seit einiger Zeit ein neuerbautes Wohnhaus. Ursprünglich stand hier das alte Gebäude des ehemaligen Gasthofs "Dämmrich", betrieben von Johann Richard Dämmrich. Nach dessen Schließung in den 1950er-Jahren richtete der Konsum eine Verkaufsstelle ein.

Auf der rechten Straßenseite folgt ein schmaler Weg, der zu dem Wohngebäude mit der Hausnummer 15 führt. An dieser Stelle befanden sich die Gebäude des einstigen Gasthofs "Bergschlösschen", der in den Jahren 1986 und 1989/90 wegen starker Baumängel abgebrochen wurde. Bereits 1802 erbaut, betrieben hier anfangs Andreas Wich, später die Familie Kögler, dann Willy Gottesmann und schließlich der Konsum als "Kulturhaus" den Gasthof. Eine Bäckerei war ebenfalls eingerichtet. Sehr beliebt war auch der Aufenthalt im "Terrassengarten", welcher sich auf der rückwärtigen Seite befand.

Der Königstraße weiter folgend, biegen wir am Kreuzungsbereich rechts in die Hartmannsdorfer Straße ab. Hier ist nun durch den 2017 erfolgten Abbruch des Schulgebäudes der Blick nach links zur Jacobi-Kirche und zu dem nach 1990 in einer ehemaligen Scheune eingerichteten "Landgasthof", Kirchstraße 3a, frei. Die Kirche mit ihrem romanischen Eingangsportal wurde bereits im 12. Jahrhundert erbaut und ist vermutlich das älteste Bauwerk des Ortes. Die heute noch vorhandenen drei Glocken stammen aus der Zeit des Wiederaufbaus nach 1430 und gelten als die ältesten vollständig erhaltenen Glocken Sachsens.

Auf der rechten Seite der Hartmannsdorfer Straße steht etwas erhöht ein großer Gebäudekomplex, Hausnummer 2. Heute ist hier nur noch die Kindertagesstätte "Villa Kunterbunt" untergebracht. Einst befand sich in dem Gebäude der dominante "Gasthof Königswalde". 1875 vom Fleischermeister Karl Ferdinand Kießling eröffnet, waren Richard Gustav Günther und später Kurt Sarfert nachfolgend die Betreiber, ehe der Gasthof 1972 von der Gemeinde übernommen und zu einem Mehrzweck-Gebäude umgebaut wurde.

Die Straße schlängelt sich im Verlauf nun weiter ins Tal. Vorbei an kleinen Fachwerkhäuschen und dem ehemaligen Gemeindeamt erreichen wir eine platzartige Straßenverbreiterung. Links zweigt ein Weg zum Trommerschen Bauerngut ab, in dem ehemals unter anderem die Familien Lehmann, Däumler und Trommer einen uralten Gasthof betrieben.

Die Hartmannsdorfer Straße führt nun weiter rechts bergauf. Auf der linken Seite erblickt man mehrere sanierte Fachwerkgebäude. Diesen schräg gegenüber befindet sich das Wohnhaus mit der Nummer 20, in dem über viele Jahrzehnte ein Gasthof eingerichtet war. Bis Anfang der 1860er-Jahre waren die Grundstücke auf dieser rechten Straßenseite vorwiegend unbebaut. 1864 erwarb der Schmiedemeister Carl Friedrich Wilhelm Kießling das Grundstück mit der Ortslistennummer 17c, um im folgenden Jahr ein Wohnhaus mit einer Schmiede zu erbauen. Dazu richtete Kießling eine kleine Schankwirtschaft ein, die er bis 1888 betrieb. Im Anschluss übernahm Karl Hermann Seidel die Schmiede einschließlich Schankwirtschaft. Um mehr Gastraum zur Verfügung zu haben, erweiterte Seidel 1894 das Gebäude durch einen flachen Anbau nach hinten. Dieser wird heute als Garage genutzt.

Seidel stellte 1895 den Schmiedebetrieb ein und widmete sich nur noch seinem Gasthof. Um 1900 wurde Emil Beyer neuer Gastwirt und der Gasthof hieß fortan "Zur Sächsischen Krone". Die abgebildete Ansichtskarte aus dem Jahr 1905 zeigt flanierende Besucher, reifenspielende Kinder, Pferdekutschen und Gäste im Biergarten. Aber auch geschäftiges Treiben. So ist ein Mann zu sehen, der seinen mit Waren beladenen Schubkarren mühsam durch die Passanten zwängt.

Neuer Wirt nach Beyer wurde Richard Liebold. Alfred Döhler übernahm den Gasthof 1914. Nach 1918 waren Bezüge zum ehemaligen Königshaus so verpönt, dass der Gasthof schließlich den Namen "Zur Linde" erhielt. Max Hilbig, ab Mitte 1920 neuer Besitzer, fügte 1941 den linken seitlichen Hausflügel hinzu. Hilbig betrieb den Gasthof bis Ende der 1940er-Jahre, ehe ihn sein Sohn Hans übernahm.

Etwa Anfang der 1960er-Jahre wurde der Gasthof dann geschlossen und zu einem Wohnhaus ausgebaut. In dem heute sanierten Gebäude ist der alte Bierkeller mit seiner gewölbeartigen Bogendecke noch vorhanden. Und dann gab es noch auf Königswalder Flur das Gasthaus "Feldschlößchen" in der heutigen Sorge 63B, ehe dieser Ortsteil 1952 mit den ansässigen Bauerngütern nach Werdau zugeordnet wurde.

Quellen: Bücher "Werdauer Gaststättenchronik", Band 1 und 2 mit weiteren historischen Ereignissen und umfangreichen Quellenangaben; Ortschronik Königswalde 1957 und 1995.

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