Ambulant Operieren Teil 3: Hand-OP lohnt auch im Alter

Sächsische Handchirurgen erklärten gestern am Telefon, was gegen taube Finger und Schmerzen hilft

Wäre das menschliche Handgelenk ein Fahrzeug, müsste man es zurückrufen, sagen die drei Handchirurgen beim Telefonforum übereinstimmend. Denn der Karpaltunnel ist eine Engstelle, an der Probleme programmiert sind. Die Fragen und Antworten zu Erkrankungen der Hand hat Stephanie Wesely zusammengefasst.

Ich bin schwanger und habe seit ein paar Wochen ein Kribbeln in den Fingern. Die Finger schlafen auch oft ein. Ist das ein Karpaltunnelsyndrom? Sollte ich es operieren lassen?

Durch hormonelle Ursachen in der Schwangerschaft schwellen die Sehnenscheiden an, was den Nerv abdrückt. Es kann also durchaus ein Karpaltunnelsyndrom sein. Da sich das Anschwellen des Gewebes aber nach der Schwangerschaft meistens von alleine zurückbildet, sollten Sie mit einer OP warten.

Im Januar soll ich am Karpaltunnel operiert werden. Ich bin Köchin und arbeite in einem Betrieb, wo jede Hand gebraucht wird. Wie lange falle ich aus?

Wenn Sie auf Arbeit auch schwer heben müssen, sollten Sie mindestens sechs Wochen nach der OP pausieren. Besteht die Möglichkeit eines Schonplatzes, können Sie auch eher wieder arbeiten.

Ich bin über 80. Lohnt sich für mich noch die Karpaltunnel-OP?

Natürlich. Die OP am Karpaltunnel ist ein kleiner Eingriff, der auch keine Vollnarkose erfordert. Das geht auch im hohen Alter und gelingt auch meistens sehr gut.

Nach unsäglichen Schmerzen in der rechten Hand und dem Lesen Ihres Artikels bin ich von einer Fehldiagnose meiner Neurologin überzeugt. Die Messung der Nervenleitfähigkeit ergab keinen Befund. Kann das trotzdem ein Karpaltunnelsyndrom sein?

Durchaus. Es gibt auch Patienten, die trotz normaler Nervenleitfähigkeit ein Karpaltunnelsyndrom haben. Der Arzt kann Kortison gegen die Entzündung ins Karpaltunnel spritzen. Kommen die Beschwerden nach ein paar Wochen wieder, sollte operiert werden.

Mir kribbelt meine Daumenspitze seit drei Monaten. Ansonsten habe ich keine Beschwerden. Was kann das sein?

Es kann durchaus ein beginnendes Karpaltunnelsyndrom sein. Die Beschwerden können aber auch von der Halswirbelsäule kommen. Eine genaue Diagnostik ist wichtig.

Ich nehme Blutverdünner. Kann ich trotzdem operiert werden?

Ja. Man kann das Medikament entsprechend einstellen, dass der Gerinnungswert leicht angehoben wird. Das geschieht in Zusammenarbeit mit Ihrem Hausarzt.

Seit über einem Jahr schlafen mir die Arme und die Hände ein, ich habe Schmerzen in den Fingern und kann sie kaum bewegen. Die Messung beim Neurologen war negativ, wurde aber am ausgestreckten Arm durchgeführt. Meine Beschwerden kommen im angewinkelten Zustand. Ist das ein Karpaltunnelsyndrom?

Wahrscheinlich nicht, denn die Nervenleitfähigkeit wird immer am ausgestreckten Arm gemessen. Die von Ihnen geschilderten Beschwerden können auch von der Halswirbelsäule kommen. Es kann auch eine Erkrankung im Ellenbogengelenk vorliegen. Ihr Arzt sollte Sie tiefgründiger untersuchen.

Ich bin 77 Jahre alt und hatte vor drei Jahren eine Bypass-OP. Ich nehme deshalb viele Medikamente ein. Seitdem habe ich an den Händen und Zehen Taubheitsgefühl. Mein Hausarzt hat mir ein Mittel gegen Nervenschmerzen verordnet, was aber nicht hilft. Was kann ich noch tun?

Offenbar handelt es sich um eine Nervenerkrankung (Neuropathie), die von Medikamenten oder den Durchblutungsstörungen kommt. Eine ursächliche Behandlung gibt es dagegen nicht. Linderung bringt vielleicht die Physiotherapie.

Ich habe schon jahrelang ein Karpaltunnelsyndrom, musste die OP aber immer wieder aufschieben. Jetzt kann ich meinen Daumen gar nicht mehr bewegen. Schmerzen habe ich keine.


Der Daumenballenmuskel hängt am mittleren Handnerv. Der Muskelschwund des Daumenballens und die Gefühllosigkeit sind bereits Spätsymptome eines Karpaltunnelsyndroms. Sie sollten die OP umgehend machen lassen. Hundertprozentig werden Sie die Beschwerden aber sicher nicht wieder los, denn der Muskelschwund im Daumenballen kann nicht wieder rückgängig gemacht werden.

Seit mehreren Wochen habe ich starke Schmerzen im linken Ellenbogen. Die Schmerzen treten beim Zugreifen auf. Meist auch beim Verdrehen des Armes. Mein Neurologe stellte ein Karpaltunnelsyndrom fest. Ich bin schon zehn Wochen krankgeschrieben und spüre keine Besserung.

Ihre Beschreibung lässt eher auf einen sogenannten Tennisellenbogen schließen. Das ist eine Entzündung des Nervenansatzpunktes am Ellenbogen. Unabhängig davon kann auch zusätzlich ein Karpaltunnelsyndrom bestehen. Die Beschwerden lassen nach der OP des Karpaltunnels meist so weit nach, dass Sie gut damit leben können.

Ich arbeite täglich viele Stunden am Computer und habe abends Schmerzen vom Ellenbogen bis in die Hand. Was kann ich tun?

Durch die einseitige Belastung und Fehlhaltung kann es sich bei Ihnen um einen Tennisellenbogen handeln. Das heilt in den meisten Fällen von allein wieder, wenn Sie den Bereich täglich bewusst einige Male entlasten und entspannen. Lassen Sie sich vom Physiotherapeuten entsprechende Übungen zeigen und führen diese möglichst jede Stunde für drei, vier Minuten durch. Einen Tennisellenbogen kann man mit Kortisonspritzen behandeln, mit Ultraschall, Reizstrom oder Stoßwellentherapie. Eine OP wird nur in den seltensten Fällen empfohlen.

Mein Handgelenk ist auf der Innenseite gerötet und schmerzt. Ist das der Karpaltunnel?

Es handelt sich wahrscheinlich um eine akute Sehnenscheidenentzündung. Sie sollten den Bereich kühlen und schonen. Sonst kann es chronisch werden und der Handnerv Schaden nehmen.

Nach meiner OP am Karpaltunnel vor vier Wochen schmerzt mein Handballen noch. Ich bekomme auch meine Finger nicht richtig krumm. Ist die OP schiefgegangen?

Nein. Wenn das typische Kribbeln und Einschlafen der Finger weg ist, ist die OP gelungen. Durch die OP wird aber mitunter Muskelgewebe verletzt. Das kann ein paar Wochen oder auch Monate Missempfindungen auslösen. Sie könnten sich Ergotherapie verordnen lassen. Eine weitere Ursache könnte ein Schnappfinger sein. Dieser kann mit Medikamenten oder OP behandelt werden.

2014 bin ich am Karpaltunnelsyndrom operiert worden und nicht zufrieden. Es ist immer noch ein Finger taub. Mein Arzt sagt, ich solle Geduld haben. Auch noch nach einem Jahr?

Durchaus. Wie lange nach der OP noch Taubheitsgefühle auftreten, ist abhängig vom Ausmaß der Schädigung des Handnervs. Die OP schafft dir Voraussetzung dafür, dass sich der Nerv erholen kann, aber erholen muss er sich von selbst. Lassen Sie sich vom Neurologen noch einmal die Nervenleitfähigkeit messen. Wenn es eine Verbesserung gegenüber dem Ausgangsbefund gibt, können Sie die Hoffnung haben, dass sich der Zustand noch normalisiert. Das kann auch Jahre dauern.
 

Zurück zum Spezial "Ambulant operieren"

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...