Fall Oury Jalloh: Generalstaatsanwaltschaft setzt neue Ermittler ein

Naumburg/Chemnitz. Im Fall des Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone, der im Januar 2005 in einer Polizeizelle in Dessau (Sachsen-Anhalt) verbrannte, hat die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg neue Ermittler eingesetzt. Man habe das Verfahren bereits im Juni der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau entzogen und der Staatsanwaltschaft Halle übertragen, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg, Klaus Tewes, am Mittwoch der "Freien Presse". Zur Begründung erklärte Tewes, der langjährige leitende Staatsanwalt in Dessau sei Ende 2016 in Ruhestand gegangen; seine Nachfolgerin sei seither mit wichtigen Fällen wie dem Mord an der chinesischen Studentin Yangjie Li in Dessau befasst und damit zeitlich überfordert gewesen.

Auf Druck der Hinterbliebenen Oury Jallohs und einer Gedenkinitiative hatte die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau vor einem Jahr, am 18. August 2016, in einem Brandschutzlabor in Schmiedeberg im Osterzgebirge einen Versuch durchführen lassen, in dem der Zellenbrand von Dessau nachgestellt wurde. Damit sollte aufgeklärt werden, ob sich der 36-Jährige, wie von den Ermittlern lange behauptet, selbst entzündet haben kann, obwohl er gefesselt auf einer feuerfesten Matratze lag. Die Nebenklage bezweifelt das und beruft sich auf eigene Gutachten.

Die Ergebnisse des Versuchs in Schmiedeberg wurden bis heute nicht veröffentlicht. Generalstaatsanwaltschaft und Justizministerium in Magdeburg erklärten dazu, die Ermittlungen dauerten an; Veröffentlichungen könnten deren Erfolg gefährden. Ein Mitarbeiter des Brandschutzlabors in Schmiedeberg sagte der "Freien Presse", die Ergebnisse des Brandversuchs, die von einem Schweizer Forensiker ausgewertet werden sollten, habe man bereits im Oktober 2016 der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau übergeben.

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