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Dennis Kempe wurde in Dresden beim Stand von 0:3 eingewechselt. Gegen die Mannschaft seines Bruders Tobias wird er am Freitagabend wohl wieder von Beginn an auflaufen.

Foto: Sven Sonntag/Picture Point

Dennis Kempe: Die Bruderliebe muss für 95 Minuten ruhen

Der FC Erzgebirge Aue trifft am letzten Zweitliga-Spieltag der Hinrunde auf Darmstadt 98. Für Familie Kempe eine besondere Partie - für die Veilchen geht es vor allem um die Wiedergutmachung nach der Pleite im Derby.

Von Sebastian Siebertz
erschienen am 07.12.2017

Aue. Dennis Kempe schmunzelt wie ein kleiner Junge, der sich auf etwas Besonderes freut. "Wir Brüder wollen uns immer gegenseitig übertreffen. Das war schon als Kind so", beschreibt der 31 Jahre alte Profi vom FC Erzgebirge Aue das Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder Tobias. Am Freitag bekommen die beiden Söhne von Thomas Kempe, der knapp 400 Bundesligaspiele für Duisburg, Stuttgart und Bochum bestritten hat, die Chance, ihre Kräfte zu messen. Tobias Kempe trifft um 18.30 Uhr mit dem SV Darmstadt im Lößnitztal auf Dennis Kempe und den FC Erzgebirge.

Blumig wird das Duell der Veilchen und Lilien sicher nicht. Zu ernst ist die Lage beider Clubs. Der Bundesligaabsteiger aus Hessen hat seit zehn Partien nicht mehr gewonnen. Eigentlich wollte Coach Torsten Frings seine Mannschaft wieder zurück in die Bundesliga führen, vor dem letzten Spieltag der Hinserie steht Darmstadt jedoch auf Relegationsrang 16, einen Platz vor den Auern. "Die Darmstädter sind selbst überrascht von dieser Situation", weiß Dennis Kempe. "Das geht an denen nicht spurlos vorbei, auch wenn sie erfahrene Spieler in ihren Reihen haben. Das müssen wir ausnutzen, mit breiter Brust auflaufen und von Beginn an klarmachen, dass wir die drei Punkte hierbehalten wollen." Wie das geht? "Das muss sich schon im Auftritt vor Anpfiff widerspiegeln. Wie gehe ich ins Stadion? Wie gestalte ich die ersten Minuten? Da müssen wir ein deutliches Zeichen setzen."

Doch die Erzgebirger haben nach der 0:4-Pleite im Derby bei Dynamo Dresden selbst große Sorgen. "Wir hatten schon daran zu knabbern", gibt Dennis Kempe zu. "Der Trainer hat deutliche Worte gefunden. Wir müssen die Kritik annehmen und jeder muss sich selber hinterfragen." FCE-Coach Hannes Drews fordert von seinen Schützlingen nach dem 0:4 eine "Riesen-Reaktion" in der vorletzten Partie vor der Winterpause. "Das sind wir uns selber und unseren treuen Fans schuldig. Ich erwarte von jedem Einzelnen, dass er alles in die Waagschale wirft", stellt der 35-Jährige klar, den in Dresden vor allem die mangelnde Einsatzbereitschaft in den Zweikämpfen gestört hat. Einen ungemütlichen Empfang durch die eigenen Anhänger erwartet der Fußballlehrer trotz der Klatsche im Sachsenderby nicht: "Ich denke, unsere Fans werden uns unterstützen, wenn sie sehen, dass wir alles investieren, dass wir eine andere Körpersprache und einen anderen Einsatz zeigen - aber auch nur dann."

Hannes Drews - FCE-Trainer

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Drews kündigt an, einige Wechsel in der Startformation vornehmen zu wollen. Wahrscheinlich ist, dass Dennis Kempe anstelle von Sebastian Hertner auf dem linken Flügel aufläuft - und damit direkt seinem Brüder gegenübersteht, der bei Darmstadt im rechten Mittelfeld agiert. "Bei den ersten Begegnungen habe ich schon darüber nachgedacht, dass ich mit ihm in einen Zweikampf gehe. Aber wir sind zuletzt immer wieder aufeinandergetroffen. Deswegen bin ich auch in diesen Spielen nur noch auf das Wesentliche fokussiert", erklärt der Linksfuß. In den Zweikämpfen jedenfalls spielt die Familienbande keine Rolle. "Die Bruderliebe muss für 95 Minuten ruhen."

Der 31-Jährige will den Mitspielern zudem verraten, wie sie den drei Jahre jüngeren Bruder stoppen können. Dennis Kempe weiß, dass sein Bruder auf die Partie brennt. "Tobi möchte mir beweisen, dass er hier, an seiner alten Wirkungsstätte, bestehen kann." Zwei Jahre spielte der offensivere Kempe-Bruder beim FC Erzgebirge, wechselte danach fünfmal den Verein. Dennis Kempe hingegen verbrachte sechs Jahre bei einem Club, verließ den Karlsruher SC im Sommer und schloss sich den Veilchen an.



Foto: Montage: FP

In all den Jahren haben die Brüder sich über ihre fußballerischen Schritte besprochen. Auch vor dem Duell haben sie telefoniert. Daran ändert auch die Krisensituation der beiden Teams nichts. "Klar haben wir uns auch über die aktuelle Situation ausgetauscht. Meistens geht es aber wie sonst auch um familiäre Dinge", verrät der 31-Jährige.

Am Freitagabend im Erzgebirgsstadion können die Kempes nach Abpfiff zu dritt diskutieren. Vater Thomas wird sich das Aufeinandertreffen seiner Söhne von der Tribüne aus anschauen. "Für meinen Vater sind diese Partien immer am schwierigsten", erzählt Dennis Kempe. "Er gibt sich neutral, sagt immer, dass der Bessere gewinnen soll, und wünscht sich ein Unentschieden - von uns beiden will das aber keiner." Und das liegt nicht nur daran, dass beide Clubs dringend drei Punkte brauchen.

 
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