Katholikentag: Leipzig streitet ums Geld

Mit einer Million Euro will die Stadt die kirchliche Großveranstaltung 2016 unterstützen. Gegner des Ratsbeschlusses streben ein Bürgerbegehren an.

Leipzig. Es soll eine große Jubiläumsveranstaltung werden, doch aus der Gastgeberstadt kommt nicht nur Zustimmung: Nach einem knappen Mehrheitsbeschluss des Stadtrates für die finanzielle Unterstützung des 100. Deutschen Katholikentags 2016 in Leipzig wollen Gegner die Finanzierung jetzt mit einem Bürgerbegehren stoppen. "Gegen die staatliche Subventionierung der Großveranstaltung und für mehr demokratische Mitbestimmung" positioniert sich Organisator Marco Bras dos Santos, der auf einer Facebook-Seite inzwischen mehr als 1000 Kritiker vereint hat.

Mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP gegen Linke und Grüne hatte der Stadtrat vergangene Woche für eine kommunale Zuwendung von einer Million Euro für den Katholikentag gestimmt. Genauso viel Geld stellten Stadt und Kreis Regensburg für die diesjährige Veranstaltung bereit. Sachsen hat mit drei Millionen Euro für 2016 indes fast doppelt so viel Finanzhilfe zugesagt wie Bayern in diesem Jahr. Der Landtag in Dresden muss aber dem Posten im Haushalt noch zustimmen.

Insgesamt rechnen die Veranstalter des 100. Katholikentags mit Kosten von 9,9 Millionen Euro. Wegen der Jubiläumsveranstaltung, die man in besonderer Weise würdigen wolle, sei der Etat etwas größer als sonst, sagt Theodor Bolzenius, Pressesprecher des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZDK). Er betont aber zugleich: "Die Stadt ist der größte Nutznießer." Etwa vier Millionen Euro flössen direkt in Leipziger Gesellschaften zurück, noch einmal so viel Geld würden die Teilnehmer erfahrungsgemäß am Veranstaltungsort ausgeben. Grundsätzlich, so Bolzenius, seien solche Großveranstaltungen nur mit Unterstützung der öffentlichen Hand zu stemmen. Das gelte für Sport und Kultur ebenso. Und: "Der Katholikentag ist keine Veranstaltung der Kirche, sondern von katholischen Laien", betonte der ZDK-Sprecher. "Sie laden die Bürger ein, um mit ihnen über gesellschaftliche Themen zu diskutieren." Dazu zählten etwa Friedensbewegung, interkulturelle Verständigung und christlich-islamischer sowie christlich-jüdischer Dialog.

Unterstützung für das Bürgerbegehren kommt indes von der Piratenpartei, die mit dem Thema vor der Teilneuwahl des Leipziger Stadtrats am 12. Oktober politisch punkten will. Sie fordert eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Die Hürde für das Quorum ist jedoch hoch: Mehr als 20.000 Unterschriften müssten binnen zwei Monaten gesammelt werden.
Die Linke-Fraktion im Stadtrat zeigte sich unentschlossen. Der Abgeordnete William Grosser hatte noch vor der Abstimmung betont, Leipzig könne sich angesichts von 22.000 Langzeitarbeitslosen die Ausgabe nicht leisten. Gestern sagte Grosser, man beobachte das Bürgerbegehren. Es sei aber noch nicht klar, was der Initiator genau wolle. "Grundsätzlich", so der Linke-Stadtrat, "haben wir nichts gegen den Katholikentag."

 

30.000 Dauerteilnehmer bei kirchlicher Laienveranstaltung

Vom 25. bis 29. Mai 2016 findet der 100. Deutsche Katholikentag in Leipzig statt. Zu der kirchlichen Laienveranstaltung werden 30.000 Dauerteilnehmer und mehrere Zehntausend Tagesgäste erwartet. Der Katholikentag, der alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Evangelischen Kirchentag stattfindet, wird von einem Verein ausgerichtet, dem Vertreter des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken und des gastgebenden Bistums angehören. Der letzte Katholikentag fand vom 28. Mai bis 1. Juni 2014 in Regensburg statt, der übernächste ist 2018 in Münster.

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1Kommentare
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  • 0
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    vomdorf
    27.09.2014

    9,9 euro...fragt mal bei dem van elst nach...

    im übrigen erschließt sich mir nicht im geringsten, warum der staat solche treffen finanzieren sollte.



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