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Bombenangriffe 1945: Dieser Mann sucht nach Zeitzeugen

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Das Weihergebiet Maxhütte in Zwickau soll saniert werden, sonst droht der Verlust eines wertvollen Geländes. Doch überall könnten noch Blindgänger und Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg stecken. Das macht den Plan schwierig.

Zwickau.

So schön wie die Gegend hier draußen in Marienthal auch ausschaut, so tückisch ist sie vielleicht auch. Schmucke Schrebergärten, feuchte Wiesen, Birken. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit liegen hier auch Blindgänger und Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg unter der Erde. Wo genau, das weiß keiner, und das ist ein Problem.

Dennis Klein (37) steht an einer Baumgruppe und hält einen Lageplan in seinen Händen, auf dem die vielen Bombentrichter eingezeichnet sind, die es hier seit dem Kriegsende gibt. Die sind inzwischen zu wertvollen Biotopen geworden, zu wichtigen Lebensräumen zum Beispiel für viele Amphibienarten. So haben sich in den Trichtern Laichgewässer gebildet. Aber einige sind schon lange keine richtigen Biotope mehr. "Kommen Sie mal mit", sagt Klein und läuft durch das hohe Gestrüpp, bis er stehen bleibt. "Das ist so ein alter Bombentrichter", sagt er. "Aber er wächst immer mehr zu. Er verliert immer mehr Wasser. Dafür immer mehr Schlamm und immer mehr Müll", erzählt er. Ein Laubenpieper kommt hinzu und erzählt: "Wir haben hier schon alte Sofas herausgezogen."

Deshalb müssen die Trichter dringend saniert werden. Doch das ist nicht so einfach. Das wertvolle Naturschutzgebiet stadtauswärts rechts der Reichenbacher Straße ist auch als sogenanntes Bombenabwurfgebiet ausgewiesen. Hier befand sich einst eine Flugzeugwerft, im Zweiten Weltkrieg eine strategisch wichtige Einrichtung, Ziel der alliierten Bombenangriffe. Mehrmals wurde die Gegend hier bombardiert. Der schwerste Luftangriff auf die Stadt ereignete sich am 19. März 1945, als 2690 Bomben auf die Stadt fielen. 441 Menschen kamen ums Leben, fast 300 wurden verletzt. Geblieben sind auf dem heutigen, etwa 4,3 Hektar großen Gelände des Naturschutzgebietes rund 40 solcher Trichter, von denen 25 erhalten geblieben sind. Die müssen nun saniert werden, um die Biotope zu retten.

Doch Dennis Klein sagt: Hier rückt kein Bagger an, wenn wir nicht ganz genau wissen, wo noch Munitionsreste liegen oder Blindgänger, die vielleicht noch entschärft werden müssen." Deshalb wendet sich Klein jetzt mit einem Aufruf an die Zeitung: Gibt es noch Zeitzeugen, die etwas dazu sagen können, wo genau sich noch Reste von den Angriffen damals befinden könnten? "Die Chancen, Leute zu finden, die heute noch etwas dazu sagen können, sind gering", sagt der Mitarbeiter des Landratsamtes. "Aber vielleicht haben wir Glück", hofft Klein. Wenn es ganz konkrete Hinweise auf alte Munitionsreste gebe, würde das Land Sachsen für die Entschärfung und Entsorgung aufkommen. Wenn nicht, dann müsse das Gebiet trotzdem sehr aufwendig zum Beispiel mit Robotern abgesucht werden. Wer dann die Finanzierung übernimmt, das sei offen. Die Kosten dafür würden sich nach ersten Schätzungen auf ungefähr 50.000 Euro belaufen.

Aber die Sache ist es Dennis Klein wert. "Dieses Weihergebiet im Bereich der Siedlung Maxhütte ist mit seinem naturnahen Feuchtgebiet und seinen vielfältigen Kleingewässerstrukturen für die Stadt so selten und bedeutsam, dass wir es unbedingt erhalten wollen", sagt er. Wenn klar ist, ob und wo noch Munitionsreste liegen und sie entsorgt sind, kann mit der Renaturierung begonnen werden.

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