Der Meisterschütze aus Chemnitz

Tilmann Keith hat bei der Deutschen Meisterschaft mit zwölf Goldmedaillen seine 30-jährige Karriere gekrönt. Dabei hatte er kurz zuvor ein großes Problem mit seiner Waffe, das er auf ungewöhnliche Weise lösen konnte.

Auch er muss sich mitunter gegen Vorurteile wehren und weiß, dass seiner Sportart nach wie vor ein schlechter Ruf vorauseilt: Sportschützen und damit auch deren Vereine werden zum Teil sogar als Schuldige für Amokläufe genannt. "Das ist alles Quatsch", sagt Tilmann Keith. Die derzeitigen Vorsichtsmaßnahmen und Regelungen reichen seiner Ansicht nach vollkommen aus. "Ein Sportschütze muss eine Menge Auflagen erfüllen, um eine Waffe besitzen zu dürfen", betont Keith.

Der 57-jährige Chemnitzer war der herausragende Aktive bei den nationalen Titelkämpfen des Bundes Deutscher Sportschützen (BDS) im baden-württembergischen Philippsburg. Sein Schießergebnis ließ kaum Wünsche offen. Der sächsische Top-Schütze, der den Schützenvereinen Burgstädt sowie Karl May Chemnitz angehört, hat zwölf Goldmedaillen gewonnen und erzielte damit das beste Resultat seiner über 30-jährigen sportlichen Karriere. "Darüber hinaus holte ich sieben mal Silber und einmal Bronze", ergänzt der Notar, der sich wegen seiner Tochter zurzeit im Erziehungsurlaub befindet.

Bereits im vergangenen Jahr war er zehnfacher Deutscher Meister geworden - ebenfalls im Standardprogramm. "Dazu gehören die Disziplinen, die man mit Klein- und Großkaliber sowie mit Flinte schießt", erklärt der Chemnitzer. Da er das Siegen gewöhnt sei, bleiben meist die Fehler im Kopf hängen, die zu schwächeren Platzierungen geführt haben. "So bekam ich einmal eine Strafzeit von zehn Sekunden, was sehr viel ist", beichtet Keith. Ein andermal habe ihm sein Selbstladegewehr in zwei Disziplinen mit jeweils einer Ladehemmung einen Streich gespielt.

Stolz sei er dagegen auf seine neuen persönlichen Bestleistungen im Speed- und Fallplattenschießen. Sechs Mal hintereinander fünf Platten in 25 Metern Entfernung in knapp 26 Sekunden zu Fall zu bringen, sei nur ihm gelungen - obwohl er kurz vor den Meisterschaften ein großes Problem mit seiner Pistole hatte. "An der Waffe klemmte der Abzug. Ich rief meinen Büchsenmacher Karl Hamann in Wolfsburg an und erklärte ihm das Dilemma", erzählt der 57-Jährige. Die Reparatur erfolgte auf ungewöhnliche Weise. "Der Büchsen- macher hat mir am Telefon genaue Anweisungen gegeben, was ich tun muss, damit die Waffe wieder hundertprozentig funktioniert. Letztendlich hat es reibungslos geklappt", sagt Keith rückblickend.

Bei den nationalen Titelkämpfen waren insgesamt 2030 Sportschützen dabei, die 9330 Starts absolvierten. Der Chemnitzer schaut sich die Anlage immer einen Tag vorher an. "Aufgeregt bin ich nur noch beim Start. Wenn das Auftaktsignal vorbei ist, legt sich die Anspannung, denn dann ist jeder auf sich allein gestellt", begründet der Sport- schütze. Er gibt aber ebenso zu, dass er vor den Deutschen Meisterschaften des BDS dreimal die Woche auf dem Schießstand trainiert hat. "Ich habe in dieser Zeit fast soviel Munition wie sonst im gesamten Jahr verschossen", sagt der Familienvater.

Gefreut habe er sich über das starke Abschneiden der deutschen Sportschützen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, wo sie dreimal Gold und einmal Silber holten. "Das hat dem Schießsport sehr gut getan und ihn aufgewertet. Plötzlich redet man über Schießen als Leistungssport. Immer mehr Bürger erkennen, dass Sportschützen nicht in eine sogenannte Schmuddelecke gehören", erklärt Keith. Die Vertreter dieser Sportart als Gefahr oder als Waffen-Narren zu bezeichnen, sei ehrverletzend, fügt der zwölffache Deutsche Meister hinzu.

Der Schießsport habe viele positive Seiten, die sich in mehreren Bereichen des täglichen Lebens auswirken, ist der Meisterschütze überzeugt. "Dazu gehören unter anderem Reaktionsfähigkeit und Kondition. Zudem verlangt das regelmäßige Sportschießen einen hohen Grad an Verantwortungs- bewusstsein", nennt Keith nur einige Beispiele.

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