Vier Jahre und neun Monate Haft für Überfall auf Tankstelle und Spielothek

Für das Landgericht Zwickau steht fest: Es waren drastische Überfälle mit Waffen. Der Richter nennt die Beweislast erdrückend.

Zwickau.

Nach dem Überfall auf die Access-Tankstelle im Zwickauer Stadtteil Niederplanitz Ende März und auf eine Spielothek in Pölbitz zwei Tage später, muss ein 20 Jahre alter Syrer für vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Die Jugendkammer am Landgericht Zwickau sah es als erwiesen an, dass er als Anführer einer kleinen Bande maßgeblich an den Raubüberfällen beteiligt war. Der junge Mann hatte die Taten gestanden.

Die Reue allerdings wollte ihm die Jugendkammer am Landgericht nicht glauben und bescheinigte ihm eine gravierende kriminelle Energie. "Es waren drastische Überfälle mit Waffen", sagte der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann. Die Opfer konnten weder erkennen, dass es sich nur um eine Schreckschusspistole handelte, noch dass diese nicht geladen war. "Wir wissen aber, dass Schreckschusspistolen aus einer Entfernung von zwei oder drei Metern auch schwere Verletzungen auslösen können", sagte Hartmann. Einem seiner Opfer hatte der junge Mann die Waffe sogar an die Schläfe gehalten. Das Geständnis sei für den Syrer der Weg des geringsten Widerstandes gewesen, sagte der Richter in der Urteilsbegründung. "Die Beweislast war erdrückend". Auf die Spur war die Polizei dem Angeklagten unter anderem gekommen, weil er am Ort des zweiten Überfalles sein Handy verloren hatte. Außerdem hatte seine Ex-Freundin über die Planungen zu den Überfällen ausgesagt.


Gemeinsam mit einem Komplizen, der noch auf seine Anklage wartet, war der 20-Jährige, schwarz gekleidet und mit weißen Masken, am 28. März in der Tankstelle aufgetaucht. Beide schrien "Tresor, Tresor". Um ihre Forderung zu untermauern, bedrohte der Angeklagte die 60-jährige Verkäuferin mit einer Waffe. Sie gab das Geld heraus und die Täter verschwanden mit 2500 Euro. Die Frau ist bis heute arbeitsunfähig. "Da dieser Überfall relativ einfach über die Bühne ging, haben sie weitergemacht", sagte Hartmann. Schon zwei Tage später überfielen sie die Spielothek "El Dorado" in Zwickau-Pölbitz, als die Mitarbeiterin gerade den Laden abschließen wollte. Doch die Tat stellte sich als weniger einfach heraus. Die Frau schrie um ihr Leben. Während der Angeklagte aussagte, ihr nur den Mund zugehalten zu haben, ging das Gericht davon aus, dass er mehrfach zugeschlagen hatte. "Für die Frau muss sich das angefühlt haben wie in einem Horrorfilm", sagte der Richter. Wenn auch nicht, wie in der Anklage dargestellt, mit der Waffe. Beute machten sie dort keine. Nachdem die beiden Komplizen schon frühzeitig das Weite gesucht hatten, flüchtete auch der Angeklagte, weil er Angst hatte, dass die Schreie in der Polizeidirektion gehört werden könnten. Auch diese Frau kann bis heute nicht arbeiten gehen.

Staatsanwalt Jürgen Pfeiffer hatte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und vier Monaten beantragt. Verteidiger Torsten Rimpler hatte auf drei Jahre Haft plädiert. Er stellte vor allem das Geständnis seines Mandanten und seine Mitarbeit bei den Ermittlungen heraus. Nur dem Angeklagten sei es zu verdanken, dass kurz nach dessen Festnahme auch die beiden anderen Täter festgenommen werden konnten. Der Angeklagte selbst entschuldigte sich in seinem Schlusswort noch einmal bei seinen Opfern, ohne diese allerdings eines Blickes zu würdigen. Ja, er habe viel Mist gebaut, sagte er. Er sei in Deutschland immer wieder an falsche Freunde geraten. Dabei versuchte er, sich selbst als Opfer darzustellen. Durch die Schreie der Spielothek-Mitarbeiterin habe er zwei Monate sehr schlecht geschlafen und sei auch traumatisiert gewesen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Schon in Kürze wird der 20-Jährige wieder vor der Jugendstrafkammer stehen. In einem Berufungsverfahren will er ein milderes Urteil erreichen. Vom Amtsgericht war er im Juni unter anderem wegen Körperverletzung zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Am Neumarkt hatte er mit einem Messer auf einen Kontrahenten eingestochen, und auch am Georgenplatz war er in eine Schlägerei verwickelt, bei der auch seine Schreckschusspistole eingesetzt hatte. Er selbst will Notwehr gehandelt haben. (nkd)

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