Stadtfest-Tagebuch: Volles Programm am Samstag

Die Zwickauer Stadtfete geht am Samstag weiter. Musikalischer Höhepunkt des Abends ist der Auftritt von Wincent Weiss.

Hauptmarkt. Wincent Weiss ist da. Der Star des Abends wurde von seinen Fans überschwänglich empfangen. Der Sänger schaute von der Hauptmarktbühne aus in unzählige Handys und vor Freude weinende Gesichter. Für viele der jungen Besucher war dies der krönende Abschluss Stadtfest-Samstags.


Hauptmarkt. Ein großer Moment für Isabella aus Zwickau: Sie trifft ihren Star Wincent Weiss, kurz vor dessen Auftritt auf der Hauptmarktbühne. Das Konzert des Sängers beginnt um 23.30 Uhr. 


Domhof. Sängerin Julia Neigel hat gegen 22 Uhr die Bühne am Domhof betreten. Zu Beginn ihres Unplugged-Konzerts verbeugte sie sich vor dem Zwickauer Publikum. Dann stimmte sie ihr Lied "Ich bin da" an. 

Neben eigenen Songs sang die 52-Jährige auch "Into the Great White Open" von Tom Petty


Hauptmarkt. Vor allem für die jüngeren Stadtfest-Besucher ist er der erste Höhepunkt des Abends: Der Sänger Lukas Rieger (19) hat die Hauptmarktbühne betreten. Begrüßt wurde der 19-Jährige von zahlreichen kreischenden Teenagern. 

Den Großteil seines Erfolges verdankt Lukas Rieger den sozialen Medien. Seine Musikvideos, die er über den Onlinedienst Youtube verbreitet, sind bisher rund 33,5 Millionen Mal aufgerufen worden. 


Hauptmarkt. Am Rande des Lukas-Rieger-Konzerts auf dem Hauptmarkt sprach "Freie Presse"-Reporterin Heike Hampl mit Stadtfestorganisatorin Grit Weise. Bisher sei alles reibungslos verlaufen, so Weise. Beim gestrigen Gewitter habe sie kurz gezittert, es sei aber alles gut gegangen. 

Grit Weise ist seit 17 Jahren Teil des Organisationsteams, war somit von Anfang an dabei. Hinter ihr liegt ein Jahr Vorbereitung auf dieses Wochenende. In den Nächten vor dem Stadtfest sei sie nervös, verriet Weise. Wenn dann alles gut laufe, werde aus Nervosität schnell Erleichterung. 

 


Hauptmarkt. Robert Merz (links) und Marco Stein (rechts) aus Zwickau sind sofort zur Stelle, wenn es jemandem nicht gut geht. Die beiden schieben bis um 3 Uhr die hauptamtliche Schicht beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).

"Die meisten Beschwerden bisher waren Wespenstiche und Kreislaufprobleme", sagt Robert Merz. Rund 15 ASB-Helfer sind beim Stadtfest haupt- und ehrenamtlich im Einsatz, wer Hilfe braucht, kann sich jederzeit an sie wenden. "Wir wünschen uns, dass es ruhig weitergeht", sagt Robert Merz.


Domhof. Kai-Uwe Walther (40) aus Zeitz ist zum ersten Mal mit seinem Trödelmarkt beim Stadtfest. Sonst verkauft er seine Waren hauptsächlich auf Flohmärkten. Die Zwickauer interessieren sich vor allem für Spielzeug aus DDR-Zeiten. Und überhaupt alles Nostalgische.

Kai-Uwe Walther verkauft zwar auch Möbel, "die gehen beim Stadtfest aber ehrlich gesagt nicht so gut weg", sagt er. Kein Wunder: Durch die Besuchermassen muss so ein schwerer Holzsessel erst mal transportiert werden. Der Trödler nimmt's locker: Die Stimmung gefällt ihm, und so lohnt sich das Wochenende für ihn sowieso.


Marienplatz. Nancy Neupert und ihre Tochter Lilly aus Werdau lassen Kinderaugen leuchten: Die beiden verkaufen Luftballons mit Helium-Füllung. Und das mit Leidenschaft: "Wir haben eigentlich kein freies Wochenende, höchstens im Januar und Februar", sagt Mutter Nancy Neupert.

Das Luftballon-Geschäft ist komplizierter, als man meint. Trends kommen und gehen fast jährlich. "Allerdings hat sich der große Trend aus dem Vorjahr gehalten: Einhörner", sagt Nancy Neupert. Bei Jungen ist der Dinosaurier ein Dauerbrenner, bei Mädchen sind es Delfine. Auch die Figuren aus "Die Eiskönigin", eine Disney-Produktion, sind schon eine ganze Zeit lang angesagt. Das Zwickauer Stadtfest gehört für die Werdauer Geschäftsleute seit Jahren zum Programm, sie verkaufen auch Bowle und mehr. "Es ist immer ein tolles Fest, wir möchten es weder geschäftlich noch persönlich missen", sagt Nancy Neupert. 


Muldeparadies. Andrea Schubert kommt seit vielen Jahren zum Stadtfest. Die Dresdnerin ist die Chefin am Riesenrad und verkauft wie im Akkord Tickets. "Es ist ein wunderbarer Job", sagt sie. Und die Freude sieht man ihr an: Fröhlich grinsend winkt sie Kind um Kind zum Riesenrad.

Sie verrät: "Manchmal müssen wir das Riesenrad stoppen." Immer dann, wenn irgendein Erwachsener Panik bekommt. "Und glauben Sie mir: Die schreien dann laut", sagt die Riesenrad-Chefin. Seit 1992 ist Andrea Schubert im Geschäft, sie versichert: "Es sind immer die Großen. Die Kinder haben nie Angst."


Domhof. Andreas Escher aus Chemnitz (links) und Andreas Rudolph aus Annaberg-Buchholz (rechts) steuern Licht und Ton auf der Bühne im Domhof. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, es gibt vorher keine Proben, die Techniker reagieren live auf das Geschehen auf der Bühne. "Aber die Bedingungen hier vorm Dom sind perfekt", sagt Andreas Rudolph.

Wetter und Stimmung passen, die Künstler stecken das Publikum mit ihrer guten Laune an. Das macht dann auch dem Team hinter den Kulissen Spaß. Die Techniker kennen viele Feste der Region, das Stadtfest in Zwickau mögen sie besonders gern. "Beste Location, schönes Ambiente, tolle Bandauswahl", fasst Andreas Rudolph, der Mann am Ton, zusammen.


Muldeparadies. Franzi Beyer aus Chemnitz weiß gar nicht, was heute noch alles auf sie zukommt. Ihre Brautjungfern haben den Tag geplant, Aufgabe der Braut ist es, Krimskrams zu verkaufen und Männer abzuknutschen. "Ich bin selten in Zwickau", sagt die Noch-Junggesellin. "Von daher ist das für mich nicht nur Party, sondern auch Stadtführung."

Am Nachmittag hat die Frauengruppe auch schon Spaß, allerdings sind die vielen Familienväter im Muldeparadies etwas zurückhaltender als die Feierwütigen sich das vorgestellt haben. Deswegen amüsieren sie sich solang einfach mit dem Kumpel aus Bronze vom Künstler Jo Harbort - vielleicht taut der ja heute auch noch auf.


Muldeufer. Nancy Boeck (26) aus Zwickau engagiert sich seit 16 Jahren ehrenamtlich bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Beim Stadtfest passt sie auf, dass beim Paddeln auf der Mulde nichts passiert. "Es kentert höchstens ein Boot am Tag", sagt sie und lacht.

Nancy Boeck ist von Beruf Krankenschwester, auch von Beruf Lebensretterin sozusagen. Sie stattet die Paddler mit Rettungswesten auf und überwacht den Ablauf. Das Stadtfest ist für die Zwickauer Ortsgruppe der DLRG ein Höhepunkt des Jahres. "Wenn so wie heute das Wetter passt, viele Familien mit Kindern kommen, dann ist das einfach toll", sagt Nancy Boeck.


Muldeufer. Leinen los! Etwas Erholung vom Trubel in der Innenstadt bietet am Samstag und Sonntag das Muldepaddeln. Der Anleger befindet sich zwischen den Bootstreppen des Muldeparadieses und der Paradiesbrücke. 

Eine Anmeldung ist laut Stadt nicht notwendig. Kinder dürfen nur mit Zustimmung der Eltern und in Begleitung eines Rettungsschwimmers alleine paddeln. Die Öffnungszeiten während des Stadtfestes sind Samstag von 14 bis 19 Uhr und Sonntag von 12 bis 19 Uhr. 


Kornmarkt. Die inzwischen 52 Berufsjahre merkt man Regina Thoss nicht an. Weder optisch noch stimmlich. Am Samstag eröffnete die gebürtige Zwickauerin das Programm auf der Stadtfestbühne am Kornmarkt. Obwohl sie einige Zeit nicht in ihrer Heimatstadt war - und wie sie schmunzelnd sagte, erst ein Navigationsgerät bemühen musste -, sind ihr die Fans offenbar treu geblieben.

Vom ersten Song an ging das Publikum mit. Regina Thoss, die auch ihre Qualitäten als Entertainerin bewies, brachte die Zuschauer auf dem Kornmarkt schnell zum Mitmachen. Neben ihren eigenen großen Erfolgen machte sie auch ihrem Ruf als "Milva des Ostens" Ehre, indem sie ein Lied der italienischen Sängerin sang. Ihre Stimme hat in all den Jahren nichts an Qualität eingebüßt.

Nur schade, dass ihr Live-Gesang durch zu laute Musik übertönt wurde. Dem meist älteren Publikum gefiel es trotzdem. "Es ist eben unsere Zeit", sagte Wanda Preiske, die eigens aus Schneeberg angereist war. "Daher mussten wir heute auch herkommen und Regina auf der Bühne sehen", sagte die Rentnerin. Für die Sängerin war es ein besonderes Erlebnis, nach langer Pause wieder in ihrer Heimatstadt auf der Bühne zu stehen. "Bei der 900-Jahr-Feier muss man einfach dabei gewesen sein", sagte sie.


Hauptstraße. Christian Adler hat einen Stadtführer für Zwickau geschrieben, den ersten seit 20 Jahren aus dem Chemnitzer Verlag. Adlers Werk merkt man in jeder Zeile die Liebe zu Zwickau und der Region an, wo der Dresdner viel Zeit bei den Großeltern verbracht hat. Seine Großmutter Johanne Neumärker war eigens zur Lesung mitgekommen. "Sie hat mich sehr geprägt, ich bin in der Sächsischen Schweiz aufgewachsen, aber wegen ihr im Herzen Zwickauer", sagte Christian Adler. Auch seine Mutter Ute Adler unterstützte ihn bei der Lesung, den Stolz auf den Autor merkt man der ganzen Familie an.

Um 15 Uhr begann Adlers Lesung im "Freien Presse"-Shop. Die Gäste bekamen nicht nur Texte aus dem Buch zu hören, Adler gab auch Anekdoten zum Besten, die er nicht zu Papier gebracht hat. Außerdem gewährte er einen Blick hinter die Kulissen: Wie ist sein Stadtführer entstanden, wie akribisch war die Recherchearbeit? Der "Freie Presse"-Shop hat heute übrigens noch bis 19 Uhr geöffnet, schauen Sie doch mal bei uns an der Hauptstraße 13 vorbei!

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