Pia Findeiß zieht sich überraschend als Zwickauer OB zurück

Politischer Paukenschlag in Zwickau: Die noch bis 2022 gewählte SPD-Frau tritt eher ab. Nun beginnt das Nachfolge-Rennen.

Zwickau.

Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) legt ihr Amt zum 31. Juli nieder und geht in den Ruhestand. Das verkündete sie am Montag ihren Bürgermeisterkollegen und den Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates. Die nun erforderliche Oberbürgermeisterwahl findet voraussichtlich am 7. Juni statt. Ein eventueller zweiter Wahlgang wäre am 28. Juni fällig.

Die Gründe für den Rückzug seien rein privater Natur, heißt es in einer vom Rathaus verbreiteten Pressemitteilung. "Ich war gerne Oberbürgermeisterin der Automobil- und Robert-Schumann-Stadt, und ich bin es immer noch gerne", wurde die 63-Jährige darin zitiert. "Aus persönlichen Gründen" habe sie sich jedoch entschlossen, dieses Amt niederzulegen. Im Gespräch mit "Freie Presse" sagte die emotional sichtlich angegriffene OB, ein engerer Kreis wisse schon seit dem Jahreswechsel von ihrem Plan. Sie habe seit längerem über einen idealen Termin für diesen Schritt nachgedacht. Der sei jetzt gekommen. Eine eventuelle Bedrohung ihrer Person sei dagegen nicht der Grund für ihren Rückzug. "Das habe ich jetzt schon so lange ausgehalten, das hätte ich auch noch länger ausgehalten", betonte sie. Die "persönlichen Gründe" wollte sie jedoch nicht näher ausführen.

Findeiß, promovierte Sportpädagogin, ist seit fast 26 Jahren in der Stadtverwaltung beschäftigt und seit August 2008 Oberbürgermeisterin der viertgrößten sächsischen Stadt. Erst im November war sie vom Internationalen Auschwitz Komitee mit der Auszeichnung "Statue B" gewürdigt worden. Sie wird Menschen verliehen, die sich in besonderem Maße gegen Hass und Rechtsextremismus einsetzen. Findeiß sei zum Gesicht aller toleranten und weltoffenen Bürger geworden, hatte Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, gesagt.

Der Schritt der OB kam auch für das politische Zwickau unerwartet. Thomas Beierlein, Fraktionschef der CDU, brachte die bisherige Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) als mögliche Nachfolgerin ins Gespräch. Auch die AfD-Fraktion kündigte an, einen Kandidaten zur Wahl aufstellen zu wollen.

4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    2
    GERRO
    21.01.2020

    Liebe Pia Findeiß,
    man muss nicht immer in den zurückliegenden 6 Jahren einer Meinung gewesen sein, trotzdem sage ich Ihnen (natürlich anonym im Namen vieler Mitstreiter) Danke für die faire Zusammenarbeit. Sie haben sich immer Mühe gegeben, alle Aufgaben fachlich zu lösen. Das es heute noch Ortschaftsräte in den neu hinzugekommenen Stadtteilen gibt, haben wir Ihnen zu verdanken. Der Mülsener Kömodienstadl mit dem Hauptdarsteller Dachdecker blieb uns Gott sei Gedankt erspart. Das die Verwaltung aber eine straffere Hand gebraucht hätte, um Ihre Kernaufgaben abzupacken im Straßen- und Brückenbau, das war Ihre große Schwäche. Wenn man 45mio Steuereinnahmen aus Gewerbesteuer jährlich erhält, dann sollte man diese 45mio 1:1 umsetzen für Straßen- und Brückenbau. Mit Kritik soll es aber nicht abschließen, Cainsdorf hat bald ein funktionsfähiges Stadtteilzentrum und die Vereine saubere, barrierefreie Veranstaltungsräume. Also Danke für Ihre geleistete Arbeit, möge der neue OB da weitermachen, wo Sie aufgehört haben und mit viel Elan neuen Schwung in die Stadtverwaltung bringen! Bleiben Sie gesund.
    Mein Aufruf an die Verwaltung: Baut endlich nach 20 Jahren Planung eine Cainsdorfer Brücke! Es wird Zeit oder tauscht das Personal aus.

  • 19
    32
    Malleo
    20.01.2020

    Eine OB, die mit dem Besuch der Kanzlerin beim Anlegen des Friedwaldes für NSU Opfer und einer besonderen Auszeichnung im Kampf gegen rechts geadelt wurde, darf als moralische Instanz bezeichnet werden.
    Mehr geht nicht, auch wenn es mit richtigen Baustellen mehr als traurig aussieht( Stadtentwicklung , Infrastruktur wie Gewerbeflächen, Brücken, Bahnhofsvorstadt und undurchsichtige Personalentscheidungen)
    Gute Zeit, es kann nur besser werden!

  • 13
    31
    FreierBürger
    20.01.2020

    Dann Frau Findeis persönlich alles Gute, möge sie ihrem Amtsvorgänger folgen und irgendwie glücklich werden.
    Herr Vettermann spielt jetzt Orgel und fährt Wäsche in Dänemark aus.
    Vielleicht findet Frau Findeis etwas Ähnliches zu ihrem persönlichen Glück.

  • 19
    44
    233213
    20.01.2020

    Eine gute Nachricht für Zwickau. Nichts gegen Frau Findeis persönlich, aber Zwickau wird schon seit Jahren nur verwaltet anstatt gestaltet. Jetzt besteht zumindest die Chance auf eine Verbesserung.



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