Ex-Vertrauter warnt AfD vor "Bonnie und Clyde"

Eine Woche vor dem Bundesparteitag in Köln rechnet nun auch ihr bisheriger Berater mit Frauke Petry ab - und ihrem Ehemann Marcus Pretzell. Kann sich die Parteichefin trotzdem halten?

Dresden. Lange hat die Zusammenarbeit mit Frauke Petry nicht gedauert. Als "publizistischer Berater" sollte Michael Klonovsky ihr zur Seite stehen. Bezahlt wurde der langjährige "Focus"-Redakteur seit Juni 2016 von der sächsischen AfD-Landtagsfraktion. Der 54-jährige schrieb Reden für Petry, pflegte Kontakte zu Journalisten und versuchte ihr Zugänge zu konservativen Intellektuellen zu öffnen.

Zumindest zeitweise verfolgte er noch am Mittwoch die Landtagssitzung - obwohl er mit der AfD-Chefin längst fertig war. Mittlerweile ist Klonovsky mit sofortiger Wirkung gekündigt worden, wegen "Zerstörung des Vertrauensverhältnisses", wie er selbst sagt. Die Fraktion will Personalangelegenheiten nicht kommentieren.

Klonovsky dagegen wählt die Offensive - und warnt die Delegierten des AfD-Parteitags in einer Woche in Köln ausdrücklich davor, Frauke Petry zur Spitzenkandidatin der Bundestagswahl zu machen. Am Donnerstag rechnete er auf seiner Internetseite unter der Überschrift "Bonnie und Clyde" ab - nicht nur mit Petry, sondern vor allem mit ihrem Ehemann Marcus Pretzell, dem AfD-Landeschef in Nordrhein-Westfalen. Nach Klonovskys Schilderung übt er einen eher verhängnisvollen Einfluss auf Petry aus. "Ihr eine Idee Pretzells auszureden ist ungefähr so sinnvoll, als hätte man Erich Honecker von den Vorzügen der Marktwirtschaft überzeugen wollen", schreibt Klonovsky. Und auch, dass der Bochumer "so wenig bürgerlich wie Björn Höcke" sei. Und dass die AfD für "P&P" primär keine politische Partei sei, sondern "ein Verein, der sich aus Gefolgsleuten sowie noch nicht kaltgestellten Feinden zusammensetzt".

Klonovsky kommt auch auf seine Erfahrungen mit Pretzell zu sprechen. Er habe für ihn Reden geschrieben, Kontakte angebahnt und Termine vorbereitet, Pretzell schulde ihm damit von Juli bis Dezember 2016 insgesamt 24.000 Euro. Nachdem dieser Vorwurf schon vor einer Woche öffentlich geworden war, hatte Pretzell auf Facebook seine Sicht der Dinge geschildert. Danach habe Klonovsky monatlich 6000 Euro von der sächsischen Fraktion bekommen und sollte monatlich weitere 4000 Euro als Mitarbeiter des Europaabgeordneten Pretzell erhalten - was aber auch deshalb nie zustande kam, weil Klonovsky nicht alle dazu erforderlichen Daten geliefert habe. Gemeinsam mit einem anderen Ex-Berater der sächsischen Fraktion habe Klonovsky die AfD erpressen wollen - und der Bundesgeschäftsstelle schon mal für die Vermittlung eines Kontaktes zu einem Dresdner Bekannten eine 20.000-Euro-Rechnung "ohne Substanz" präsentiert. Schreibt jedenfalls Pretzell. Klonovsky hat inzwischen Klage beim Arbeitsgericht München eingereicht, vertreten wird er von einem Freund, dem 2016 von der CDU in die AfD gewechselten Dresdner Anwalt Maximilian Krah.

Klonovsky selbst ist nicht AfD-Mitglied, hat aber nach wie vor große Sympathien mit der aus seiner Sicht "einzigen Oppositionspartei des Landes". Gerade jetzt müsste sie sich zusammenraufen und eine Parteivorsitzende eigentlich "als integrative Kraft" wirken. Aber: "Derzeit versucht Frau Petry, bürgerliche politische Inhalte als identisch mit ihrer Person zu verkaufen", schreibt Klonovsky - und nennt es ein "durchsichtiges Manöver, veranstaltet nach einem Pretzell-Drehbuch", dabei der Öffentlichkeit suggerieren zu wollen, dass eine Entscheidung gegen sie ein "Rechtsruck" und die AfD damit unwählbar wäre. Laut Klonovsky existierten jedoch "alle wichtigen Themen, alle guten Konzepte der AfD" vollkommen unabhängig vom "dualen Politbüro", wie er Petry und Pretzell nennt.

Der Ex-Journalist, der Petry mehrere Monate lang nahe stand, resümiert, dass er sich in ihr geirrt habe: "Frauke Petry mag vielleicht die talentierteste Politikerin der AfD sein, aber wem das Schicksal der Partei am Herzen liegt, der darf diese Frau nicht unterstützen." Nötig seien "neue Gesichter", die für Inhalte statt Streit stünden. Petry und Pretzell seien "die Hauptverantwortlichen dafür, dass sich die AfD im ständigen Modus der Selbstzerfleischung befindet". Ein Votum für den Rechtsaußen-Flügel um den Thüringer Landeschef Björn Höcke, der sich zufrieden die Hände reiben dürfte, ist die Attacke freilich trotzdem nicht - und genau das macht sie für Petry so gefährlich. Klonovsky endet mit den Worten: "Wenn sich die bürgerlichen Kräfte in Köln durchsetzen, fängt die Karriere der AfD erst richtig an."

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2Kommentare
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    0
    Tauchsieder
    13.04.2017

    Die Rache des Enterbten. Trau niemand über 50` zig!

  • 4
    4
    Deluxe
    13.04.2017

    Bei all diesen Vorfällen könnte man fast meinen, daß sich ein paar angstgetriebene Altparteien angesichts der drohenden Bundestagswahl finanziell engagieren, um Leuten wie Klonovsky und anderen das Sprechen zu erleichtern...



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