Die Königin der Instrumente bekommt eine Verjüngungskur

Rund 100.000 Euro kostet die Generalsanierung der Jehmlich-Orgel in der Gersdorfer Marienkirche. Für diesen Kraftakt hat die Kirchgemeinde lange gespart.

Gersdorf.

So hat Pfarrerin Barbara Schmidt die Jehmlich-Orgel in der Gersdorfer Marienkirche auch noch nicht gesehen: 2186 Metallpfeifen, 340 Holzpfeifen und 280 Zungen für Posaunen und Trompeten sind ausgebaut und stapeln sich vor dem Orgelprospekt. Der steht nur noch als leere Holzkonstruktion da. Die Königin der Instrumente - in nur drei Tagen zerlegt in Tausende Teile.

"Unglaublich, wie viel Genialität in so einem Instrument steckt", sagt die Pfarrerin. Seit Jahren hat sie mit der Kirchgemeinde Geld für die rund 100.000 Euro teure Generalsanierung angespart. "Viele Spender, auch Firmen gaben immer wieder Beträge. So haben wir schon einen Großteil der Eigenmittel zusammen. Dazu kommen Fördermittel von der Landeskirche", sagt die Pfarrerin. Dass die Orgel dringend sanierungsbedürftig ist, steht seit Jahren außer Frage. Die Staubentwicklung bei der Innensanierung der Kirche gab dem geplagten Instrument den Rest.

Als die zweimanualige Orgel, gebaut vom Zwickauer Wilhelm Fürchtegott Jehmlich, im Jahr 1869 ihren Dienst aufnahm, besaß sie lediglich 1848 Pfeifen, verteilt auf 32 Register. Hoforganist Johann Gottlieb Töpfer aus Weimar nahm sie damals ab und befand sie für gut. 1913 wurde die pneumatische Kegelladenorgel von der Firma Jehmlich stark erweitert auf 2800 Pfeifen und 44 Register. Noch eine Neuerung gab es im Zuge des Kirchenumbaus in den 1950er-Jahren. Die Orgelempore wurde um 1,30 Meter in den Kirchenraum vorgerückt. Damit ergab sich die Chance, den Orgelspieltisch von der Orgel weg um 3,50 Meter an die Emporenbrüstung zu versetzen. Nun hatte der Organist den Kirchenchor nicht mehr im Rücken, sondern vor Augen und konnte ihn von da aus leiten. In den 1970er-Jahren häuften sich dann die Probleme mit der Bespielbarkeit des Instruments. Glücklicherweise erkannte man rechtzeitig seinen Eigenwert und entschied sich gegen Sanierungskonzepte, die in das homogene romantische Klangbild der Orgel eingegriffen hätten. Zwischen 1986 und 1990 wurde die Orgel lediglich grundhaft saniert, auf 440 Hz höher gestimmt, gereinigt, alle Ledermembranen ausgetauscht und defekte Register repariert. Das ist lange her.

"An so einer Orgel ist aber immer etwas zu machen", sagt die Pfarrerin. "Diesmal ist die Generalsanierung unumgänglich." Warum, das zeigt Albrecht Hasemann von der Firma Orgelbau Ekkehart Groß in Waditz, der sich um die Metallpfeifen kümmert. Eine Pfeife nach der anderen nimmt er sich vor. An vielen ist der Fuß durch das Eigengewicht zusammengesackt. Die Zink- und Zinn-Blei-Legierungen sind empfindlich. Gezieltes Hämmern bringt sie wieder in die richtige Form. Risse werden an Ort und Stelle zugelötet, Dellen wieder ausgetrieben.

Norbert Becker befreit die gesamte Holzkonstruktion von Dreck und Staub, ersetzt verrostete Schrauben. Schadhafte Teile muss er nachbauen, defekte Bälgchen reparieren. Er gibt sich zufrieden: "Wir haben hier zumindest keinen Holzwurmbefall. Da haben unsere Vorgänger schon einiges dagegen getan", sagt Roland Gotzmann. Dass die Orgelbauer bei der Vielzahl von Pfeifen beim Zusammensetzen etwas verwechseln könnten, die Gefahr besteht nicht. "Wenn du so ein Instrument auseinandergenommen hast, weißt du ganz genau, wo was hingehört", versichert er.

Unterdessen hofft Barbara Schmidt weiter auf Gönner. "Wenn in so ein Instrument hineingerissen wird, gibt es immer Überraschungen. Wer weiß, was noch unterm Fußboden zum Vorschein kommt." Aber sie ist sicher: "Am Ende der Sanierung wird die Orgel wieder ihre großartige romantische Klangfarbe entfalten können."

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