Kriege ich jetzt schneller eine Therapie?

Ob Akuttherapie oder Sprechstunde - die neuen Behandlungsangebote in der Psychotherapie stoßen auf breite Zustimmung. Das zeigte sich sich auch bei unserem Telefonforum am Mittwoch. Lesen Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Fragen und Antworten.

Ob Akuttherapie oder Sprechstunde - die neuen Behandlungsangebote in der Psychotherapie stoßen auf breite Zustimmung. Das zeigte sich sich auch bei unserem Telefonforum am Mittwoch. Lesen Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Fragen und Antworten.

Ich brauche die Hilfe eines Psychotherapeuten. Kann ich jetzt einfach so wie beim Arzt in eine Sprechstunde gehen? Wie erfahre ich, wer Sprechstunde hat?

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen bietet im Internet eine Therapeutensuche an. Die meisten Therapeuten haben bereits ihre Sprechzeiten veröffentlicht, dieser Service ist aber noch im Aufbau. Bei anderen erfährt man die Zeiten über die Ansage auf dem Anrufbeantworter. Für die Sprechstunde müssen Sie sich meist einen Termin vereinbaren, einfach hingehen klappt selten. Für die Terminvereinbarung gibt es die Telefonzeiten, die jeder Psychotherapeut jetzt anbieten muss.

Bekomme ich jetzt schneller einen Therapieplatz?

Nein. Durch die neuen Regelungen wurden nicht mehr Behandlungsplätze geschaffen, weil es nicht mehr Therapeuten gibt als bisher. Die neuen Angebote ermöglichen lediglich einen schnelleren Erstkontakt, keine schnellere Therapie.

Gegen meine Angstzustände möchte ich eine Therapie machen. Muss ich zuvor in die Sprechstunde?

Ja. Allerdings gibt es jetzt noch eine Übergangszeit bis Jahresende, in der eine Therapie auch ohne vorherige Sprechstunde möglich ist. In der Sprechstunde wird der Umfang des Behandlungsbedarfs und die Dringlichkeit ermittelt.

Kann ich den Therapeuten nach der Sprechstunde wechseln, wenn ich zu lange auf eine Therapie warten muss?

Ja, das können Sie. Bei großer Dringlichkeit kann Ihr Therapeut Ihnen jetzt aber auch eine Akutbehandlung anbieten. In vielen Fällen hat eine Behandlung aber auch etwas Zeit. Wichtig ist, dass die Therapie gut geplant ist.

Das neue Angebot der Akutbehandlung finde ich gut. Wie komme ich da ran? Kann das die Klinikbehandlung ersetzen?

Eine Akutbehandlung schließt sich unmittelbar an die Sprechstunde an. Ob das für Sie hilfreich ist, kann nur der Psychotherapeut anhand Ihres aktuellen Beschwerdebildes entscheiden. Es wird aber auch immer Situationen geben, die eine stationäre Behandlung erforderlich machen.

Ich sorge mich um meine Freundin. Sie ist depressiv und sitzt den ganzen Tag auf dem Sofa. Ihr Mann schottet sie ab und lässt mich kaum zu ihr. Wie kann ich ihr helfen?

Es verdient große Anerkennung, wie Sie sich um Ihre Freundin sorgen. Sie können ihr signalisieren, dass Sie weiter für sie da sind, ihr das auch sagen, wenn das möglich ist. Den Schritt zu einer Therapie kann Ihre Freundin aber nur selbst tun. Sie könnten sie jedoch in Ihrem Entschluss bestärken.

Mein Freund steht beruflich sehr unter Stress, ständig auf Montage und ein Kind zur Betreuung zu Hause. Wir haben trotzdem immer Zeit für uns, wenigstens für ein Telefonat gefunden. Jetzt zieht er sich vollkommen zurück und bricht oft in Tränen aus. Ist das ein Burnout oder schon eine Depression?

Offensichtlich ist Ihr Freund an der Grenze seiner Belastbarkeit angekommen. Er sollte sich professionelle Hilfe suchen. Der Psychotherapeut kann dann Behandlungsschritte empfehlen. Burnout ist keine Diagnose, es ist ein Zeichen für Überlastung, die zu einer Depression führen kann. Deshalb ist eine Abklärung unbedingt zu empfehlen.

Nach einer Operation und mehreren langwierigen Behandlungen verschlechtert sich der Zustand meines Mannes immer weiter, obwohl der Arzt keinen organischen Grund finden kann. Hat er eine Depression?

Körperliche und psychische Symptome laufen oft parallel ab. Eine depressive Symptomatik kann auftreten und sollte in Bezug auf die Behandlungsbedürftigkeit in einer Sprechstunde abgeklärt werden.

Wann ist eine depressive Verstimmung oder schlechte Laune noch normal, wann sollte man sich behandeln lassen?

Wenn die Verstimmung über mehrere Tage dauerhaft anhält, sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen. Denn die schlechte Laune und Verstimmung sind selten die einzigen Symptome, oft kommen noch Antriebsschwäche, Konzentrationsprobleme oder Schlaflosigkeit dazu. Spätestens wenn die Alltagsanforderungen nicht mehr erfüllt werden können, ist eine Behandlung nötig.

Wegen einer generalisierten Angststörung war ich in Behandlung, habe zwei Jahre Verhaltenstherapie hinter mir, aber gebessert hat sich nichts. Was kann mir jetzt noch helfen?

Angststörungen sind zwar sehr gut behandelbar, doch nicht jede verschwindet danach. Ängste gehören auch zu unserem Leben. Wenn Sie die Behandlungsmöglichkeiten schon ausgeschöpft haben, wäre es jetzt richtig, dass Sie Ihre Angst akzeptieren lernen. Auch dabei kann Ihnen eine Psychotherapie helfen.

Ich habe zurzeit ständig Angst und bin häufig traurig und niedergeschlagen. Sorge macht mir aber auch meine zunehmende Vergesslichkeit. Kann ich eine Akutbehandlung bekommen?

Eine Akutbehandlung ist im Anschluss an eine Sprechstunde möglich, wenn das ein Psychotherapeut für angemessen hält. Konzentrations- und Gedächtnisstörungen gehen häufig mit Depressionen einher. Die zeitlich begrenzte Akutbehandlung wird dazu sicherlich nicht ausreichen. Im Rahmen einer Langzeittherapie könnte sich dieser Fragestellung aber angenommen werden. Der Therapeut wird dann auch eine weitere fachärztliche Abklärung veranlassen.

Meine Tochter hat sich umgebracht. Ich mache mir größte Vorwürfe, Anzeichen übersehen zu haben, und sie nicht an ihrem Entschluss gehindert zu haben. Ich kann nicht mehr schlafen, nichts mehr essen. Mein Versäumnis nimmt mir jede Lebenskraft. Wie kann ich mit der Schuld leben?

Den Verlust eines nahestehenden Menschen verkraften zu müssen - und besonders noch durch diese Umstände - gehört zu den schlimmsten Schicksalsschlägen, die ein Angehöriger zu verarbeiten hat. Deshalb sollten Sie jetzt für sich etwas tun. Suchen Sie sich psychotherapeutische Hilfe, auch der Anschluss an eine Trauergruppe, zum Beispiel für verwaiste Eltern, kann sehr hilfreich sein.

Meine Therapeutin hat mir autogenes Training gegen meine Panikstörung empfohlen. Das war gar nichts für mich. Ich habe die Therapie abgebrochen. Kann ich zu einem anderen Psychotherapeuten gehen?

Grundsätzlich ja. Das autogene Training war aber sicher nur ein erstes Angebot Ihrer Therapeutin. Besser als ein Behandlerwechsel wäre, mit der Therapeutin andere Wege zu besprechen und auszuprobieren. Gegen Angst und Panik gibt es viele Behandlungsansätze. Für Sie ist sicher auch eine Möglichkeit dabei, nur müssen Sie sich selbst die Chance geben, diese Therapie auch zu finden. Ständiger Behandlerwechsel ist eher kontraproduktiv.

Psychotherapeutensuche: Telefon 0341 23493711; www.kvs-sachsen.de/buerger; Selbsthilfegruppen: Tel. 0351 4793500 oder www.selbsthilfenetzwerk-sachsen.de

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