Anschläge auf Chemnitzer Lokale - Erste Fälle zu den Akten gelegt

Die Vorfälle im Herbst vergangenen Jahres hatten Chemnitz einmal mehr in Verruf gebracht. Die Betroffenen kämpfen bis heute mit den Folgen.

Die Spuren an der großen Glasscheibe, sie sind noch zu sehen. Ein Riss zieht sich quer über eines der Fenster des unscheinbaren Lokals in einer eher versteckten Ecke am Rande der Chemnitzer Innenstadt. Sie erinnern Jafar Hossini Tavakoli und seine Frau Shaparak Ghanbari jeden Tag an den September vergangenen Jahres, als ihr persisches Restaurant "Schmetterling" über Nacht von Unbekannten angegriffen wurde.

Dass dem Vorfall bald weitere - und weitaus schwerwiegendere - Angriffe auf Lokale ausländischer Betreiber in der Stadt folgen sollten, war damals noch nicht abzusehen. Nur zwei Wochen später, am 7. Oktober, verletzten drei maskierte Täter spätabends den Inhaber des ebenfalls persischen Restaurants "Safran" in der Nähe des Schloßteiches so schwer, dass er für eine Woche ins Krankenhaus musste. Einer der Männer soll beim Betreten des Lokals den Hitlergruß gezeigt haben. Anderthalb Wochen nach diesem Überfall ging das türkische Restaurant "Mangal" an der Straße der Nationen in Flammen auf. 17 Bewohner des Hauses mussten in Sicherheit gebracht werden.


Die Vorfälle hatten Chemnitz seinerzeit einmal mehr bundesweit in die Schlagzeilen gebracht, die Nachwirkungen sind bis heute zu spüren. Über Verantwortliche für die Straftaten wurde nie etwas bekannt. In zwei Fällen sind die Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung, des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und gefährlicher Körperverletzung nun sogar eingestellt worden.

Nach dem Angriff auf den Wirt des "Safran" hätten weder der Geschädigte noch anwesende Zeugen Hinweise auf die Identität der Täter geben können, erläutert eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft - die Fremden hatten Motorradhelme und Handschuhe getragen. Auch sonstige Spuren konnten nicht gesichert werden - weil es keine gab.

Ähnlich das Ergebnis der Ermittlungen zu den nächtlichen Sachbeschädigungen am Restaurant "Schmetterling" Mitte September. Zeugen, die den Täter oder die Tat beobachtet haben, konnten laut Staatsanwaltschaft nicht ermittelt werden. Fingerabdrücke, DNA-Spuren oder Aufnahmen von Überwachungskameras - all das gibt es nicht.

Unklar bleibt damit vorläufig auch, ob es zwischen den Angriffen auf die Gaststätten einen engeren Zusammenhang gibt - ob etwa immer dieselben Täter am Werk waren, ob irgendeine Gruppierung dahintersteht oder ob Nachahmer unabhängig voneinander agierten. Hinweise dazu könnten eines Tages vielleicht die Untersuchungen zum Brandanschlag auf das Restaurant "Mangal" am 18. Oktober liefern. Diese dauern nach Angaben der Staatsanwaltschaft weiterhin an. Inwieweit es dort konkrete Ermittlungsansätze oder gar eine heiße Spur gibt, war am Donnerstag nicht in Erfahrung zu bringen.

Die Polizei, die nach den Vorfällen im Herbst vergangenen Jahres eine stärkere Bestreifung möglicherweise gefährdeter Lokale angekündigt hatte, hat die Restaurants laut einer Sprecherin weiterhin im Blick. Seit einigen Wochen seien dafür allerdings nicht mehr Beamte der überörtlich agierenden Wachpolizei zuständig, sondern die der Chemnitzer Polizeireviere.

Masoud Hashemi, der Wirt des "Safran", hat unterdessen noch immer mit den Folgen des Angriffs zu kämpfen. Vor allem der Rücken mache ab und an Probleme, erzählt er. Dass die Ermittlungen nun eingestellt sind, quittiert er mit
einem Schulterzucken. "Das ist Sache der Polizei", sagt er. Wichtiger für ihn sei, dass viele Chemnitzer ihm in den Wochen und Monaten nach dem Angriff ihre Unterstützung versichert hätten. "Neunzig Prozent der Menschen hier sind sehr, sehr nett", so Hashemi. "Einige aber auch gefährlich."

Bewertung des Artikels: Ø 2.8 Sterne bei 4 Bewertungen
10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    4
    ArndtBremen
    02.03.2019

    Immer wieder erschreckend, die Agressivität der linksorientierten Leser. Angst vor den Wahlen?

  • 5
    2
    02.03.2019

    @Diestelblüte: ICH habe nie behauptet das es "Restaurantkritiker" waren, dafür ist dieses Thema viel zu ernst als das man darüber irgendwelchen "Spott" oder dergleichen macht. Ich bin auch nicht "erleichtert" darüber das die Ermittlungen eingestellt wurden, im Gegenteil, noch bin ich "rechts" . Aber es gilt in unserem Land immer noch die Unschuldsvermutung bis das Gegenteil bewiesen wurde. Und solange es nicht bewiesen wurde sollte es auch nicht behauptet wrden.

  • 4
    4
    Distelblüte
    02.03.2019

    @thomboy: Wer kennt sie nicht, die Restaurantkritiker, die motorradbehelmt und behandschuht ihr Missfallen über ein enttäuschendes Mahl beim Perser,Türken usw. kundtun... Spott beiseite.
    Den Einstellungen der Ermittlungen folgt die Erleichterung von rechts. Ich finde das bemerkenswert. Wichtiger als die Aufklärung einer Straftat, bei der neben erheblichen Sachschäden auch Menschen schwer verletzt wurden, scheint zu sein, dass die Täter ncht gefunden wurden, denn sie könnten Sympathisanten der eigenen Szene sein.

  • 6
    5
    01.03.2019

    Blackadder: Warum nicht auch das. Wenn man niemand ermittelt kann es alles und jeder gewesen sein.

  • 5
    9
    Blackadder
    01.03.2019

    @thomboy: Wer denken Sie denn war es? Restaurantkritiker?

  • 7
    5
    01.03.2019

    Na da kann man ja beruhigt weiter behaupten das es rechte waren.

  • 4
    9
    Blackadder
    01.03.2019

    Ich verstehe nicht, wie man hier und beim Mangal von Polizeiseite so im Dunkeln stochern kann. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das schon mal verlinkt hatte. Es gab bereits im November einen Artikel im "Freitag" mit folgendem Wortlaut:

    "Im Stadion des Chemnitzer FC liegen Stoffbahnen: Demokratie, Miteinander. Von der Südtribüne schauen Ultras und eingefleischte Fans darauf. Grinsen, rauchen. Reden gleich los, brauchen keine Ich-bin-Reporter-Einleitung, sind überzeugt, dass Fußball und Politik nichts miteinander zu tun hätten, „meine Meinung“. Einer, CFC-Schriftzug in den Hals gestochen, Vereinswappen auf dem Handrücken, sagt, dass viele „von denen“ im Stadion seien. Er meint die Organisatoren verbotener Hooligan-Trupps. Macht einen rabiaten Schwenk, er habe ja nichts gegen jene, die arbeiten würden. Aber solche, die herkämen, um Sozialleistungen abzugreifen: „Gleich ab ins Flugzeug.“ Gerade würde doch Gewerbetreibenden die Bude angezündet? Kopfschütteln, Rauchen. „Ja. Ich kenn die sogar, die das waren. Wollten ’ne Welle schieben.“ Grinst. „War natürlich übertrieben.“"

    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/am-schwarzen-loch

    Wenn Journalisten hier so schnell einen Ansatzpunkt finden, warum findet den die Polizei nicht? Die hat doch ganz andere Möglichkeiten....

    Man bekommt schon den Eindruck, hier will man vielleicht gar nicht so tief graben.

  • 15
    3
    osgar
    28.02.2019

    @Arndt " weil Sie ein ungutes Gefühl haben wollen"

    Der war gut. Sie haben doch ein ständiges ungutes Gefühl, wenn Ihnen nur ansatzweise etwas Fremdes in die Nähe kommt. Und dann kommen Sie mit so einem Schmarrn um die Ecke, danke für den Lacher.

  • 5
    24
    ArndtBremen
    28.02.2019

    @SimpleMan: Weil unsere Justiz in der Vergangenheit oft angegriffen wurde, weil man der Justiz Versagen vorgeworfen hat. Reicht das??? Warum bleibt bei Ihnen ein ungutes Gefühl? Weil sie ein ungutes Gefühl haben wollen!

  • 17
    6
    SimpleMan
    28.02.2019

    @ArndtBremen Warum stärkt es der Justiz den Rücken, wenn ein Verfahren eingestellt wird, da keine Täter ermittelt werden konnten? Den beiden Restaurants ist trotzdem ein Schaden entstanden und der oder die Täter kommen straffrei davon. Es ist natürlich nicht zu vermeiden, dass diese Verfahren eingestellt werden, da es auch keine Zeugen gibt, aber es bleibt ein ungutes Gefühl.



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