Steigende Infektionszahlen im Erzgebirge: Bundeswehr hilft bei Corona-Tests

An den Krankenhäusern sind die ersten Isolierstationen fast vollständig belegt, es werden weiter Kapazitäten aufgebaut. Landrat Frank Vogel appelliert an die Verantwortung eines jeden Einzelnen, um einen zweiten Lockdown zu verhindern.

Annaberg-Buchholz.

Im Erzgebirgskreis befindet sich das Infektionsgeschehen nach wie vor auf einem recht hohen Niveau. So fasste Landrat Frank Vogel am Mittwoch die Situation im Erzgebirge bei einer Pressekonferenz zusammen. Im Bereich der Schulen hat sich die Lage etwas beruhigt, diese Woche sind die Schüler in die zweiwöchigen Herbstferien gestartet. Dafür treten nun verstärkt Fälle in Pflegeeinrichtungen auf. Aktuell sind elf von insgesamt 72 stationären Pflegeeinrichtungen im Landkreis betroffen, zwei davon etwas stärker. Diese Quote sei ähnlich wie im Frühjahr, berichtete Frank Vogel.

Aktuell werden im Landkreis 68 Covid-19-Patienten stationär behandelt, 19 davon sind von schweren Verläufen betroffen, die mit Beatmung einhergehen. In der vergangenen Woche sind pro Tag etwa 70 neue Infektionsfälle bekannt geworden.

Nach wie vor gibt es keinen Hotspot, so der Landrat. Es ließe sich auch kein Ursprung des Infektionsgeschehens ausmachen: Die Ansteckungen treten im "ganz normalen" Alltagsgeschehen auf. Die meisten positiv Getesteten weisen keine Symptome auf. Aktuell hat jeder positiv Getestete bis zu 25 Kontaktpersonen. Vergangene Woche Montag waren noch 15 Kontaktpersonen genannt worden.

Seit dieser Woche gibt es auch in den zehn Kontaktverfolgungs-Teams des Landratsamtes Quarantäne-Fälle. Seit Anfang der Woche unterstützen zwölf Bundeswehrsoldaten sowie zehn Landesbedienstete vom Freistaat die Kontaktermittlungsteams. Außerdem hilft ein Bundeswehrteam bei der angeordneten Testung von Kontaktpersonen ersten Grades. Insgesamt sind 25 Kameraden der Standorte Marienberg und Frankenberg im Landkreis im Einsatz.

Bevor der Kreis über eine weitere Verschärfung von Maßnahmen entscheidet, werden die für Donnerstag angekündigten Anordnungen des Freistaats abgewartet. Gegebenenfalls werde Anfang kommender Woche über eine neue Allgemeinverfügung für den Erzgebirgskreis entschieden, sagte Vogel.

"Jeder sollte sein Freizeitverhalten überprüfen und in der jetzigen Zeit kritischer hinterfragen: Muss ich zum Training gehen, diese Veranstaltung besuchen, im Freundeskreis eine Feier durchzuführen", so Landrat Vogel. "Wenn die Fallzahlen weiter steigen, dann wird der Lockdown im privaten Bereich eintreten. Das wollen wir alle zusammen verhindern. Das kann nicht die Politik. Das kann nur jeder Einzelne selbst, indem er sein Verhalten anpasst", so der Landrat.

Nachdem es zunächst am Erzgebirgsklinikum Annaberg Corona-Fälle gegeben hatte, sind mittlerweile auch die Krankenhäuser in Zschopau und Olbernhau betroffen, berichtet Christiane Porges, Geschäftsführerin des Annaberger Erzgebirgsklinikums zur Situation an den sechs kommunalen Krankenhäusern. Seit Frühjahr wurden Vorbereitungen auf eine zweite Welle getroffen. So wurden Beatmungskapazitäten ausgebaut und Krisenstäbe gebildet. Die ersten Isolierstationen sind fast vollständig belegt, es werden weitere Stationen vorbereitet. Am Annaberger Klinikum arbeiten aktuell 14 Ärzte aus Tschechien. Diese wollen auch weiter am Standort arbeiten. Anfang der Woche hatte das Nachbarland auswärts arbeitende Mediziner gebeten, in ihr Heimatland zurückzukehren. In der Tschechischen Republik spitzt sich die Lage immer weiter zu, sodass ein Lockdown verhängt wird. 

Im Standort des Landratsamtes in Aue werden ab sofort die Dienstgebäude 61 und 64 für den frei zugänglichen Besucherverkehr geschlossen. Anliegen können nur noch über Terminvereinbarungen bzw. elektronisch vorgetragen werden. (sane)

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.