Liveticker: Tausende bei Demonstrationen in Chemnitz

Nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes und anschließenden Demonstrationen mit Ausschreitungen waren am Samstag mehrere Kundbegungen in der Innenstadt angemeldet. Lesen Sie hier nach, was geschah.

21.05 Uhr: Die Stadt zieht Bilanz. Nach Angaben der Kommune verzeichnete die Veranstaltung "Herz statt Hetze" 4000 Teilnehmer. Die Demonstrationen und Kundgebungen der AfD und von Pro Chemnitz zählten laut Stadt rund 4500 Teilnehmer. Nach Schätzungen der "Freien Presse" waren es rund 6000. Bis 21 Uhr musste der Rettungsdienst zu 17 Einsätzen ausrücken. Davon mussten elf Menschen ins Krankenhaus gebracht werden. Damit beenden wir unseren Liveticker und bedanken uns für die Aufmerksamkeit!

21.02 Uhr: Am Rande des Reitbahnviertels hat es am Abend bei einem Angriff mehrere Verletzte gegeben. Nach Angaben von Augenzeugen traten Personen, die als "Hooligans" beschrieben werden, im Bereich Moritz-/Annaberger Straße auf die jungen Männer ein und schlugen sie in Gesicht. Eines der Opfer musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei hat den Vorfall aufgenommen.

20.50 Uhr: Am Tatort wird die Nationalhymne gesungen. Die Polizei lässt die Menge gewähren, wenngleich sie zuvor noch darauf hingewiesen hat, dass eine Spontanversammlung am Tatort nicht zugelassen wird.

20.45 Uhr: Die Menge kniet zum Gedenken an das Opfer Daniel H. nieder. Es sind etwa 100 Menschen. Es folgen Sprechchöre: "Daniel! Daniel! Daniel!" Immer wieder brandet Applaus aus.

20.40 Uhr: Die Polizei lässt jetzt alle, die es wünschen, zum Tatort vom 26. August durch.

20.35 Uhr: Die Polizei erlaubt einzelnen Personen, zur Trauerstelle am Tatort der Gewalttat vom 26. August zu gehen. Dort dürfe aber keine Spontandemo abgehalten werden. "Das wäre illegal", heißt es.

20.34 Uhr: "Herz statt Hetze" am Johannisplatz ist nun auch offiziell beendet.

20.27 Uhr: "Wir bleiben hier!" Teilnehmer der aufgelösten AfD-Demo wollen die Kreuzung trotz mehrfacher Aufforderung der Polizei nicht verlassen. "Es findet keine Spontandemo statt", schallt es durch die Lautsprecher der Polizei.

20.11 Uhr: Über die Bahnhofstraße bewegt sich ein Großteil der "Herz statt Hetze"-Demoteilnehmer von außerhalb zum Hauptbahnhof. Unterwegs treffen sie auf Teilnehmer der AfD- und Pro Chemnitz-Demo. Die Polizei hat Mühe, die Lager auf Abstand zu halten. Sprechchöre werden skandiert. Am Straßenrand warten seit Stunden Busse auf ihre Weiterfahrt.

20.10 Uhr: Kurz eine brenzlige Situation auf der Brückenstraße: Zwei Ausländer, einer von ihnen im Rollstuhl, sind mit Teilnehmern der AfD-Kundgebung aneinander geraten, weil einer von ihnen "Nazis" gerufen hat. Ein Polizist entschärft die Situation und lotst die beiden hinter die Polizeireihen zurück.

20.00 Uhr: Bei den Demonstrationen in Chemnitz sind am Samstag nach Angaben der Versammlungsbehörde insgesamt mehr als 8000 Menschen auf die Straße gegangen. Rund 4500 Menschen nahmen demnach an den Veranstaltungen von AfD, Pro Chemnitz und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida teil. Zu einer Veranstaltung für Frieden und gegen Ausländerfeindlichkeit kamen den Angaben der Behörde zufolge rund 3500 Menschen auf den Parkplatz an der Johanniskirche. In den Nebenstraßen gab es weitere Veranstaltungen mit mehreren Hundert Teilnehmern. Die großen Veranstaltungen sind aufgelöst, es sind aber noch immer mehrere Tausend Menschen im Stadtzentrum - und ein massives Polizeiaufgebot.

19.45 Uhr: Im Geviert zwischen Johannisplatz und Straße der Nationen steht noch immer eine Menschenmenge. Die Polizei macht eine Durchsage: Alle Damen in diesem Bereich dürfen jetzt die Toiletten im Restaurant "Vapiano" benutzen. Jubel ist zu hören.

19.40 Uhr: Lautsprecherdurchsage der Polizei: Die Gegendemonstranten sollen später sicher zum Hauptbahnhof gebracht werden. Man bittet um Geduld. Die Stimmung ist ruhig, aber angespannt. Die Wasserwerfer werden abgezogen. Die Besatzung verabschiedet sich per Durchsage von den Demonstranten - und erntet Applaus.

19.38 Uhr: Sirenen sind zu hören. Jetzt ist klar: Die Polizei hat den Marsch der AfD 19.30 Uhr beendet und Polizei wendet sich an die Teilnehmer: "Bleiben Sie ruhig, gehen sie nach Hause zu ihren Familien!" Einige haben offenbar versucht durchzubrechen.

19.32 Uhr: Mittlerweile haben sich die Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge der Polizei in Richtung des AfD-Lagers gedreht. Demo und Polizei trennen etwa 50 Meter. "Widerstand!! Widerstand!", brüllt die Menge.

19.23 Uhr: An der Kreuzung Bahnhofstraße/Brückenstraße sind zwei Wasserwerfer aufgefahren.

19.20 Uhr: Die Versammlungszeit der Demonstration AfD ist bereits überschritten, schreibt die Polizei auf Twitter. "Eine Umgehung der Bahnhofstraße/Zschopauer Straße ist aus gefahrenabwehrrechtlichen Gründen nicht möglich. Der Versammlungsleiter wurde angesprochen, seine Demo zu beenden."

19.15 Uhr: An der Kreuzung Brücken-/Bahnhofstraße trennen nur noch 100 Meter und jede Menge Polizei beide Lager. Es gibt Verletzte auf Seiten der Gegendemonstranten. Sie werden von Sanitätern versorgt. Auf der Bühne auf dem Platz an der Johanniskirche spielt derweil die Band Egotronic. Ein Wasserwerfer hat sich erneut an der Kreuzung Brückenstraße/Straße der Nationen postiert.

19.12 Uhr: "Räumen, räumen!" schallt es aus dem AfD-Lager. Wenig später setzen sich die Wasserwerfer in Bewegung, die Lage ist unübersichtlich.

19.10 Uhr: Am Rande der Demonstration gab es in einem Wohnhaus einen Angriff auf Reporter des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Wie der Sender berichtete, hatten die beiden Journalisten aus der Redaktion "MDR Aktuell" an einer Wohnungstür geklingelt, sich ordnungsgemäß vorgestellt und gefragt, ob sie vom Balkon aus Bilder eines Demonstrationszuges drehen dürften. Ein Jugendlicher in der Wohnung habe zugestimmt und die Reporter eingelassen. Während der Dreharbeiten sei plötzlich ein anderer Mann in die Wohnung gekommen und habe die beiden Journalisten angegriffen.Bei dem Angriff sei einer der MDR-Mitarbeiter schließlich die Treppe hinuntergestoßen und seine Kamera zerstört worden. Der Mann wurde demnach verletzt und musste ärztlich behandelt werden. Die Reporter hätten Anzeige erstattet.

19.04 Uhr: Aktuell ist offen, wie es weitergeht. Die Polizei hat die Kreuzung Brückenstraße/Bahnhofstraße dichtgemacht, einzelne Teilnehmer der AfD-Demo sind bereits von sich aus dorthin gegangen. Der Demonstrationszug steht immer noch.

18.57 Uhr: Kurzzeitig unübersichtliche Situation an der Brückenstraße/Ecke Straße der Nationen. Reiter, Wasserwerfer - jedoch noch nicht zu erkennen, warum.

18.47 Uhr: Vertreter des Orga-Teams bei der AfD erklären, bei den auf Plakaten gezeigten Frauen handele es sich um Opfer abgelehnter Asylbewerber. Sophia L. wurde jedoch nicht Opfer eines abgelehnten Asylbewerbers.

18.46 Uhr: Die AfD-Demo steht seit gut 20 Minuten vor dem Marx-Monument.

18.31 Uhr: Allem Anschein nach wird die Demonstration von AfD und Pro Chemnitz auf der Bahnhofstraße über den Gehweg bzw. die Strassenbahngleise geführt. Per Lautsprecherdurchsagen wird gebeten, diesen Bereich zu verlassen. Mit Polizeifahrzeugen wurde eine Gasse gebildet. Der Platz an der Johanniskirche hat sich derweil merklich geleert. Das Bühnenprogramm ist unterbrochen.

18.22 Uhr: Der Demonstrationszug biegt in die Brückenstraße ab. Kurz nach Beginn hat sich eine Familie mit Kind den Teilnehmern in den Weg zu stellen versucht. Die Polizei unterbindet das.

18.10 Uhr: Der als Schweigemarsch deklarierte Demonstrationszug der AfD setzt sich mit etwa einstündiger Verzögerung in Bewegung. Vorher wurden noch einmal die Auflagen verlesen und alle Teilnehmer aufgerufen, keine Gewalt auszuüben und Provokationen zuzulassen. Außer Deutschlandfahnen dürfen keine Symbole oder Spruchbänder oder Plakate mitgeführt werden. Verstöße sollen geahndet werden. Kurz vor dem Start hatte sich zunehmend Unmut geäußert, dass die Prüfung der Auflagen durch die Versammlungsbehörde so viel Zeit in Anspruch nahm.

18.06 Uhr: Mittlerweile haben Gegendemonstranten eine Seite der Bahnhofstraße vom johannisplatz bis zur Zentralhaltestelle besetzt. Immer wieder erschallen Sprechchöre in Richtung Polizei: "Wo wart Ihr am Montag?"

18 Uhr: Die AfD-Demonstration darf starten.

17.55 Uhr: "Alerta"-Rufe: Mutmaßliche Antifa-Mitglieder versuchen, in Richtung Marx-Monument an der Polizei vorbei zu rennen. Die Polizei stellt den schwarzen Block am Rawema-Gebäude. Es handelt sich um 100 Gegendemonstranten.

17.40 Uhr: Die Polizei trennt die AfD-Demo-Teilnehmer von Gegendemonstranten, die am Wall - teils vermummt - lautstark demonstrieren. "Deutsche Polizisten schützen die Faschisten" ist zu hören und "Ob Ost, ob West - nieder mit der Nazipest!" sowie "Nazis morden, der Staat macht mit - der NSU war nicht zu dritt."

17.34 Uhr: Die Blockaden auf der Bahnhofstraße haben sich in Höhe Zschopauer Straße / Johannisplatz zusammengeschlossen. Immer mehr Einsatzbeamte marschieren auf, nun auch berittene Polizei. Die Blockade wird augenscheinlich eingekesselt.

17.31 Uhr: Der Demonstrationszug der AfD steht noch - offenbar geht es jetzt Richtung Marx-Monument. Mit vertreten: Björn Höcke, einer der beiden Sprecher der AfD Thüringen.

17.23 Uhr: Der Demonstrationszug der AfD richtet sich aus, es geht wohl gleich los.

17.12 Uhr: Mittlerweile gibt es zwei Blockaden. An der Theaterstraße wiederum ist unklar, wohin der Demonstrationszug läuft. Mehrere tausende Teilnehmer. An der Blockade Johannisplatz setzen die Beamten ihre Helme auf, Polizeihunde werden aus Einsatzfahrzeugen geholt. Immer mehr Gegner der Demo von AfD und Pro Chemnitz strömen auf die Bahnhofstraße. Die Stimmung wird zunehmend angespannt.

17 Uhr: Auf der Bahnhofstraße in Höhe Johannisplatz haben sich knapp 100 Menschen postiert. Sie erklären, die Demo von AfD und Pro Chemnitz blockieren zu wollen. Die Polizei ist mit  Kommunikationsteams vor Ort, setzt augenscheinlich auf Deeskalation. An der Johanniskirche tritt unterdessen die Band Madsen auf - und macht ordentlich Stimmung.

16.59 Uhr: An der Theaterstraße versammeln sich mehrere tausend Teilnehmer zum von der AfD angemeldeten Schweigemarsch. Die Polizei hat mit Fahrzeugen den Kreuzungsbereich an der Bahnhofstraße/Augustusburgerstraße abgeriegelt.

16.55 Uhr: Rund 200 Teilnehmer einer Leipziger Initiative wollen an der Kreuzung Bahnhofstraße / Waisenstraße eine Spontandemo veranstalten und warten auf die Versammlungsbehörde.

16.48 Uhr: Die Bundespolizei und das Innenministerium in Sachsen haben einen Bericht über eine "schwere Panne" als Grund für die Unterbesetzung der Polizei bei den Ausschreitungen am vergangenen Montag in Chemnitz zurückgewiesen. Das Lagezentrum habe darauf verzichtet, beim Bundespolizeipräsidium in Potsdam nach Verstärkung zu fragen, sagte ein Ministeriumssprecher in Dresden am Samstag auf Anfrage. Die zusätzlichen Kräfte und Hubschrauber wären erst kurz vor Mitternacht vor Ort gewesen, erklärte er. Die "Welt am Sonntag" schrieb von einer "schweren Panne" und "fehlerhaftem Verhalten".

16.47 Uhr: Während die Kundgebung "Herz statt Hetze" auf dem Parkplatz an der Johanniskirche mit Redebeiträgen weiter läuft, sammeln sich mehr und mehr Teilnehmer an der Kreuzung Bahnhof-/Brückenstraße. Dort soll später die Demonstration von AfD und Pro Chemnitz vorbeiführen. Die Polizei hat bereits eine Wand aus Einsatzfahrzeugen formiert. Unterdessen trifft ein Block mit hunderten weiteren Teilnehmern aus Richtung Hauptbahnhof ein.

16.42 Uhr: Die Versammlung von Pro Chemnitz wird laut einem Sprecher beendet, um den Kundgebungsteilnehmern zu ermöglichen, an der AfD-Veranstaltung teilnehmen zu können. Die Versammlungsbehörde habe einen Zusammenschluss von Pro Chemnitz-Kundgebung mit dem AfD-Demonstrationszug abgelehnt. Die Teilnehmer begeben sich zum AfD-Büro an der Theaterstraße.

16.33 Uhr: Der frühere Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sieht nach den Ausschreitungen in Chemnitz die schwarz-rote Koalition in Sachsen in der Pflicht. "Die Situation ist so ernst, das bekommen wir nicht gedreht, wenn die Landesregierung nicht ihren Job macht", sagte er laut dpa am Samstag am Rande von "Herz statt Hetze".

16.27 Uhr: Martin Kohlmann von Pro Chemnitz erklärt, während die AfD zum Schweigemarsch einlade, schweige man bei Pro Chemnitz nicht. Vor Ort werden neben Sachsen- und Deutschlandflaggen auch kubanische Flaggen geschwenkt. Hintergrund: Das 35-jährige Opfer war Deutsch-Kubaner. Kohlmann macht sich den Spruch zu eigen, den man auch am Tatort inmitten von Blumen sehen konnte: "Nehmt ihnen die Messer, sonst nehmen wir euch eure Ämter".

16.24 Uhr: Rola Saleh, Sozialarbeiterin, AG In-und Ausländer, erklärt bei "Herz statt Hetze": "Wir sind nach Europa und nach Deutschland geflohen, weil wir an den Rechtsstaat glauben. Ja, es gibt Menschen, die sich nicht gut benehmen. Für die gibt es das deutsche Strafgesetzbuch. Wir wollen mit den Deutschen friedlich zusammenleben und die Stadt gestalten."

16.18 Uhr: Die Kundgebung von Pro Chemnitz läuft. Die schätzungsweise 1500 Teilnehmer wurden dazu aufgerufen, keine Gewalt auszuüben und auch keine zu tolerieren. Vor allem vor das Zeigen des Hitlergrußes wurde sich verbeten. Dagegen soll konsequent vorgegangen werden.

16.14 Uhr: Bei "Herz statt Hetze" spricht ein Vertreter von "NSU Watch. Er erinnert daran, dass bereits Zschäpe, Mundlos und Böhnardt in Chemnitz problemlos untertauchen konnten in einer gefestigten rechten Szene. Einer der Chemnitzer Zeugen, die beim NSU-Prozess in München aussagen musste, sei bei den jüngsten Ereignissen in Chemnitz erneut gesehen worden. "Es wird Zeit, das wir alle in Bewegung kommen."

16.10 Uhr: Ein Mann mit schwarzem Haar und schwarzem Bart steht bei Pro Chemnitz mit einem Plakat: "Migrationshintergrund und deutscher Patriot."

16.05 Uhr: Der Platz bei "Herz statt Hetze" füllt sich immer mehr. Viele mit der Bahn angereiste Teilnehmer treffen ein. Sie stehen zum Teil bereits in den Straßenbahngleisen.

16 Uhr: Rede von Prof. Josef Lutz, TU Chemnitz, bei Herz statt Hetze. Er sagt: "Wir haben ein Problem, erhalten Anrufe von Eltern und ausländischen Studierenden: Können wir unsere Kinder nach Chemnitz schicken? Ja, denn das am Montag war nicht unsere  Stadt."

15.58 Uhr: Der Chor der Oper singt auf dem Parkplatz an der Johanniskirche "We Are The World, We Are The Children." Tosender Applaus.

15.50 Uhr: Ein Mann mit einem Plakat, auf dem "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen" spricht auf der Pro-Chemnitz-Kundgebung. Nicht alle Zuhörer finden das gut und meinen, der Redner spiele sich zu sehr in den Vordergrund.

15.48 Uhr: Herz statt Hetze hat begonnen. OB Barbara Ludwig spricht Angehörigen und Freunden des Opfers vom 26. August erneut ihre Anteilnahme aus. An die Adresse der Demonstranten vom Montag sagt sie: "Es gibt und es wird Möglichkeiten geben, Ängste auszusprechen. Wer wiederholt sich rechten Hetzern anschließt, macht sich gemein mit denen, die den Hitlergruss zeigen und stärkt die gewaltbeteite rechte Szene. Wer in Chemnitz lebt, kann nicht sagen, er wisse nicht, wohin das führen kann.""

15.47 Uhr: Im Stadtzentrum füllt sich langsam der Platz vor dem Marx-Kopf, wo gegen 16 Uhr eine Kundgebung des rechtspopulistischen Bündnisses Pro Chemnitz beginnen soll. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Auch eine Reiterstaffel ist unterwegs.

15.36 Uhr: Auch die Regierungschefin von Mecklenburg-Vorpommern und SPD-Vizechefin Manuela Schwesig ist in Chemnitz. Sie sagt: "Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die meisten Menschen ein friedliches, demokratisches Sachsen wollen. Die Rechtsradikalen wollen uns diese Freiheit nehmen. Dagegen muss man aufstehen, darf nicht länger zu Hause auf dem Sofa sitzen. Auf allen Veranstaltungen darf man seine Meinung sagen. Aber wo Leute den Hitlergrus zeigen, hetzen, auf Gewalt setzen, da ist eine rote Linie überschritten."

15.20 Uhr: Der als Pediga-Anwalt bekannte Jens Lorek ist bei der Demo von Pro Chemnitz. Er wünsche sich einen ruhigen Verlauf. "An uns soll es nicht liegen."

15.15 Uhr: Dietmar Bartsch, Linke-Fraktionschef im Bundestag, erklärt: "Auch als Linker sage ich: Ja, wir müssen den bürgerlichen Rechtsstaat verteidigen. Angesichts der Ereignisse der letzten Tage bin ich da hier in Sachsen nicht nur zuversichtlich. Aber ich gehe davon aus, dass die notwendigen Lehren gezogen worden sind."

15.05 Uhr: Der Parkplatz an der Johanniskirche bei "Herz statt Hetze" füllt sich zusehends. Auch Politprominenz ist vertreten. Dazu gehören Grünen-Chefin Annalena Baerbock, Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch sowie Sachsens Wirtschafsminister Martin Dulig. Der SPD-Politiker sagte: "Zentrale Aufgabe ist es jetzt, Vertrauen in den Rechtsstaat herzustellen und wiederherzustellen und den Schulterschluss zu suchen mit der Zivilgesellschaft. Wir müssen aufstehen und das anständige Sachsen verteidigen."

14.25 Uhr: Der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Detlef Müller ist auch vor Ort. Er hält es für wichtig, dass ein so breites Bündnis von der Linken bis zur CDU gemeinam mit Künstlern und Unternehmen gegen AfD, Pegida und Pro Chemnitz demonstrieren. Die Nachricht vom Tod des 35-Jährigen habe ihn fassungslos gemacht, einerseits wegen des Verbrechens selbst, andererseits, weil ihm schwante, was folgen würde. Der Fall müsse nun von den Ermittlern aufgeklärt werden. Nach 80 Interviews in den vergangenen Tagen hätte sich Müller gewünscht, dass schon vor der Gewalttat vom 26. August das Medieninteresse so groß gewesen wäre - und zwar daran, was man in der Stadt in den vergangenen Jahren im Kampf gegen Rechts getan habe.

14.14 Uhr: An der Bahnhofstraße sind nun Hamburger Gitter aufgebaut. Ein Mann hält ein Plakat in der Hand: "Hier ist das rationale Widerstand."

13.53 Uhr: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) hat sich gegen Kritik an seinen Vorwürfen gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen der ausländerfeindlichen Übergriffe in Chemnitz gewehrt. Er müsse sich bei der Kanzlerin nicht entschuldigen. "Ich habe eine unglückliche Wortwahl getroffen, aber in der Sache bleibe ich dabei." Kubicki hatte angesichts der rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz gesagt: "Die Wurzeln für die Ausschreitungen liegen im "Wir schaffen das" von Kanzlerin Angela Merkel." Merkel hatte den Satz am 31. August 2015 vor dem Hintergrund der damals nach Deutschland kommenden hunderttausenden Flüchtlingen gesagt.

13.30 Uhr: Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sieht gerade nach den Ausschreitungen von Chemnitz gute Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung als Kulturhauptstadt. Darin liege eine Möglichkeit, in sehr schwieriger Situation "so etwas wie einen demokratischen Aufbruch zu versuchen", sagte er am Samstag im Deutschlandfunk Kultur.

13.19 Uhr: Mit einem Gedicht auf dem Pflaster vor dem Karl-Marx-Kopf hat sich ein unbekannter Autor mit den ausländerfeindlichen Attacken der zurückliegenden Woche befasst. Unter der Überschrift "Chemnitz - meine Liebe" hieß es dort am Samstag in Kreidebuchstaben: "Du hast mich betrogen. Ich werde immer vor Dir weglaufen. Und dich als meine Heimat mit gesenktem Kopf erwähnen. Ich wünschte, du hättest für mich geblüht. In allen Farben und Facetten - im Sommer, im Winter. Aber du hast dich entschieden, braun zu sein und angeekelt streife ich deinen hassenden Atem von mir ab. C.B."

12.55 Uhr: Brandenburgs AfD-Landeschef Andreas Kalbitz gibt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Schuld an dem Toten von Chemnitz. Der mutmaßlich von einem Iraker und einem Syrer getötete 35-Jährige sei Merkels Toter, sagte Kalbitz am Samstag in Neuenhagen bei Berlin bei einer Diskussionsveranstaltung der AfD vor rund 150 Anhängern.

12.44 Uhr: "Chemnitz ist weder grau noch braun" - mit dieser Botschaft setzen Chemnitzer Bürger, Unternehmer und Wissenschaftler seit heute unter anderem am "Nischel", dem Marx-Monument, ein Zeichen gegen das Image von Chemnitz als Hotspot von Rechtsradikalen. Auf der Internetseite der Initiative #wirsindmehr heißt es: "Womit wir nicht leben können, sind Hass, Gewalt, Intoleranz und vor allem Wegschauen." Das sei der Nährboden, auf dem Demokratiefeindlichkeit wachse. "Das macht Angst. Aber aus der entsteht der Mut, den es jetzt von uns Bürgern braucht."

12.30 Uhr: Stefan Buscher gehört zu den vielen Passanten, die am Samstag auch an den Tatort kommen, um seine Anteilnahme zu bekunden. Er wolle sich gegen die Vereinnahmung der Gewalttat durch Rechtsextreme engagieren, sagt er, habe aber noch keine richtige Form gefunden. Dass der Haftbefehl gegen einen der Tatverdächtigen öffentlich gemacht wurde, ist in Ruschers Augen ein Unding und ein Versagen der Behörden.

12 Uhr: Unterdessen steigt die Zahl der erwarteten Besucher beim Konzert #wirsindmehr unaufhörlich an. Mehr als 24.000 Menschen haben bereits auf Facebook ihr Kommen angekündigt. Bands wie Kraftklub, die Toten Hosen, K.I.Z. sowie Künstler wie Marteria und Casper wollen am Montag ab 17 Uhr ein Zeichen dafür setzen, Rassismus nicht unwidersprochen die Straße zu überlassen. Der Slogan #wirsindmehr war am Freitag selbst beim U2-Europatour-Auftakt in Berlin auf dem Bühnenbildschirm aufgetaucht. Sänger Bono kritisierte die Ausschreitungen in Chemnitz. "Solche Leute gehören nicht zu Europa und diesem Land", rief der 58 Jahre alte Sänger beim Konzert in der Mercedes Benz Arena. 

11.37 Uhr: Rund zwei Dutzend Menschen haben am Vormittag am Roten Turm in Chemnitz für Vielfalt und friedliches Miteinander demonstriert. Unter dem Motto "Chemnitz bunt statt braun" sprachen und diskutierten Vertreter verschiedener Friedensgruppen mit Passanten. Die Polizei war zurückhaltend im Stadtgebiet auf Streife, sie bezeichnete die Lage am Vormittag als weiterhin ruhig. Der Sockel des "Nischels" war über Nacht mit bunten Papierherzen beklebt worden. Dort wollen die rechtspopulistische Bürgerbewegung Pro Chemnitz, die Alternative für Deutschland (AfD) und das ausländerfeindliche Bündnis Pegida am Nachmittag eine Kundgebung abhalten, zu der auch Thüringens AfD-Chef Björn Höcke erwartet wird.

11.30 Uhr: Die frühere AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry hat die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz relativiert. "Keiner kann gutheißen, wenn Menschen, Ausländer oder nicht, verfolgt oder angegriffen werden", sagte Petry der "Thüringer Allgemeinen". "Aber es gibt auch das legitime Bedürfnis, eine so brutale Tat in einer Versammlung zu thematisieren."

11.25 Uhr: Sachsens Ministerpräsident erlebt die Stimmung in der Stadt als gedrückt, gespalten, verunsichert, wie er der "Freien Presse" sagte. "Die nächsten Tage werden sehr entscheidend sein. Es muss uns gelingen, die Emotionen so abzurüsten, dass man wieder miteinander reden und die eigentlichen Themen auch noch sehen kann.

11.15 Uhr: Tausende Menschen werden in Chemnitz erwartet. Ein Bündnis aus rund 70 Vereinen, Organisationen und Parteien hat bereits ab dem Vormittag zu Demonstrationen unter dem Motto "Herz statt Hetze" aufgerufen. Am Nachmittag sind Kundgebungen der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz sowie der AfD und des fremden- und islamfeindlichen Bündnisses Pegida geplant. Die vergangene NAcht verlief nach Einschätzung der Polizei ruhig.

Bewertung des Artikels: Ø 3.2 Sterne bei 10 Bewertungen
7Kommentare
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  • 2
    1
    Letsop
    02.09.2018

    Man sollte sich auch die im Zusammenhang mit Chemnitz im Netz kursierenden Kommentare mal anschauen. Es ist schlimm, wie tief gespalten und von tiefem Hass gezeichnet inzwischen unsere Gesellschaft geworden ist. Am schlimmsten ist es dabei in Ostdeutschland.

  • 11
    3
    UK13
    02.09.2018

    Danke,Freie Presse.Sehr gute Arbeit zu den Geschehnissen am heutigen Tag.Ich war dabei und kann ihre Berichterstattung bestätigen .Sehr sachlich und gut gemacht.Weiter so,lassen Sie nicht zu das Boulevardjournalismus unsere Stadt diskreditiert.

  • 9
    1
    BlackSheep
    01.09.2018

    @hades, jeder macht halt unterschiedliche Erfahrungen. Ich habe einen links angehauchten Bekannten, wenn man da nicht "Deutschland verrecke" schreit ist man schon ein ganz schlimmer Nazi, leider nicht übertrieben. Vor dem Hintergrund, man sollte wirklich mehr von den Problemen reden und sich nicht über Ansichten äußern.

  • 8
    3
    Hades
    01.09.2018

    Wisst ihr, wie schwer es ist, einen rechts angehauchten Kumpel mal von dem Gegenteil zu überzeugen? Es erfordert Aufwand und Mühe. Und man macht sich unbeliebt. Sie teilen Bildchen von rechten Heinies, und davon ist alles gelogen. Sagen sie dem mal, du spinnst. Es zerreißt ja schon das etwas, was wir mal hatten. Ich sehe bei den Journalisten durchaus die Bestrebung, mehr zu berichten, was auch früher undenkbar war. Ich denke, das Problem ist nicht, verstehen die Politiker uns, sondern handeln sie entsprechend auch.

  • 16
    1
    Hades
    01.09.2018

    Nachtrag: Ich empfehle zum aktuellen Medien-Type auf die Zustände in Chemnitz gern Jan Fleischhauers Kolumne: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pressefreiheit-die-empoerung-der-presse-ist-uebertrieben-kolumne-fleischhauer-a-1225695.html

    Die "FP" hat eigentlich mit hohem personellen Einsatz sehr sachlich berichtet. Andere weniger.

  • 19
    4
    Hades
    01.09.2018

    Hm, ich finde an der Aussage Petry´s weder was bemerkens- noch berichtenswert. Da wurde nichts relativiert, das ist doch Quatsch. Hätte sie gesagt, sie könne die aufgebrachten "Bürger" und die Ausraster der Gewaltbereiten verstehen, wäre das relativierend. Aber die Tat auf einer Versammlung zu thematisieren und rechte Gewalt sind völlig verschiedene paar Schuhe und das eine relativiert nicht das andere.
    Im übrigen quasseln Bundespolitiker wie Trittin oder Göhring Eckhard von den Grünen auch immer noch von 6000 Neonazis am Montag in Chemnitz. Diesen Stuss mal zu entlarven, wäre mir eher ne Meldung wert, als das harmlose Geblubber einer fraktionslosen Abgeordneten im Bundestag.

  • 27
    6
    HHCL
    01.09.2018

    "Keiner kann gutheißen, wenn Menschen, Ausländer oder nicht, verfolgt oder angegriffen werden", sagte Petry der "Thüringer Allgemeinen". "Aber es gibt auch das legitime Bedürfnis, eine so brutale Tat in einer Versammlung zu thematisieren."

    Inwiefern wird da irgend etwas relativiert? Es ist also eine Relativierung, wenn jemand erklärt, dass man über einen Mord in einer Versammlung reden können muss? War das Gespräch von Hr. Kretschmer mit den Bürgern - unter anderem über diesen Mord - auch eine Relativierung?

    Es ist erschreckend, wie schnell Journalisten irgendwelche völlig unpassenden Kampfbegriffe aus der Feder fließen, weil eine gewisse Person irgend etwas gesagt hat. Der Inhalt scheint egal; wenn xy sich äußert wird das grundsätzlich mit gewissen Zuschreibungen versehen (relativiert, provoziert, leugnet, verwendet für ihre Zwecke, instrumentalisiert, ...).



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