So laufen die Arbeiten am Chemnitzer Bahnbogen

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Mitten durch die Stadt führt das aktuell größte Infrastrukturprojekt in Chemnitz. Schon seit Jahren dauern die Arbeiten an. Ein Überblick über den Bau des Chemnitzer Bahnbogens.

Die Deutsche Bahn modernisiert ihre 160 Kilometer lange Strecke, die zwischen Hof, Plauen, Werdau und Dresden verläuft und auch durch Chemnitz führt. Seit November 2019 wird der erste Abschnitt gebaut, laut DB soll er im April 2022 abgeschlossen sein. Etwa zur selben Zeit beginnen die Arbeiten am Chemnitzer Viadukt - und sollen bis 2025 dauern.


Überführung Augustusburger Straße

Aktueller Status: Alle Ingenieurbauarbeiten sind für die Breite von einem der beiden Gleise abgeschlossen: Abriss der alten Brückenteile, inklusive Mittelpfeiler und Aufbau der neuen Brücke. Mit der Fertigstellung der Rohbauten auf einer Seite, hat die DB begonnen, den Schotter aufzutragen und das erste der beiden Gleise zu verlegen. Daran arbeitet die Bahn nun in den kommenden Monaten.

Ursprüngliche Konstruktion: Zwei verbundene Stahlfachwerkbrücken mit je einer Mittelstütze aus Stahl, je Fachwerkbrücke sechs Balkensegmente. Eröffnet im Jahr 1909.


Straßenbrücke Zschopauer Straße

Aktueller Status: Für diese Arbeiten ist die Stadt Chemnitz zuständig, die Kosten belaufen sich auf zwölf Millionen Euro. Anfang Januar wurden am Neubau neue Brückenträger der stadtwärtigen Fahrbahn montiert. Die Arbeiten an der Überführung sind abgeschlossen, nun erfolgt der Straßenbau zwischen Clara-Zetkin-Straße und Lutherstraße. Er soll bis Herbst 2021 abgeschlossen sein.

Konstruktion: Neugebauter Einfeldrahmen, aufgeteilt in zwei separate Teilbauwerke. Ursprünglich stammt die Überführung aus dem Jahr 1910.


Überführung Bernsdorfer Straße

Aktueller Status: Die Konstruktion wurde als neugebaute Stahlbetonbrücke geplant. Der Rohbau ist halbseitig fertig, auf einer Gleisseite wird aktuell Schotter verteilt, anschließend werden Gleise verlegt.

Ursprüngliche Konstruktion: Zwei nebeneinander liegende und getrennte Überbauten aus Stahlbetonplatten, Widerlager aus Natursteinmauerwerk, jeweils zwei Stützen pro Überbau sind als Stahlbetonscheiben ausgebildet. Ursprünglich gebaut: 1968.


Bahnhof Chemnitz-Süd

Aktueller Status: Einer von zwei Bahnsteigen ist fast vollständig erneuert, die Schächte für den Aufzug stehen im Rohbau. Bis zum sogenannten Umschwenken des Gleises, also Verlegung des Verkehrs auf das neue Gleis, wird der neue Bahnsteig mit moderner Fahrgastinformation - Beschallung und Anzeigen -, Blindenleitsystem und Wetter-Schutzhaus ausgestattet. Danach wird der andere Bahnsteig gebaut.

Ursprüngliche Konstruktion: Sandstein- und Porphyrbauwerk als Quader, seitliche Mauerung als Zyklopenmauerwerk Stabstahlgeländer mit Nieten.

Historie: Eröffnung als Bahnhof Altchemnitz im Jahr 1875. 1945 Zerstörung durch Luftangriffe. 1965: Eröffnung elektrifizierter Strecke zwischen Karl-Marx-Stadt-Hilbersdorf und Zwickau. Das Empfangsgebäude gehört nicht mehr der Bahn und wird für den Bahnbetrieb nicht mehr genutzt. Daher ist es nicht Teil der Modernisierung.


Überführung Reichenhainer Straße

Aktueller Status: Als neugebaute Stahlbetonbrücke geplant. Rohbau halbseitig fertig, auf einer Gleisseite wird aktuell der Schotter verlegt, anschließend kommen die Gleise an die Reihe.

Ursprüngliche Konstruktion: Stahlbrücke mit Einfeldträgern, Schwergewichtswiderlager, Natursteinmauerwerk. Eröffnung war im Jahr 1908.


Chemnitzer Viadukt

Aktueller Status: Bis 1945 waren vier Gleise auf der Brücke verlegt, seitdem waren es nur zwei - und auch zukünftig sollen es zwei sein. Die Baugenehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes liegt nun vor. Derzeit arbeitet die Bahn an der Ausführungsplanung, es werden Details zu den Bauverfahren geklärt, ein detaillierter Bauablauf erstellt und die Bauleistungen ausgeschrieben. Im April will der Konzern bei einem Bürgerdialog zu den Arbeiten informieren.

Noch in diesem Jahr beginnen die Bauvorbereitungen, zum Beispiel die Montage eines Gerüstes. Folgende Arbeiten sind anschließend notwendig, um das Viadukt zu ertüchtigen sowie den Charakter der 120 Jahre alten und 275 Meter langen Brücke weitestgehend zu erhalten: Einbau einer Stahlbetonplatte zum Lärmschutz auf den beiden innen liegenden Gleisen sowie die Erneuerung der Stahlträger. Zunächst aber wird im Herbst 2021 eine Behelfskonstruktion neben dem Viadukt errichtet. Beginn der eigentlichen Arbeiten: Frühjahr 2022.

Ursprüngliche Konstruktion: Zwei nebeneinander liegende und getrennte Überbauten aus Stahlbetonplatten, Widerlager aus Natursteinmauerwerk, jeweils zwei Stützen pro Überbau sind als Stahlbetonscheiben ausgebildet. Eröffnet im Jahr 1909.


Überführung Stollberger Straße

Aktueller Status: Als neugebaute Stahlbetonbrücke geplant. Der Rohbau ist halbseitig fertig, auf einer Gleisseite wird aktuell Schotter eingebracht, anschließend werden Gleise verlegt.

Ursprüngliche Konstruktion: Ein-Feld-Bauwerk aus zwei zweigleisigen genieteten Blechträgerüberbauten. Stahltrogbrücke aus zwei Teilen, genietet, Stabstahlgeländer mit angeschlitzten Rosetten. Eröffnung war im Jahr 1909.


Überführung Reichsstraße

Aktueller Status: Die Eisenbahnüberführung überspannte bisher lediglich die Zufahrt zu einem Parkplatz, der eine neue Anbindung erhält. Die Brücke gibt es nach den Arbeiten nicht mehr.

Ursprüngliche Konstruktion: Drei Stahltrogbrücken, für ehemals vier Gleise Sandstein- und Porphyrmauerwerk, Quader und Stabstahlgeländer mit Nieten. Eröffnung der Brücke war 1909.


Haltestelle Chemnitz-Mitte

Aktueller Status: Der heute bestehende Haltepunkt Chemnitz Mitte wird zurückgebaut und an der Stollberger Straße neu mit Aufzug errichtet. Durch den neuen Standort soll die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr erheblich verbessert werden. Die Fundamente für den Haltepunkt sind bereits fertig. Auch der Schacht für den Aufzug steht bereits im Rohbau. Es folgen die technische Ausstattung mit Fahrgastinformation, Licht, das Installieren des Aufzuges sowie der Bahnsteigbelag.

Ursprüngliche Konstruktion: Betongewölbe mit Bossenverkleidung aus Naturstein.

Historie: Eröffnung als Nikolaibahnhof im Jahr 1860. Das Empfangsgebäude gehört nicht mehr der DB. Es wird für den Bahnbetrieb nicht mehr genutzt.


Bauabschnitte, Termine & Arbeiten

Chemnitz‘ größte Baustelle: Die Erneuerung des Chemnitzer Bahnbogens erfolgt bei laufendem Betrieb. Bis auf einige Sperrungen wird der Bahnbetrieb auf einem Gleis aufrecht erhalten.

Beginn des ersten Bauabschnitts: Der Start erfolgte im November 2019. Modernisierungsarbeiten, etwa am Gleis, an den Oberleitungen, am Schallschutz und der Leitungstechnik, laufen zunächst auf dem bahnlinken Gleis, also dem linken Gleis von der Augustusburger Straße in Richtung Chemnitz-Mitte gesehen. Züge fahren somit nur auf dem anderen der beiden Gleise. Kommenden Monat wird der Zugverkehr vom 17. bis 22. März ausgesetzt und der Fahrbetrieb "umgeschwenkt". Das bedeutet, das jetzt im Bau befindliche Gleis wird zum Betriebsgleis und die Arbeiten werden auf der anderen Seite fortgeführt. Die Arbeiten sollen im April 2022 abgeschlossen sein. Schallschutzwände entstehen entlang der Trasse auf 1,9 Kilometern Länge. Neben solchen aktiven Lärmschutzmaßnahmen haben etwa 550 Betroffene Anspruch auf passive Schallschutzmaßnahmen, etwa in Form des Einbaus von Schallschutzfenstern und schalldämmenden Lüftern. Die Kosten der Maßnahme belaufen sich auf über 100 Millionen Euro.

Der zweite Bauabschnitt: Dieser widmet sich voll und ganz dem Chemnitzer Viadukt. Die Arbeiten daran beginnen noch in diesem Jahr. Die Hauptbauarbeiten sollen 2025 beendet sein.

Sperrungen finden wegen der Bauarbeiten seit 6. Februar statt. Eine Übersicht finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Bahn.


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