Nach Trauerfeier für Neonazi: CFC trennt sich von weiteren Mitarbeitern

Die neugegründete Chemnitzer FC Fußball GmbH hat sich wegen der Ereignisse vom Samstag von der Fanbeauftragten und vom Stadionsprecher getrennt. Weitere Sponsoren ziehen sich aus dem Verein zurück.

Chemnitz.

Nach den Vorkommnissen vom Wochenende hat der CFC weitere personelle Konsequenzen gezogen. Wie der Verein am Montagvormittag schriftlich mitteilte, wird die Fanbeauftragte Peggy Schellenberger ab sofort von ihren Aufgaben bei den Himmelblauen entbunden. Darüber hinaus werde Maximilian Glös, bisher Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung, freigestellt. Zudem werde Olaf Kadner fortan vom CFC nicht mehr als Stadionsprecher eingesetzt, heißt es. Auch Basketball-Zweitligist Niners Chemnitz trennte sich am Montag von Hallensprecher Olaf Kadner. Das teilte Geschäftsführer Steffen Herhold am Montagabend auf "Freie Presse"-Anfrage mit.

Nachdem am Wochenende bereits die Chemnitzer Sparkasse als Sponsor beim CFC ausgestiegen ist, distanziert sich nun auch das Unternehmen Chemnitzer Chemieanlagenbau (CAC) von dem Fußballklub. In einer Pressemitteilung heißt es: Der Sponsoringvertrag mit dem CFC, der zum Saisonende im Juni 2019 ausläuft, sei bereits Ende 2018 gekündigt worden. "Wir prüfen aber aktuell juristisch, unsere Leistungen mit sofortiger Wirkung einzustellen", so Jörg Engelmann, Geschäftsführer und Sprecher CAC. Die Ereignisse dieses Wochenendes bestärken die Entscheidung.

Der Deutsche Fußball-Bund hat sich in "in aller Deutlichkeit von den Vorkommnissen im Chemnitzer Stadion" distanziert. Das sagte Vizepräsident Rainer Koch am Montag. Der DFB vertraue gleichzeitig darauf, "dass unsere für die Regionalliga zuständigen Kollegen im Nordostdeutschen Fußballverband die richtigen Maßnahmen einleiten und konsequent umsetzen", sagte Koch. Der NOFV leitete nach eigenen Angaben bereits Maßnahmen ein. Der Verband trete für einen sauberen, fairen und frei von jeglichen Meinungsäußerungen stattfindenden Spielbetrieb ein, betonte Geschäftsführer Holger Fuchs.

Die neugegründete Chemnitzer FC Fußball GmbH hat wegen der Ereignisse vom Samstag außerdem Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Wie der Verein in einer Pressemitteilung am Montag mitteilt, soll "wegen aller in Betracht kommenden Delikte" ermittelt werden. Der CFC habe den Ermittlungsbehörden "seine vollständige Unterstützung" zugesagt, hieß es weiter.

Insolvenzverwalter Klaus Siemon wird mit den Worten zitiert: "Der Ablauf zum Heimspiel gegen VSG Altglienicke weicht soweit von unserem Sicherheitskonzept und den Vorfestlegungen und Absprachen zur Durchführung eines Spiels in der Regionalliga ab, dass es zu klären gilt, wie dies geschehen konnte." Und weiter: "Nach Aussagen der zuständigen Mitarbeiter ,drohten massive Ausschreitungen‘. Dieser Umstand begründet zumindest den Anfangsverdacht für eine schwerwiegende Nötigung, der von den zuständigen Ermittlungsbehörden aufzuklären ist. In der Sache ist damit ein schwerer Landfriedensbruch gemäß Paragraph 125 StGB angedroht worden, was für die Verantwortlichen des CFC nicht hinnehmbar ist."

Bei den Ermittlungen soll laut Vereinsmitteilung geklärt werden, wie es geschehen konnte, dass auf der Südtribüne die Verwendung der sonst üblichen Fahnen von bis zu 99 Fanclubs unterbunden wurde, diese Fahnen zum Teil offenbar abgehängt wurden und eine sonst nicht übliche Choreografie durchgeführt wurde, an der sich eine große Anzahl von Personen beteiligt hat. Inzwischen liegen laut CFC Erkenntnisse darüber vor, dass einschlägig bekannte Personen aus der rechtsextremen Szene für diesen Tag aus anderen Städten nach Chemnitz und Sachsen gereist sind.

Am Samstag hatte es vor der der Partie gegen die VSG Altglienicke (4:4) eine Trauerbekundung für den gestorbenen Thomas H. gegeben. Dabei wurde auf Video-Leinwand dessen Porträt eingeblendet, zudem wurde eine Art Schweigeminute abgehalten, ein schwarzes Kreuz und ein Transparent waren ausgerollt worden, wie TV-Bilder zeigen. Zudem hatten schwarz gekleideten Fans in der Südkurve eine Pyro-Show in Rot und Weiß gezündet.

Derweil ist bekannt geworden, dass es auch beim Fußball-Drittligisten FC Energie Cottbus während des Drittliga-Spiels am Samstag gegen Preußen Münster Beileidsbekundungen für Thomas H. gegeben hat. Im Innenraum hing ein Banner mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden Tommy". Nach Aussage von Energie-Pressesprecher Stefan Scharfenberg-Hecht sei das Banner in Cottbus kurzfristig vor dem Spiel angemeldet und zugelassen worden. "Den Verantwortlichen war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, um welche Person es sich hierbei handelte", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Mit den dann bekannt gewordenen Informationen hätten die Verantwortlichen der Präsentation des Banners keinesfalls zugestimmt, erklärte der Sprecher. "Wir werden gemeinsam mit unseren Netzwerkpartnern den Vorgang auswerten und daraus Lehren ziehen." (su/dpa)

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Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 10 Bewertungen
21Kommentare
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  • 0
    1
    BlackSheep
    13.03.2019

    @HHCL, "Trauer ist keine Meinung", da haben Sie Recht, habe ich schlecht formuliert.

  • 6
    5
    HHCL
    12.03.2019

    @Blacksheep: Welche Meinung wurde denn dort geäußert? Trauer ist keine Meinung.

    Aus meiner Sicht war es eine bewusste Inszenierung um zu zeigen, wer Herr im steuerfinanzierten CFC-Hause ist. Das käme dann tatsächlich einer Meinungsbekundung gleich, hätte aber mit Kondolenz wiederum nichts zu tun.

  • 12
    17
    BlackSheep
    11.03.2019

    @Distelblüte, also darf man für einen REchten nicht trauern? Das entscheidende ob eine Demokratie funktioniert ist ob man Menschen mit anderen Meinungen verurteilt oder ihnen das Recht gibt ihre Meinung zu äußern. Vor dem Hintergrund sind Sie viel näher an der Diktatur wie ich.

  • 19
    4
    Klemmi
    11.03.2019

    @BlackSheep: Ich teile mit Ihnen die Meinung, dass bei der Berichterstattung gern mit zweierlei Maß gerechnet wird und Chemnitz in den letzten Wochen immer herhalten musste, wenn es um diese Thematik ging. Aber Pyrotechnik, SchwarzWeiß-Rot, eindeutige Frakturschrift- bei allem Verständnis, unter Kondolenz verstehe ich was anderes. Und wenn immer die anderen (i.d.F. Medien) schuld am schlechten Image der Stadt/des Fußballklubs sind, dann haben diese Fans wieder genügend Material prompt in die Hände der Berichterstatter gespielt.

  • 18
    7
    Distelblüte
    11.03.2019

    @Blacksheep: Sie schrecken echt vor nichts zurück. Sie reden den Rechten das Wort und weigern sich zu denken, dass Sie selbst dazugehören. Auch in Chemnitz werden die Menschen nicht ewig das rechte Geplärre dulden. Der Rückhalt für rechts ist kleiner als Sie und die Nummern hier sich das vorstellen. Sie sind nicht die Mitte der Gesellschaft, sondern die äußerste Kante.

  • 9
    23
    BlackSheep
    11.03.2019

    @Klemmi, nicht die Stadt sorgt für die Negativschlagzeilen. Das erledigen die Medien und viele Menschen hier die in vorauseilendem Gehorsam jeden Mist nachplappern. Man sieht das doch an diesem Fall. Ein Mensch stirbt an Krebs und die Trauer um diesen Menschen wird politisch instrumentalisiert um Sachsen und Chemnitz als braunen Hort zu difamieren. In Kandel wurde um Rücksicht für die Tote gebeten, aber in Chemnitz geht das offensichtlich nicht.

  • 17
    10
    acals
    11.03.2019

    Es gibt weitere Persönlichkeiten, von denen sich der CFC zu befreien hat.

    Sorry für die Fremdwerbung, FP, aber bewegte Bilder sprechen eine ganz klare Sprache (und ich bin geschockt):

    https://www.bild.de/regional/chemnitz/chemnitz-news/nach-neonazi-skandal-in-4-liga-cfc-trennt-sich-von-fanbeauftragter-60600976.bild.html

    Schon oft geschehen, schon oft gesehen: Ein Torschütze jubelt nicht mit seinen Mitspielern . sondern steuert zielgerichtet Richtung Trainerbank. Mag sein dort steht der Trainer, der Vertrauen geschenkt hatte. Mag sein, dort steht ein Mitspieler, der motiviert hatte. Mag sein ein Mediziner, der fit gemacht hatte.

    Im vorliegenden Fall steht da aber eine Person, die dem CFC Spieler dieses schwarzes Trikot gibt - wobei dieser CFC Spieler nach seinem Tor ohne Rechts und Links zu schauen genau dorthin gerannt ist.

    Eine abgesprochene Szene.

    Dieser Spieler ist zu suspendieren, zumal ihm im Vorgang klar war welches Trikot er hochheben wird. Zu hinterfragen ist die Trainerbank, die diesen Spieler nicht postwendend vom Platz genommen hat. Zu hinterfragen ist auch der DFB - denn einem solchen Kollegen ist die Lizenz zu entziehen.

    Das Mindestens an Auflage wäre aber, diesen Spieler zu verpflichten seine ausländischen Mitspieler (u evtl. die deutlich höherklassig spielenden Ausländer bei den Niners) zu einem Ausflug nach Buchenwald einzuladen. Um dann zu sagen: Diese Spezies (also (Neo)Nazis) habe ich unterstützt, ich bitte um Vergebung. Ich stifte einen Monatslohn für ein Projekt gegen Rechts.

  • 14
    10
    Distelblüte
    11.03.2019

    @Blacksheep: nichts kapiert, wie so einige andere.

  • 24
    6
    Stef55
    11.03.2019

    Ich schäme mich für diese unsägliche Verhalten. Wo waren hier die Verantwortlichen? Da versucht der Insolvenzverwalter das Stadion im Poker um Geld mit der Stadt zur Bastion gegen den Rechts hochzustilisieren, entscheidet nahezu über alles und diese Ungeheuerlichkeit ist an ihm vorbeigelaufen?
    Gerade jetzt, wo der Club sportlich auf einem guten Weg ist, und meine Heimatstadt gegen das braune Image ankämpft, ist Chemnitz wieder in den - negativen- Schlagzeilen....bundesweit!!

  • 20
    5
    Klemmi
    11.03.2019

    Traurig genug, dass neben den großen Kapitalinteressen nun auch die politische Meinungsbildung sich im Stadion in den Vordergrund stellt. Das Frau Schellenberger für ihr gewagtes, durchaus privat verfasstes Statement, zum Bauernopfer wurde ist keine Frage, da hätte schon andere Köpfe runtergehört. Dennoch wundere ich mich über einige Kommentare á la 881924 und frage mich, ob das Chemnitzer sind? Zumal wieder im Raum steht, dass Neonazis aus anderen Städten angereist sind. Ist Chemnitz die neue Bühne für ungenierte, hemmungslose Propaganda? Die gezeigten Szenen gehen weit über Trauer und Meinungsäußerung hinaus. Für alle CFC-Fans und Bürger, denen das Image dieser Stadt nicht am Hintern vorbeigeht, dürfen sich nicht gefallen lassen, dass weiterhin „Chemnitz“ für politischen Fundamentalismus missbraucht wird. Für alle Kommetatoren die meinen, es ginge um nichts. Wenn Sie aus dieser Stadt sind, in welcher Stadt möchten Sie leben ? In einer die ständig nur für Negativschlagzeilen sorgt und mit einem miesen Image hadert und somit Nachteile kassiert...soweit denken geht hoffentlich noch.

  • 9
    27
    BlackSheep
    11.03.2019

    Ich glaube einige hören sich hier nicht zu was Sie so von sich geben, Leserteam und die sauberen Fans, muss man jetzt die richtige Meinung haben um ins Stadion zu gehen?
    Ein rechtsradikaler Fan stirb an Krebs, sein Verein macht eine Schweigeminute für ihn und davon geht die Welt unter? 88... hat Recht, hier wird aus nichts wieder ein rechtsradikaler Vorfall gemacht und damit Sachsen und Chemnitz wiedermal verleumdet und die Medien und viele die hier leben beteiligen sich auch noch daran.

  • 29
    6
    HHCL
    11.03.2019

    "Den Verantwortlichen war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, um welche Person es sich hierbei handelte"

    Warum prüft man das nicht? Es gibt Smartphones und Internet. Die Recherche hätte wenige Minuten gedauert. Im Fußball wird doch sonst jeder Unsinn geregelt und geprüft.

  • 7
    29
    Lesemuffel
    11.03.2019

    Als ob manche darauf gewartet hätten. Es wird so richtig losgelegt. Das Gedenken am Samstag hatte u. a. diverse Echos: "Unsägliches Ereignis", "Sachsen braucht endlich ein Gesamtkonzept gegen Rechts", "Grüner kritisiert Umgang mit Rechtsextremen im Fußball", "CFC hat Problem mit Machtmonopol extrem Rechter Hooligans" um mal einige Schlagzeilen der FP-Onlineseite zu zitieren.
    Ist Sachsen, Chemnitz aus den Fugen geraten?

  • 11
    11
    pillorello
    11.03.2019

    Mal sehen, wie lange auf den Trikots noch "Sparkasse" steht....

  • 26
    10
    Leserteam
    11.03.2019

    Die Verantwortlichen sollen durchgreifen. Austausch der Ordner, da vllt. mal Zeugnisse zeigen lassen. Der Spieler Frahn sollte 3 Spiele Sperre bekommen. Da hat er Zeit nachzudenken, ob ein Shirt mit Frakturschrift zeitgemäß ist.
    Des weiteren ist hier das Wort aller sauberen Fans gefragt, sich von solchen Id.. zu distanzieren.
    Selbst ein Punkteabzug wäre hier unnütz, weil ja die sportliche Leistung stimmt.

  • 18
    63
    881924
    11.03.2019

    Ganz schwache Aktion jetzt ein paar Mitarbeiter und Peggy zu opfern. Wo bleibt die freie Meinungsäußerung? Und alle Medien bauen immer mehr Druck auf und machen aus nichts ziemlich viel.

  • 57
    1
    acals
    11.03.2019

    Das ist das Traurige, dass eben die echten CFC Fans mit ordentlich Portion Lokalpatriotismus fuer anderes herhalten muessen. Deren Stimme ist aber zu leider zu leise - die spannende Frage waere auch, wer diese echten Fans ueberhaupt noch vertritt.

  • 62
    7
    SimpleMan
    11.03.2019

    @Blackadder Das ganze ist eher sehr bedrohlich als bizarr. Ich gehe regelmäßig zum CFC. Die große Mehrheit sind ganz normale Fussballfans. Die Aktion von Sonnabend hat zumindestens, bei den Leuten, die ich gesprochen habe, großes Kopfschütteln verursacht. Ich habe aber auch das "Gerücht" gehört, dass mit massiven Ausschreitungen und Gewalt gegen einzelne Personen gedroht wurde, falls diese abartige Inszenierung verhindert wird. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen des CFC den Mut und den Willen haben, diesen Dingen schonungslos nachzugehen. Bis das nicht geklärt ist, wird man mich nicht wieder im Stadion sehen.

  • 31
    20
    Blackadder
    11.03.2019

    Verstehe ich das richtig: der CFC behauptet nun, man sei zu den Trauerbekundungen durch "Unbekannt" genötigt worden? Schon sehr bizarr das Ganze. Ich hole Popcorn.

  • 26
    6
    acals
    11.03.2019

    Ja, @Distelblüte.

    Wir hatten diese Diskussion aber schon durch - Polizeipräsenz ist bis zum Stadion zulässig, danach übernimmt der Fussballverein und seine Ordner.

    Insofern schlägt der Insolvenzverwalter vor das in dem ... eh, ... Verein, dem er aktuell vorsteht, eine Innenrevision durchgeführt wird. Man würde ja meinen er wäre Herr der Geschehens, ist er aber nach eigenen Bekunden nicht. Wie er dann aber den CFC für die 3. Liga aufstellen will, das bleibt sein Geheimnis.

  • 21
    8
    Distelblüte
    11.03.2019

    Das wird ja immer besser.



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