Teil 5: Homöopathie - Die Kraft der Kügelchen

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33 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    gelöschter Nutzer
    06.06.2015

    "Die Behandlung: Am Anfang steht immer ..."
    Genau, was in dem ersten Absatz beschrieben wird, ist der Schlüssel des Erfolges. Wenn ich da an die 3 bis 5-Minutenkonsultation bei meinem Hausarzt denke...
    Aber wie kommt Frau Dr.Tost bei diesem Zeitaufwand finanziell über die Runden ?

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    gelöschter Nutzer
    03.06.2015

    Sehr treffend erläutert!
    Es wird oft gesagt, Homöopathie kann nicht falsch sein, wenn es beim Tier hilft, denn das Tier kann sich nichts einbilden. Wenn Homöopathie wirkt, dann m.E. immer über die Besitzer-Tier-Beziehung. Oft ist ein Tier so krank, wie es sein Besitzer empfindet. Der Homöopathie kommt zu gute, dass des Körper versucht, sich selbst zu heilen. Wer sagt mir z.B. im Einzelfall, dass eine mit homöopathischen Mitteln behandelte Muskelzerrung bei einem Hund ohne das Mittel nicht in der gleichen Zeit abgeheilt wäre. Der Gegenbeweis kann überhaupt nicht angetreten werden.
    Trotzdem, Methoden, die die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren sind nicht falsch, wenn der heiler verantwortungsbewußt die Grenzen absteckt.

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    gelöschter Nutzer
    03.06.2015

    Der Satz "was Fachleute wie Dr. Tost wiederum mit dem Argument wegwischen, warum die Kügelchen denn dann auch bei Babys und Tieren wirkten" zeigt leider ein großes Übel der Homöopathie: Patienten werden mit nachweislich falschen Fakten abgespeist, um die Tatsache, dass es sich um ein Placeboverfahren handelt, zu verschleiern.

    Jede Mutter weiß eigentlich, dass Babys und Kleinkinder bestens auf Placeboeffekte reagieren - sie kennt nur meist den Fachausdruck nicht. Aber jede Mutter weiß, dass es dem Kind besser geht, wenn man ein "Aua zum Fenster hinaus fliegen" lässt oder pustet, singt, trägt. Das sind alles Placebos - also Scheinbehandlungen - ohne echte medizinische Wirkung. Und wie gesagt: Jede Mutter weiß, dass sie dem Kind helfen.

    Im Gegenteil wissen echte Fachleute sogar, dass bei Kleinkindern stärkere Placeboeffekte auftreten als bei Erwachsenen, weil sie das Urvertrauen in eine Behandlung durch Erwachsene noch nicht verloren haben.

    Daneben tritt sowohl bei Kleinkindern als auch bei Tieren der sogenannte "Placebo by Proxy"-Effekt auf: Der Placeboeffekt, der bei der Bezugsperson greift. Die beruhigende Wirkung, nicht allein dazustehen, sondern etwas tun zu können verändert Erwartungshaltung und Wahrnehmung der Symptomschwere unbewusst(!) bei der Bezugsperson. Diese wird gelassener, was wiederum auf Kind/Tier wirkt. Welche Mutter, welcher Tierbesitzer würde abstreiten, dass ihre Lieblinge Stimmungsschwankungen bei ihnen bestens wahrnehmen und spiegeln?

    Und daneben treten natürlich auch bei Kleinkindern und Tieren immer die sogenannten Kontexteffekte auf: Natürliche Genesungen und Besserungen, die einfach zeitlich nach einer Gabe eines Placebos auftreten, weil man das Mittel gab, als es "besonders schlimm" war, die Krankheit also gerade ihren natürlichen Zenit erreichte: Wenn ich bei Schnupfen Placebos (also Scheinmedikamente) gebe, dann wird der Schnupfen trotzdem da keine gezielte Wirkung vorliegt, nach einigen Tagen besser werden. Placebos verhindern ja keine Genesungen bei leichten Krankheiten. So lange man sie nur bei harmlosen Erkrankungen nimmt/gibt, so lange ist es unvermeidlich danach Besserungen zu beobachten - nur sagt das nichts über die eventuelle Wirkung des Mittels aus.

    Gefährlich wird es, wenn man Placebos überschätzt und zu lange mit ihnen herumdoktert, wo eigentlich echte Behandlung nötig wäre. Deswegen ist auch die Behauptung vieler Homöopathen so gefährlich, eine Verschlechterung sei ein Anzeichen, dass das Mittel wirke. Nein! Eine Verschlechterung ist ein Anzeichen, dass man noch einmal darüber nachdenken sollte, ob ein Placebo reicht.

    Jeder soll das Verfahren wählen, das er/sie möchte - aber auf der Basis der richtigen Information. Wenn man mit Placebos vermeiden kann, bei Bagatellen stärkere Mittel zu benutzen, dann ist das nicht schlecht. Eine Fehlinformation über die Leistungsfähigkeit eines Verfahrens ist aber gefährlich, weil es zu Therapieverzögerungen kommen kann. Und deshalb sollte man Eltern nicht solchen Unsinn erzählen, bei Kindern könne es sich ja nicht um Placeboeffekte handeln.

    Jürgen Windeler, Arzt und Professor für Medizinische Biometrie und Klinische Epidemiologie, seit 2010 Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, hat einmal dazu geschrieben:

    "Die These, Außenseitermedizin sei nichts als Placebo-Therapie, ist eigentlich eher ein Lob als ein Vorwurf. Denn der Mensch heilt sich in einem hohem Maß selber, Hauptsache, er wird auf irgendeine Weise behandelt und glaubt daran. Also: Placebos einsetzen, sofern keine wissenschaftsmedizinisch bewährte Therapie bekannt ist: uneingeschränkt ja. Aber, damit verbunden, pseudowissenschaftlichen Unsinn verbreiten: nein."