Eine Gefahr für den Menschen?

Die Angst vor dem Wolf sitzt noch immer tief. Doch müssen wir Menschen uns wirklich vor einer Begegnung mit dem pelzigen Vierbeiner fürchten?

Die Angst vor dem Wolf ist bei den Menschen psychologisch tief verwurzelt. Die meisten  kennen den Wolf aus Märchen, Mythen, alten Geschichten und manchmal nur aus dem Zoo. Hartnäckig hält sich daher  die Mär vom "bösen Wolf". Dieses Bild entstand vor allem im Mittelalter in Europa als Übergriffe auf Nutztiere, Konkurrenz um Beutetiere und Angst vor Tollwut zu einer negativen Einstellung der Menschen gegenüber dem Wolf führten.

Die Angst vor Wölfen sei biologisch programmiert, sagte Evolutionsbiologe Harald Euler in einem Interview in der Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen: "So wie die Angst vor Spinnen und Schlangen. Und auch vor Hunden. Das heißt, diese Ängste erwerben wir leicht. Dazu ist nur nötig, dass wir sehen, wie jemand anderes sich ängstigt."

"Ich denke, es ist vor allem die Darstellung des Wolfes in Filmen, Büchern und Fabeln. Diese regelrechte Dämonisierung führte zur Angst vor dem Tier. Wegen der Überpopulation des Wolfs in Zeiten des 30-jährigen Krieges, wurde der Wolf in den Folgejahren in Deutschland weitgehend ausgerottet.", so NABU-Wolfsbotschafter Jürgen Schording in einem Interview in der Rheinpfalz.

Der Mensch zählt jedoch nicht zur natürlichen Beute des Menschen, schreibt das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen. Das gelte auch dann, wenn die Wölfe sehr ausgehungert sind und keine natürlichen Beutetiere mehr finden können. Der Wolf wird im Welpenalter durch die Elterntiere, die das Futter für die Jungen herantragen, auf sein Beutespektrum geprägt, der Mensch zähle nicht dazu. Dem Menschen gegenüber verhalten sich die Tiere von Natur aus vorsichtig. "Meistens weichen die Wölfe aus, noch ehe wir sie bemerkt haben", heißt es beim Kontaktbüro. In Deutschland gab es bislang noch keine einzige nachgewiesene Wolfsattacke auf einen Menschen. Generell sind Begegnungen zwischen Mensch und Wolf eher selten.

Informationen zum Gefahrenpotenzial von Wölfen liefert die 2002 vom Norwegischen Institut für Naturforschung (NINA) veröffentlichte Studie "The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans" (Link zur Original Studie). Darin wurden Berichte über Wolfsangriffe auf Menschen und ihre Ursachen in Skandinavien, Mitteleuropa, Asien und Nordamerika zusammengetragen und ausgewertet. Auch diese Studie zeigt, dass Übergriffe von Wölfen auf Menschen grundsätzlich sehr selten sind  und nicht spontan auftreten. Aus Europa sind seit Mitte des 20. Jahrhunderts neun Vorfälle, bei denen Menschen von einem freilebenden Wolf getötet wurden, bekannt. In fünf dieser Fälle hatten die Tiere Tollwut. In der Vergangenheit gab es nur einzelne Fälle, in denen gesunde Wölfe einen Menschen angegriffen oder gar getötet haben. Wolfsangriffe auf Menschen lassen sich vor allem auf drei Ursachen zurückführen: Tollwut, Provokation und Futterkonditionierung.   

Doch die Angst, dass der Wolf die Tierseuche Tollwut überträgt, seien hierzulande unbegründet. Die tödliche Viruserkrankung gilt seit 2008 als ausgerottet. Die Tollwutsituation werde zudem laut Kontaktbüro Wölfe ständig beobachtet  Auch in den angrenzenden Ländern sei die Krankheit durch Immunisierung des Fuchses bekämpft.

Ausgeschlossen sind Treffen zwischen Mensch und Wolf dennoch nicht. Begegnungen auf Distanzen unter 100 Metern passierten vor allem dann, wenn die Wölfe den Menschen etwa aufgrund der Windverhältnisse nicht rechtzeitig bemerken und Reißaus nehmen können. Wenn der Wolf den Menschen wahrnimmt, flieht er jedoch zumeist nicht panisch, sondern orientiert sich zunächst und zieht sich dann zumeist zurück.   
Unter allen dokumentierten Wolfssichtungen in Sachsen gab es nur einige wenige, in denen sich Wölfe Menschen genähert haben, obwohl sie ihre Anwesenheit schon bemerkt hatten. Dabei habe es sich zumeist um unerfahrene, neugierige Jungwölfe gehandelt, bei denen das Interesse der Wölfe für Hunde oder Schafe in der Nähe der jeweiligen Person den angeborenen Fluchtinstinkt vor dem Menschen überwog.

Wölfe, die in Kulturlandschaften leben, müssten damit umgehen, dass es in ihrem Lebensraum menschliche Siedlungen gibt. Es kommt daher vor, dass sie an diesen vorbei- oder gelegentlich auch hindurchlaufen. Das liegt an der überwiegenden Nacht- und Dämmerungsaktivität des Wolfes. Die Haltung von Schafen und Ziegen in Siedlungen und an Gehöften ohne geeignete Umzäunung bietet daher insbesondere über Nacht keinen sicheren Schutz. Vereinzelt können Wölfe jedoch auch im Hellen im Siedlungsbereich gesehen werden, ähnlich wie dies von Füchsen, Rehen oder Wildschweinen bekannt ist.

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