Verändertes Recht hilft Schuldnern

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Wer seine Finanzen nicht mehr in den Griff bekommt, braucht Hilfe. Diese bietet unter anderem die Diakonie.

Erzgebirge.

Wann die Schulden kamen, das weiß Ralf (Name geändert) noch genau: "Als mich meine Freundin mit dem Kind verließ, musste ich plötzlich Unterhalt zahlen." Damals sei er völlig von der Situation überfordert gewesen. Nun, rund 20 Jahre später, sitzt der Erzgebirger bei seiner Schuldenberaterin. Viele Jahre hatte er geglaubt, seine Finanzen selbst in den Griff zu bekommen. Vergeblich. Schließlich hatte er aus einem Schuldenberg ein ganzes Schuldengebirge angehäuft. Höchste Zeit sich an die Schuldnerberatung bei der Diakonie Erzgebirge zu wenden.

"Ich hatte nur ein geringes Einkommen und mich nicht um die Unterhaltsforderungen gekümmert." Zumal diese anfangs gar nicht direkt von seinem Konto abgebucht wurden. "Als ich plötzlich mehrere tausend Euro zahlen sollte, merkte ich, dass ich verschuldet war." Zu gering sei sein Verdienst gewesen. "Weil ich anfangs falsche Angaben gemacht hatte, zahlte ich zu viel Unterhalt", sagt der 39-Jährige heute. Außerdem brauchte der Erzgebirger ein Auto, um beruflich flexibel zu sein. Dazu kamen noch weitere kleinere Kredite.

Um mehr zu verdienen, machte er sich vor zehn Jahren selbstständig. "Ein Fehler", sagt der Erzgebirger heute. Denn es kam zu Unstimmigkeiten mit einem Auftraggeber. "Durch höhere Abrechnungen stiegen angeblich meine Einnahmen und das Arbeitsamt wollte Geld zurück. Tatsächlich hatte ich jedoch so viel Geld gar nicht bekommen." Daraufhin beendete er seine Selbstständigkeit und suchte sich wieder Arbeit. Aufgrund seiner Schulden wurde nun sein Lohn gerichtlich gepfändet. Schließlich entschied er sich, zur Schuldnerberatung der Diakonie zu gehen. Die Summe seiner Schulden: 60.000 Euro. Ein Schock.

Für die Schuldner- und Insolvenzberaterin Sandra Krauß sind solche Summen nicht ungewöhnlich. Seit 18 Jahren berät sie Menschen, die allein mit ihren Schulden nicht mehr fertig werden. "Es waren auch schon sechsstellige Summen darunter." . Bei so großen Summen sei jedoch kein Luxusleben geführt worden, sondern Unternehmer mussten mit ihrem Privatvermögen für ihre Firmen haften. "Schulden sind keine Frage des Alters, aber während man eine Familie aufbaut, ist die Gefahr sich zu verschulden am höchsten."

Nach der Statistik der Wirtschaftsauskunft Creditreform ist jeder Zwölfte im Erzgebirgskreis überschuldet. Rund 1200 Menschen werden derzeit im Erzgebirge von den Beratungsstellen der Awo, Caritas und Diakonie betreut. Doch wie kommt man aus der Schuldenfalle wieder heraus? "Seit 2002 haben auch Privatpersonen die Möglichkeit einer Insolvenz. Eine Bedingung ist, dass danach keine weiteren Forderungen dazu kommen, erläutert Sandra Krauß. Im Fall von Ralf bedeutete dies, dass er seine Unterhaltsverpflichtung neu regeln und an sein Einkommen anpassen lassen musste. "Die finanziellen Forderungen habe ich mit seinen Gläubigern besprochen. Ziel war, dass sie auf einen Teil des Geldes verzichten", sagt Sandra Krauß. Gelingt diese Einigung, kann auf ein Insolvenzverfahren verzichtet werden und die Restschulden werden über eine Ratenzahlung beglichen.

Bei Ralf ist dies nicht gelungen, zu hoch waren die Forderungen. Doch der Erzgebirger konnte jetzt von einer Neuregelung des Insolvenzrechtes profitieren. Er war einer der Ersten, die bereits nach drei und nicht erst nach sechs Jahren ein neues, schuldenfreies Leben beginnen können.

www.lfs-inso.de/beratungsstellen

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