Abo
Sie haben kein
gültiges Abo.
Schließen

TU Chemnitz als fairer Partner für Top-Wissenschaftler anerkannt

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

17 Universitäten führen das Gütesiegel des Deutschen Hochschulverbands für faire und transparente Berufungsverhandlungen. Die TU Chemnitz ist die erste in Sachsen und befindet sich bundesweit in illustrer Gesellschaft.

Chemnitz.

166 Professoren forschen und lehren an der Technischen Universität Chemnitz, im Schnitt etwa zwanzig Professuren werden im Jahr neu besetzt. Dass es dabei fair, transparent und wertschätzend zugeht, ist keine Selbstverständlichkeit in der bundesdeutschen Hochschullandschaft. Die TUC hat für ihre diesbezügliche Praxis am Montag ein Gütesiegel des Deutschen Hochschulverbands (DHV) erhalten, der Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Es ist die erste sächsische Universität, die die Kriterien des Gütesiegels erfüllt.

Im Wettlauf der Universiäten um die exzellenten Köpfe hatte sich seit 2004 ein von hohem Konkurrenzdruck geprägter Markt entwickelt - DHV-Präsident Bernhard Kempen sprach am Montag von "Wildwest". Damals war die leistungsbezogene Besoldung von Professoren eingeführt worden, die erstmals auch zu substanziellen Berufungsverhandlungen führte. Um Fehlentwicklungen zu begegnen und das Verfahren "vom Kopf auf die Füße" zu stellen, wie Bernhard Kempen sagt, entwickelte der DHV ein Gütesiegel, das als Anerkennung und Selbstverpflichtung wirken soll. 2013 wurde die RWTH Aachen als erste deutsche Hochschule zertifiziert. Inzwischen sind es 17, einige bereits zum wiederholten Mal. Zu dem Kreis gehören die Universität zu Köln, die Universität der Bundeswehr und die TU in München, die Unis in Bayreuth, Bremen und Hannover und die Fern-Uni Hagen. Und jetzt auch Chemnitz.

TUC-Rektor Gerd Strohmeier - er ist am Ende der finale Gesprächspartner neu zu berufender Professoren - sieht die Uni damit auf einem richtigen Weg. Mit dem Gütesiegel stellt die TU unter anderem klar, dass es keine Vorabsprachen gibt, die sogenannten "grauen Berufungen". Die bringen mögliche Bewerberinnen und Bewerber in eine unkomfortable Situation, erläutert DHV-Präsident Kempen: "Bewerbern fällt es in solchen Gesprächen schwer, eigene Interessen zu formulieren. Das fällt umso mehr ins Gewicht, als mitunter eine lebenslange Arbeitsbeziehung daraus entsteht." Zwei Drittel aller angehenden Professoren, sagt Kempen, lassen sich vom DHV beraten. Von fairen Verhandlungen profitierten beide Seiten. Es gebe auch Hochschulen, die das Gütesiegel anstrebten, aber bisher nicht erlangten.

Bernhard Kempen geht davon aus, dass die Zertifizierung der TU Chemnitz auch auf den akademischen Mittelbau ausstrahlt. Die teilweise prekären Umstände in befristeten Arbeitsverhältnissen an den Universitäten lösen immer wieder Debatten auch in den sozialen Medien aus, zuletzt im Juni bei Twitter unter dem Hashtag "#ichbinhanna". TUC-Rektor Strohmeier und DHV-Präsident Kempen äußerten die Überzeugung, dass es ohne die Möglichkeit befristeter Arbeitsverhältnisse in Wissenschaft und Forschung nicht geht. Alles sei aber eine Frage der richtigen Balance. Die TUC bereite derzeit ein viertes Entfristungskonzept vor, um die Quote der Entfristungen zu steigern, sagte Gerd Strohmeier. Für Bernhard Kempen sendet das Gütesiegel, das jetzt auch die TUC trägt, ein wichtiges Zeichen an den wissenschaftlichen Nachwuchs: dass am Ende eines steinigen Weges in der Forschung ein faires Berufungsverfahren steht.

Das könnte Sie auch interessieren