Jobsuche: Mit Kreativität in der Masse auffallen

Einen Comic basteln, Schwimmflügel verschicken oder mitten in der Stadt ein riesiges Poster plakatieren

Chemnitz.

Vom per Hand eingetüteten Bewerbungsschreiben zum am Computer ausgefüllten Bewerbungsformular - es gibt Personalleiter in Deutschland, die glauben, damit sei die Evolution der Bewerbung schon wieder beendet. In den Augen von Bewerbungsexpertin Svenja Hofert beginnt sie gerade erst.

"Ich sehe Bewerbungs-E-Books, Dossiers, Infografiken, Videos, Twitter-Nachrichten, Blogbewerbungen", sagt die Buchautorin und Gründerin einer Plattform für Selbstlernkurse und Online-Beratung rund um die Themen Bewerbung, Karriere und Persönlichkeit. "Alles ist heute möglich", so Svenja Hofert. Und alles sei weitgehend akzeptiert, wenn es um einen gefragten Bewerber geht, der die fachlichen und persönlichen Qualifikationen mitbringt, die man heute braucht. "Einzig in Konzernen herrscht immer noch das Online-Formular vor, das die multimediale Kreativität in Schranken weist."

Mitunter sei es für Bewerber jedoch nicht so leicht, nachzuvollziehen, welche Bewerbungsform erwünscht ist und was eigentlich zeitgemäß ist. "Ich sehe immer noch, dass Lehrer für ihre Schüler Vorlagen aus den 1980er-Jahren nutzen", so Hofert. Da seien noch Elternberufe beinhaltet und der Aufbau sei vorwärts- statt rückwärtschronologisch. "Immer wieder begegnen mir zudem Menschen, die unsicher sind, was denn nun richtig sei."

Weil sich aber gerade am Beginn der Karriere die Lebensläufe vieler Hochschulabsolventen gleichen, könne das Guerilla-Marketing eine Methode sein, aus der Masse der Bewerber aufzufallen. Mit einer solchen Methode sorgte zuletzt etwa ein gewisser Adam Pacitti in London für einiges Aufsehen. Er ließ in der Stadt ein großes Plakat mit seinem Konterfei aufhängen. Darauf war der Spruch zu lesen: "Ich habe meine letzten 500 Pfund in dieses Plakat investiert. Bitte geben Sie mir einen Job." Nach eigenen Angaben bekam er 60 seriöse Jobangebote - nun arbeitet er im Marketing für eine Firma.

In ihren Zeiten als Personalerin hat Svenja Hofert ähnlich kreative Bewerbungen erlebt. "Es gab mal einen Bewerber, der legte Schwimmflügel bei mit dem Spruch, er wolle in der Flut der Bewerber nicht untergehen", erzählt Svenja Hofert. Das sei gut angekommen. Ein anderes Mal habe ein Bewerber bei einem Fußballverein eine Fußballzeitschrift gebastelt. Eine schöne Idee sei auch ein selbst gemachtes Comic - statt einer Bewerbungsmappe. Die richtig schrägen Bewerbungen kommen aber nur bei Personalern in der Kreativbranche gut an. In konservativen Berufen wie dem Controlling sei sie dagegen keine gute Idee. Außerdem sei der Grad zwischen peinlich und gut häufig schmal. Svenja Hofert rät daher, kreative Bewerbungsideen zuerst Freunden zu präsentieren.

Schließlich sollten Jobsuchende darauf achten, dass ihre Idee nicht bereits in den Medien war. "Wer jetzt in Deutschland ein Plakat wie das von Adam aus London aufhängt, kopiert." Das finden die meisten Personaler dann nicht mehr interessant, sondern nur noch peinlich. Jobsuchende sollten deshalb vor der Bewerbung prüfen, ob nicht schon jemand anderes die gleiche Idee vor ihnen hatte. (mit dpa)

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