Keine neuen Kurse mehr - Mopedschein mit 15 vor dem Aus?

Was schon in der DDR möglich war, wurde ab 2013 im Osten getestet. Mit großem Erfolg. Doch wie das Projekt weitergeht, sagt niemand.

Chemnitz.

Die Führerscheinstellen in Sachsen nehmen bis auf weiteres keine Anträge mehr auf den Erwerb einer Moped-Fahrerlaubnis ab 15 entgegen. Das gilt für Jugendliche, die nach dem 30. April 15 Jahre alt werden, bestätigte gestern das sächsische Wirtschaftsministerium. Hintergrund dafür ist, dass Ende April das fünfjährige Modellprojekt des Mopedführerscheins mit 15 endet. Das Bundeswirtschaftsministerium hat sich bisher weder zu einer Verlängerung noch zu einem Abbruch oder zu einer Ausdehnung auf alle Bundesländer geäußert - obwohl dies bis Ende 2017 passieren sollte.

"Die sächsische Regierung möchte eine Verlängerung, kann das jedoch nicht allein umsetzen. Die Länder hatten schon Mitte November 2017 auf sächsischen Vorschlag in der Verkehrsministerkonferenz den Bund aufgefordert, das Modellprojekt bis Ende April 2020 zu verlängern", teilte das Wirtschaftsministerium in Dresden mit. Dazu müsste eine Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung erfolgen. Zuständig sei das Bundesverkehrsministerium. Im Januar habe man den Bund nochmals dazu aufgefordert. Bisher gebe es aber keine Reaktion, sagte Ministeriumssprecherin Kathleen Brühl.

Ein aus Sicht des Landesverbandes Sächsischer Fahrlehrer unhaltbarer Schwebezustand. Wie dessen Vorsitzender Andreas Grünewald sagte, besitzen zwei Drittel der rund 650 Fahrschulen in Sachsen die Berechtigung, Anwärter auf Motorrädern und damit auch auf Mopeds auszubilden. Gerade für die Winterferien habe es viele Anfragen von jungen Leuten gegeben, die die unterrichtsfreie Zeit gern schon für die theoretische Ausbildung nutzen wollten. Die praktischen Fahrstunden - im Schnitt zwischen 20 und 30- würden ohnehin erst folgen, wenn es wärmer ist. Doch alle Anträge würden bereits von den Fahrerlaubnisstellen abgewiesen. Auch die Fahrschulen haben keine Informationen, wie es weitergeht.

Der Mopedführerschein mit 15 basiert auf einer Initiative der Verkehrsministerkonferenz der Länder im Jahr 2011. Am 1. Mai 2013 startete dann der schon zu DDR-Zeiten mögliche Führerschein als Modellversuch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen - begrenzt auf Zweiräder mit maximal 45 Kilometern pro Stunde. 2017 erfolgte die Ausdehnung auf Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Er wurde wissenschaftlich begleitet: durch die Bundesanstalt für Straßenwesen und die TU Erlangen. In Abhängigkeit von den Ergebnissen, zu denen auch die Entwicklung der Unfallzahlen gehört, sollte über das weitere Vorgehen entschieden werden. Doch bis heute würden die Ergebnisse unter Verschluss gehalten, beklagt Grünewald.

Zumindest einige Statistiken kennt er. In den vergangenen fünf Jahren gab es keinen tödlichen Unfall mit einem 15-jährigen Mopedfahrer. Die Anzahl der Leichtverletzten stieg von 2013 bis 2016 von 12 auf 53, die der Schwerverletzten von 2 auf 24. "Kein Vergleich zu Fahrradunfällen", betont Grünewald. Insgesamt erwarben in den fünf Jahren nur in Sachsen etwa 8500 15-Jährige den Mopedführerschein. 2016 waren es allein fast 3000, in den ersten zehn Monaten 2017 exakt 3028. Mit welcher Ernsthaftigkeit die jungen Leute ihre Pläne verfolgten, würden die bestandenen Prüfungen zeigen. In keiner anderen Fahrerlaubnisklasse lägen sie bei fast 80 Prozent - und das in allen mitteldeutschen Ländern. Es seien der Spaß am Fahren und der Mobilitätsaspekt, weshalb der Ansturm auf diesen Führerschein so groß ist, sagt Grünewald.

Nach Recherchen der "Freien Presse" ist in Berlin bisher keine Entscheidung gefallen, weil das zuständige Ressort noch keinen Minister hat. Auch im neuen Koalitionsvertrag gibt es keine Aussagen dazu.

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2Kommentare
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  • 5
    2
    Täglichleser
    13.02.2018

    Hallo ich noch mal Euer Verkehrtsmimister: "Die haben doch den Grünen Pfeil bekommen. Mehr geht
    nicht. Wir müssen an unsere christlich-konservativen
    Werte denken!"

  • 5
    3
    Täglichleser
    13.02.2018

    Mopedschein ab 15 gab es in der DDR. Vorsicht es
    lauert in diesem Modellprojekt eine kommunistische
    Gefahr. Igitt. Wer hat denn das zugelassen?
    Das lassen wir jetzt mal ganz geräuscharm auslaufen.
    Euer Verkehrsminister D.



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