Ex-Coach bemängelt fehlenden Zusammenhalt

Fußball, Erzgebirgsliga: Aufsteiger Neuwürschnitz verabschiedet sich nach nur einem Jahr aus Kreisoberliga - Scheidender Trainer im Interview

Ein kurzes Gastspiel haben die Erzgebirgsligafußballer des SV Rot-Weiß Neuwürschnitz gegeben. Als Tabellenletzter der Saison 2015/16 geht's zurück in die Kreisliga. Mit Thomas Hanelt, der seine Zeit als Trainer auf drei Jahre begrenzt hatte, sprach Philip Meyer.

"Freie Presse": Wie lautet Ihr Fazit zur abgelaufenen Saison?

Thomas Hanelt: Ich persönlich habe noch nie so viel gelernt wie in diesem Jahr, besonders im taktischen und technischen Bereich. Der Unterschied zwischen Kreis- und Erzgebirgsliga wurde meiner Meinung nach unterschätzt. Vor allem die Teams in der Spitze spielen richtig mit variablen Systemen. Aber auch im menschlichen Bereich habe ich viele Erfahrungen gesammelt. In der Niederlage zeigt sich die Größe, was leider nicht bei allen Spielern so war. Der Abstieg aus der Erzgebirgsliga selbst ist kein Beinbruch.

Wäre der Kader zum Klassenerhalt ausreichend gewesen?

Anfangs schon. Wir haben die Saison mit 24 Spielern begonnen, von denen 18 gleichwertig gewesen sind. Dann kam jedoch eine Verletzungsmisere dazwischen. Zwei Spieler fielen mit Kreuzbandriss langfristig aus, andere mit muskulären Problemen oder Rotsperren. Gerade in schwierigen Zeiten hätte ich mir ein engeres Zusammenrücken des Teams gewünscht.

Wie beurteilen sie die Durststrecke zu Beginn der Spielzeit?

Die Saison wurde zu blauäugig begonnen. Die geistige Frische hat gefehlt und einige Spieler wollten dies mit einer gewissen Härte kompensieren. Das hat sich dann auch mit der Schlusslaterne in der Fairnesstabelle gezeigt. Wir hatten glaub' ich schon nach sechs Wochen drei rote Karten. Dennoch war die Saison zu diesem Zeitpunkt noch nicht verloren. Mit etwas mehr Cleverness hätten wir die drei Siege, die zum Klassenerhalt notwendig gewesen wären, auf jeden Fall geholt. Allerdings hätten wir da beispielsweise gegen Zöblitz-Pobershau eine 3:0-Führung nicht aus der Hand geben dürfen.

Bei neun Punkten in der Hin- und sieben Zählern in der Rückrunde ist jedoch nicht von einem Aufbäumen zu sprechen, oder?

Nachdem wir in den Spielzeiten zuvor in der Kreisliga auf Grund der Punktabzüge wegen Schiedsrichterunterbestands immer um den Nichtabstieg kämpfen mussten, hat uns diesmal der Glaube an den Klassenerhalt gefehlt. Crottendorf dagegen stand nach der Hinrunde noch mit einem Punkt hinter uns, dann zehn Zähler und zwei Plätze vor uns. Sie haben die Klasse gehalten. Aber wir haben uns am 27. Spieltag beim 1:8 gegen keinesfalls übermächtige Ehrenfriedersdorfer aufgegeben.

Wie beurteilen sie die Torbilanz?

Beispielsweise gegen Zwönitz sind wir viermal allein aufs Tor zugelaufen und haben nicht getroffen. Das war im Aufstiegsjahr noch anders. Chancen, die letztes Jahr noch sichere Tore waren, sind jetzt beispielsweise an den Pfosten gegangen. Dies zog sich durch die gesamte Saison. Meiner Meinung nach sind 90 Prozent im Fußball Kopfsache und wenn in solch einer Situation der Kopf nicht mitspielt, wird's schwer.

Warum hat das Team aus Heimspielen kaum Profit geschlagen?

An den Bedingungen lag es nicht. Die waren gut. Vielmehr lag es eher an der fehlenden Aufmerksamkeit am Anfang des Spiels beziehungsweise nach der Halbzeitpause, wo schon Spiele zu Beginn aus der Hand gegeben wurden. Hier und da kam ein wenig Pech dazu. Dennoch hab ich den letzten Willen vermisst.

Wie hat sich der Gemütszustand des Teams im Verlauf verändert?

In der Saison haben sich drei Charaktere herausgebildet. 33 Prozent der Spieler hatten eine "Jetzt-erst-recht"-Einstellung, die ich mir von noch mehreren gewünscht hätte. Einem Drittel war es egal, da sie wahrscheinlich schon wussten, dass sie den Verein verlassen werden. Das übrige Drittel will hingegen in Neuwürschnitz Fußball spielen, unabhängig von der Spielklasse. Leider ist es uns nicht gelungen, die Defizite durch mannschaftliche Geschlossenheit aufzuholen.

Ist Ihnen ein Abschied in dieser Konstellation schwer gefallen?

Unabhängig der Umstände schon, da ich selbst 35 Jahre lang in Neuwürschnitz Fußball gespielt und viel Herzblut in meine Arbeit gesteckt habe. Wir hatten in den drei Jahren unter mir als Trainer auch sehr schöne Zeiten. Das jetzt sieben Spieler den Verein verlassen, ist jedoch nicht nachvollziehbar. Ich selbst möchte erst einmal ein bisschen Abstand gewinnen. Eine erneute Trainertätigkeit kommt für mich vor allem aus beruflichen Gründen nicht in Frage. Um ein abwechslungsreiches Training vorzubereiten, fehlt mir einfach die Zeit. Und wenn ich etwas mache, dann nicht halbherzig.

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