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Sebastian Wolf öffnet heute sein Haushaltwarengeschäft in der Badergasse zum letzten Mal. Er sagt der Selbstständigkeit adieu.

Foto: Andreas Kretschel

Ladensterben: Geschäftsmann in Lichtenstein wirft das Handtuch

Nach 28 Jahren schließt Sebastian Wolf sein Geschäft. Er sieht langfristig für den Handel in der Lichtensteiner Innenstadt keine Perspektive.

Von Hans-Peter Kuppe
erschienen am 13.01.2018

Lichtenstein. Sebastian Wolf gibt auf. Heute schließt der Inhaber des Haushaltwarengeschäfts "Tisch und Trend" in der Badergasse 4 in Lichtenstein zum letzten Mal die Ladentür auf. Damit macht eines der größten Geschäfte der Lichtensteiner Innenstadt dicht. "Von den Geschäftsleuten, die mit der Wende ihren Laden eröffnet haben, gibt es heute mit Ausnahme von Barth Optik fast keinen mehr", sagt Wolf. Nach 28 Jahren macht er Schluss.

Mit Rabatten bis zu 75 Prozent will der Geschäftsmann heute noch einmal seine Kundschaft zum großen Finale in den Laden locken. Wer Wühltische erwartet, liegt falsch. Ramsch gab es auf 145 Quadratmeter Verkaufsfläche nie. "Ich habe immer nur hochwertige Erzeugnisse verkauft, hatte Stammkundschaft aus der gesamten Region", sagt er. Den Schritt zum Schließen des Ladens hat er sich lange überlegt. "Das Gesamtpaket passt einfach nicht mehr. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden, hätte ich weitergemacht. Aber ich habe einfach mal zehn Jahre weitergedacht. Und da sehe ich für den innerstädtischen Handel und für mich persönlich einfach keine Perspektive mehr", sagt der 53-Jährige.

Der gelernte Werkzeugmacher hatte 1990 als Quereinsteiger den Laden eröffnet, engagierte sich später im Gewerbeverein und als stellvertretender Vorsitzender der Stadtinitiative. "Wir haben mit den innerstädtischen Geschäftsleuten viel auf die Beine gestellt", sagt er. Doch in den vergangenen Jahren haben sich aus seiner Sicht die Rahmenbedingungen für die Händler immer mehr verschlechtert. Auch das Kaufverhalten der Leute habe sich geändert. Preis geht oft vor Qualität. Seit vier Jahren machen den Geschäftsleuten der Innenstadt außerdem die vielen Straßenbaumaßnahmen zu schaffen. Umsatzeinbußen von 20 Prozent musste auch Wolf verkraften. Das konnte der Onlineshop nicht vollständig kompensieren. "Das ist aber nicht der entscheidende Fakt. Mit Gesamtpaket meine ich das gesamte Drum und Dran. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Händler, die enorme Bürokratie, dazu die vielen Probleme, die Selbstständige mit Steuern und persönlicher Absicherung haben. Jeder kommt und hält die Hand auf, von der IHK bis zum Handelsverband."

Ein Beispiel hat er parat. "Der Gesetzgeber verlangt von uns, neue Registrierkassen zu kaufen, an denen Finanzbeamte zur Kassennachschau nur noch einen Stick anstecken müssen. Aber gleichzeitig lässt er das kassenlose Geschäft für Markthändler zu. Für mich ist dieses Gesetz ein Hilfsprogramm der Bundesregierung für die chinesischen Kassenhersteller", redet Wolf Klartext.

Er will einfach nicht mehr. Im Handel bleibt er trotzdem, allerdings in einem Angestelltenverhältnis. "Die Chance hat sich ergeben, die will ich auch nutzen." Und er weiß: "Ich trauere der Selbstständigkeit nicht hinterher. Mir tut es nur für meine vielen treuen Stammkunden leid." Den Online-Shop verkauft er. Den Laden, den er 1996 noch einmal mit einem Anbau erweitert hat, will er künftig vermieten.

 
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