Firma stellt Umzug nach Elterlein infrage

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Weil in Bermsgrün der Platz nicht mehr ausreicht, plant die Firma Wellner und Höfer, im Gewerbegebiet in Elterlein einen neuen zu Standort errichten. Der sollte bis Jahresende fertig sein. Doch der Bau hat noch nicht einmal begonnen.

Elterlein/Bermsgrün.

Kann einer rund 28.000 Euro sparen, sollte er sich doch eigentlich freuen. Thomas Wellner indes ist trotz des gerade vom Elterleiner Stadtrat um diesen Betrag auf nunmehr 100.000 Euro reduzierten Grundstückskaufpreises ziemlich bedient. Der Geschäftsführer der Wellner und Höfer GmbH und Co. KG ist mies drauf, weil auf besagtem Grundstück längst der Bau des neuen Firmendomizils im Gange sein sollte, statt noch über den Verkauf des Areals zu verhandeln.

Im April hatte "Freie Presse" über die Umzugspläne des Unternehmens mit Sitz in Wiesau im Landkreis Tirschenreuth berichtet. Die inzwischen vor allem auf Korrosionsschutz und Oberflächenbehandlung an Stahlgittermasten spezialisierte Firma suchte aus Platzmangel eine Alternative für ihren zweiten Standort in Bermsgrün.

Im Gewerbegebiet "Am Gansberg" in Elterlein war Thomas Wellner fündig geworden. Der Stadtrat stimmte dem Verkauf der fast 8000 Quadratmeter Grund und Boden an Wellner und Höfer für knapp 128.000 Euro zu. Der Investor wolle zeitnah beginnen zu bauen und bis Jahresende fertig sein, verkündete Bürgermeister Jörg Hartmann (parteilos) damals. Der Geschäftsführer erklärte im April, seine Firma wolle in Elterlein eine 30 mal 20 Meter große Lagerhalle mit Bürotrakt sowie Abstellflächen für die Firmenfahrzeuge errichten. Die Investition schätzte Wellner auf rund eine Million Euro. Der Umzug sollte bis zum Ende des Jahres geschafft sein.

Zumindest von den geplanten Investitionskosten und vom anvisierten Bauende hat sich der Bermsgrüner längst verabschiedet. Der Ärger begann mit einem Baugrundgutachten bereits vor dem offiziellen Grundstückskauf. Laut Wellner stellte sich heraus, dass es sich um aufgeschüttetes Gelände handelt. Aufgrund unzureichender Verdichtung weise der Untergrund eine viel zu geringe Tragfähigkeit auf, um eine Halle darauf zu errichten. "Davon habe ich natürlich nichts geahnt. Da ist gepfuscht worden, das kann man so eigentlich nur als Abstellfläche nutzen", sagt Wellner.

Das Areal für die Zwecke der Firma herzurichten, sei mit großen Mehrkosten verbunden. "Die Stadt reagierte mit einem eigenen Gutachten, während mir die Zeit davonlief", sagt Wellner. Ein Sachverständiger überprüfte im Auftrag der Kommune, welche Auswirkungen der lose Untergrund auf den Wert des Grundstücks hat. So kam es letztlich zu der Reduzierung des Verkaufspreises auf 100.000 Euro, der der Stadtrat während seiner jüngsten Sitzung zustimmte, nachdem er zuvor seinen alten Beschluss aus dem April aufgehoben hatte.

Bürgermeister Jörg Hartmann sieht seinen Vorgänger Siegbert Ullrich in der Verantwortung für das alles. Zu dessen Amtszeit sei die Fläche derart unzureichend aufgefüllt worden. "Eine baurechtliche Genehmigung dafür ist nicht auffindbar." Daraus resultieren Hartmann zufolge nun die deutliche Preisreduzierung zum Nachteil der Kommune und für den Unternehmer der immense Bauverzug.

Siegbert Ullrich, der für die Wählervereinigung "Gemeinsam für die Stadt Elterlein" im aktuellen Rat sitzt, räumt ein, dass das Areal während seiner Zeit als Bürgermeister aufgefüllt worden ist. "Es gab einen Antrag, das Grundstück für ein Gewerbe zu kaufen. Eine Bedingung war, das damals noch tiefer liegende Gelände niveaugleich zur benachbarten Firma aufzufüllen", berichtet Ullrich. Da es als reine Abstell- und Lagerfläche genutzt werden sollte, sei eine Verdichtung damals überhaupt kein Thema gewesen. Was die baurechtliche Genehmigung angeht, könne er ohne größere Recherchen nach der langen Zeit nichts sagen.

Thomas Wellner jedenfalls will nun zunächst einmal mit seinem Geschäftspartner Rainer Höfer die Frage klären, ob das Unternehmen nach dem "ganzen Geeier" überhaupt am Umzug nach Elterlein festhält. "Wir müssen das auch alles noch einmal genau durchrechnen. Die Preise sind ja volle Pulle nach oben gegangen." Wellner rechnet mit mindestens 200.000 Euro Mehrausgaben. "Und das alles, weil die Stadt nicht in die Pötte gekommen ist." Und jetzt ziehe sich das weiter hin. Allerdings habe die Firma schon um die 15.000 Euro in Vorbereitungen und Gutachten versenkt.

"Wir haben das Grundstück noch nicht gekauft, und ich lasse mich auch nicht festnageln. Klar hatten wir fest vor, in Elterlein zu bauen. Aber nach dem, was ich mit der Stadt erlebt habe, bin ich vorsichtig geworden", sagt der Bermsgrüner. Zumal keiner wisse, wie es im Land insgesamt weitergeht. Auf alle Fälle glaubt Wellner nicht, dass dieses Jahr in Elterlein noch groß was wird.

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