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Pauline Schäfer weint Tränen der Freude und Erleichterung. Sie kann des Geschehene nicht fassen.

Foto: Paul Chiasson/The Canadian Press/dpaBild 1 / 3

Pauline Schäfer und ihr Sensationscoup

Die Turnerin vom TuS Chemnitz-Altendorf hat bei der WM in Montreal am Sonntagabend völlig überraschend Gold am Schwebebalken gewonnen. Bronze holte die Stuttgarterin Tabea Alt. Die beiden Gerätkünstlerinnen sorgten für historische Momente.

Von Katja Sturm (mit mm)
erschienen am 08.10.2017

Montreal. Pauline Schäfer hatte schon kurz nach ihrem grandiosen Auftritt feuchte Augen. Als erste Turnerin musste die Chemnitzerin gestern Abend im Schwebebalken-Finale ans Gerät. Und sie meisterte diese Herausforderung mit Bravour, zeigte auch ihr eigens kreierte Element in perfekter Ausführung. Danach hieß es Bangen und Zittern bei den Auftritten der folgenden sieben Kontrahentinnen. Als dann ihre Teamgefährtin Tabea Alt als letzte Starterin gleichfalls stark turnte, aber die Wertung von 15,533 nicht übertrumpfen konnte und der Goldgewinn feststand, ließ sie ihren Tränen erst einmal freien Lauf. Lange und innig umarmte sie sich mit der Stuttgarterin, beide hatten in diesen Momenten Historisches geleistet.

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", erklärte die 20-Jährige später in der Mixed Zone. "Das Gefühl ist unbeschreiblich." Bundestrainerin Ulla Koch fügte hinzu: "Ich müsste jetzt eigentlich aufhören, denn das ist nicht zu toppen." Nie zuvor hatte eine deutsche Athletin WM-Gold an diesem Zittergerät , das so lange alles andere als ein starkes war, geholt. Zweimal Edelmetall gab es auch vor der Wiedervereinigung noch nie. Tabea Alt, die in der Olympiastadt von 1976 zuvor sowohl in der Qualifikation wie in der Mehrkampfentscheidung die beste Wertung am Balken erzielt hatte, zeigte sich denn auch keineswegs enttäuscht. "Ich bin glücklich, dass es so gelaufen ist. Mein Ziel war das Mehrkampffinale, jetzt habe ich sogar eine Medaille." Ein paar kleine Wackler hatten edleres Metall verhindert. Doch die Mehrkampfzehnte musste auch als letzte Starterin im Finale ran, war nervöser als die Konkurrentin aus der eigenen Riege.

Pauline Schäfer, schon vor zwei Jahren bei der WM in Glasgow überraschend zu Bronze balanciert, hatte derweil vor 10.000 begeisterten Zuschauern für den Auftakt sorgen müssen. Der Moment vor dem Sprung auf das Gerät sei wie immer "richtig schlimm" gewesen. Denn wenn es einmal losgegangen ist, "gibt es kein Zurück, dann muss man durchturnen". Das gelang der 20-Jährigen, die in Chemnitz bei Gabi Frehse trainiert, bis auf einen kleinen Wackler nahezu perfekt. Dann begann das lange Warten, sah sie, auf einem Stuhl am Rande sitzend, eine Turnerin nach der anderen den nur zehn Zentimeter schmalen Steg betreten und Schwierigkeiten darauf aneinanderreihen. Doch stets, wenn auf der riesigen Leinwand der abgedunkelten Arena die beiden vergleichenden Säulen für die Wertungen angezeigt wurden, blieb die der anderen unter der von Schäfer stehen. Als schließlich auch Tabea Alt nicht an sie herankam, schlug sie die Hände vors Gesicht. "Es war wirklich cool, zusammen mit Tabea im Finale gewesen zu sein", sagte die Sportsoldatin. Pauline Schäfer ging die Herausforderung im Staate Quebec hochkonzentriert und fokussiert an. Sie wusste, dass sie in punkto Schwierigkeit nicht die wertvollste Darbietung liefern konnte und auf einen sehr sauberen Vortrag setzen musste. Am Ende ihrer Finalkür belohnten die Kampfrichterinnen Schäfer wie schon im Vorkampf mit der höchsten E-Note. Den letzten Titel der Deutschen hatte vor 30 Jahren die Berlinerin Dörte Thümmler am Stufenbarren für die DDR geholt, am Schwebebalken gewann Maxi Gnauck 1981.

Die anderen deutschen Teilnehmer in den Geräteentscheidungen gingen leer aus. Die Stuttgarterin Elisabeth Seitz (14,766) belegte bereits am Samstag mit einer starken Leistung am Stufenbarren den fünften Platz, der Olympiazweite von London, Marcel Nguyen, beschloss seine Premiere in einem WM-Finale am Barren auf Rang sieben (14,70). "Ich freue mich für Pauline und Tabea", sagte der frühere Europameister. Schließlich hatte die deutsche Delegation damit Grund für eine fröhliche Feier.

 
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Kommentare
16
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 10.10.2017
    22:06 Uhr

    cn3boj00: Schön, dass das geklärt wurde. Schade, dass einige nicht davor zurückschrecken bei jeder Gelegenheit ihre persönlichen Animositäten auszubreiten, egal ob sie zum Thema passen oder nicht.
    Was mich beeindruckt: Alle bisherigen deutschen Weltmister kamen aus der DDR. Und da hatte man ungleich bessere Voraussetzungen. Wenn man weiß, wie ungleich schwieriger es heute ist, es vom Nachwuchstalent bis an die Spitze zu bringen, kann man nur allergrößten Respekt vor Pauline, Frau Frehse und dem TuS haben.

    0 3
     
  • 10.10.2017
    19:06 Uhr

    Freigeist14: Herzlichen Dank, FP. Diese Begründung ist nachvollziehbar . Meine Empörung ist dann natürlich unbegründet,wenn die Chemnitzer den gebührenden Titel bekommen haben. Alles gut .

    0 1
     
  • 10.10.2017
    18:40 Uhr

    Moderator: @Freigeist14: Zu Ihrem Kommentar vom 9. 10., 10.40 Uhr: Nein, wir haben das Thema überhaupt nicht versteckt. In fast allen Lokalausgaben hatten wir Pauline Schäfers Sieg als Titelfoto. Einzige Ausnahme war die Ausgabe in Zwickau. Dort haben wir uns dafür entschieden, das lokale Thema (Graffiti-Bild) auf der Titelseite zu belassen. Dieses sollte ursprünglich in allen Ausgaben an dieser Stelle erscheinen - und so haben die Zwickauer Kollegen auf ihrer ersten Lokalseite nur ein kleines Foto eingeplant. Das alles abends plötzlich komplett zu ändern, mit dem Redaktionsschluss im Nacken und den Druck- und Lieferterminen, war nicht möglich. Deshalb ist die Zwickauer Ausgabe die einzige, die das Bild auf dem Titel hat - das XXL-Bild sollte dort nicht zu kurz kommen.

    In den ersten Ausgaben, die am Abend gedruckt wurden, gibt es zudem nur das Titelfoto zu Pauline Schäfers Erfolg- die zugehörige längere Geschichte im Sportteil haben wir erst etwas später einwechseln können, weil sie so schnell nicht fertig war.

    Und an @Felto84: Die redaktionellen Entscheidungen darüber, was erscheint, wo und wie groß, werden ausschließlich in Chemnitz bzw. in unseren Regionalredaktionen getroffen. Da dirigiert uns niemand von außerhalb!

    0 5
     
  • 10.10.2017
    17:44 Uhr

    Freigeist14: @Acals,na gehts Ihnen jetzt besser ? Ihre Auslassungen kosten mich ein Lächeln. Wenn Sie den Schaum vorm Mund entfernt haben,fällt Ihnen vielleicht ein,daß FP-Ausgaben,die vor der Chemnitzer Ausgabe gedruckt werden und eher ausgeliefert werden,nicht die letzte Aktualisierung erfahren haben.Schätzen Sie sich glücklich,daß die Karl-Marx-Städter-Ausgabe immer
    zuletzt gedruckt wird und immer am Aktuellsten ist.

    0 0
     
  • 10.10.2017
    08:40 Uhr

    acals: Und wieder einmal duerfen wir herrn Freigeist daran erinnern bei den Fakten zu bleiben. Das faellt ihm schwer, genauso wie zu aktzeptieren das DDR Buerger vor 28 Jahren ihre herrschende Rolle aufgegeben haben um sich als doppelt freie Lohnarbeiter im Kapitalismus ausbeuten zu lassen. Auf die Tage genau in '89 waren es mehrere Tausende/Tag.

    Problematischer ist das Verbreiten von - eh - charmant formuliert fake-news. cn3boj00 hat darauf hingewiesen - ich habe es gestern Abend auch so vorgefunden: 1. Seite FP printausgabe = Sensationelles WM Gold. Titelbild. Fabelhafte Koerperhaltung. Jubel. Begeisterung. Freude. (Ein Gluecjwunsch an das sagenhafte Maedel! Ein genausogrosser an ihr Team drumherum.)

    Da agitiert unser freigeist aber heftig und bei fake-news bleibt es nicht! EIn Beispiel aus erster hand. In Maximus und Minimus (eh, Marxismus-Leninismus) Vorlesung + Seminar in der DDR - hier DHM, dialektisch historischer Materialismus im M/L Kabinett mit dem Pleonasmus "Die Lehre von Marx ist allmaechtig weil sie wahr ist. (Lenin)" - haben wir mit unserem professor ueber das Agitieren gesprochen. Wann jemand besonders erfolgreich agitiert. Das laesst sich schon messen - am Grad der Ueberzeugung (Menschenanzahl). Wir kamen dann folgerichtig mit dieser Definition auf einen leider aeusserst ueberzeugenden Agitator in Deutschland - da musste dann auch der M/L Lehrer zustimmen. Eine kernaussage von ihm: Je groesser eine Luege ist, desto groesse die Wahrscheinlichkeit das sie geglaubt wird.

    Sie sind der Luege ueberfuehrt, Freigeist, (klar haben sie in ihrem M/L Unterricht excellent aufgepasst!) und ich weiss jetzt mit umso mehr Ueberzeugung warum wir sagen duerfen das wir bis '89 auf ostdeutschem Boden 56 Jahre Diktatur hatten.
    Um das aktuelle demokratische System zu diffamieren ist Ihnen offensichtlich und nachweislich jedes Mittel Recht!

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