Mit Verlobungsring zur Armee

Eiskunstlauf-Weltmeisterin Aljona Savchenko absolviert die Grundausbildung in Hannover. Privat hat sie ihr Glück gefunden.

Chemnitz.

Frühmorgens schon fit zu sein, ist für Aljona Savchenko kein Problem. Oft steht sie bereits um sieben Uhr auf dem Eis und traininert. Seit 1. April klingelt der Wecker aber noch früher, denn die 31-Jährige ist jetzt Soldatin und absolviert die Grundausbildung an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst in Hannover. In den sechs Wochen lernt sie unter anderem, wie eine Armee funktioniert, erhält eine Sanitätsausbildung und wird im Schießen ausgebildet. Uniform statt Glitzerlook, Waffe statt Schlittschuhe. Doch dieses Kontrastprogramm schockt sie nicht: "Ich lasse alles auf mich zukommen."

Savchenko hat in den vergangenen zwölf Monaten ihr Leben völlig umgekrempelt. Mehr noch: Im Gegensatz zu früher bestimmt sie jetzt größtenteils selbst, was sie macht oder lässt. "Sein Leben selbst zu bestimmen ist schön, aber auch schwer", sagt sie. Nach elf gemeinsamen Jahren - acht davon in der Weltspitze - beendete Eispartner Robin Szolkowy vor einem Jahr seine Karriere. Ihren Traum vom Olympiagold will sie sich nun mit dem Franzosen Bruno Massot erfüllen. Von Trainer Ingo Steuer und der Eishalle Chemnitz wechselten beide an das Bundesleistungszentrum nach Oberstdorf und zu Trainer Alexander König.

Anders als in Chemnitz trainiert sie jetzt in einer Gruppe. Das macht Spaß, und auch in der Freizeit unternehmen die Sportler viel gemeinsam. In dieser Truppe lernte sie Anfang November Liam Cross kennen. Der junge Engländer lebt gemeinsam mit seiner Familie in Oberstdorf, seine Eltern arbeiten derzeit im Allgäu. Der 25-Jährige bringt sie zum Lachen, unterstützt sie und bei seiner Familie findet sie genau die Wärme und das Füreinander, das sie vermisst hat, seit sie mit 19 Jahren aus der Ukraine weggegangen ist. Liams Eltern werden im August zurück nach England gehen. "Ich bleibe bei Aljona und suche mir hier eine Arbeit", sagt er. Liam lernt deshalb schon seit Wochen Deutsch und kommt dabei rasch voran. Seit kurzem wohnen beide zusammen und meinen es trotz der kurzen Zeit ihrer Liebe schon sehr ernst: Vor dem Dienstantritt in der Armee haben sie sich verlobt.

Privat im siebenten Himmel ist sportlich jedoch noch vieles unklar. Wegen des Verbandswechsels des Franzosen ist das Paar Savchenko/Massot laut internationalem Reglement für ein Jahr gesperrt und darf frühestens im Winter 2015/2016 wieder laufen. Voraussetzung ist aber Massots Freigabe durch den französischen Verband, der sich nach wie vor weigert. Dieses Beharren sei eine prinzipielle Haltung der Franzosen beim Wechsel ihrer Läufer, heißt es aus Eiskunstlaufkreisen. Bruno Massot urlaubt derzeit gemeinsam mit Freundin Sophie, hat sich vergangenes Wochenende auch verlobt und wird nach der Rückkehr allein in Oberstdorf trainieren. "Wenn immer möglich, werde ich dabei sein", meint Aljona Savchenko. Sie weiß, dass der Eislaufverband nach dem Fiasko der deutschen Starter bei der vergangenen Weltmeisterschaften große Hoffnungen in das Paar setzt.

"Sport hat Höhen und Tiefen", sagt die Kufenkönnerin. "Alle dafür wichtigen Leute müssen jetzt analysieren, wie es dazu gekommen ist." Ganz wichtig sei aber auch die Einstellung der Sportler: "Man muss wissen, warum man täglich in die Halle kommt und was man erreichen will!"

Bruno Massot ist neuer Partner auf dem Eis

Elf Jahre lang war der Chemnitzer Robin Szolkowy der Partner von Aljona Savchenko. Die beiden wurden fünf Mal Weltmeister, vier Mal Europameister und erkämpften zudem zwei olympische Bronzemedaillen. Inzwischen betreut der 35-Jährige verschiedene Projekte, arbeitet als Trainer und läuft mit der Schweizerin Myriam Leuenberger Shows. Seit einem Jahr ist Bruno Massot (26) der neue Eispartner von Aljona Savchenko. International war er noch nicht erfolgreich. 2012 wurde er mit seiner damaligen Partnerin Daria Popova französischer Meister. Massot wechselte zur Deutschen Eislauf Union und lebt wie Savchenko in Oberstdorf. (na)

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