Natur gewährt neuem Förster keine Schonzeit

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Matthias Wendlandt hat die Leitung im Revier Grumbach übernommen. Zwischen knapp 480 und rund 850 Metern Höhe bietet es Abwechslung und Herausforderungen. Der 30-Jährige tritt zudem in große Fußstapfen.

Hormersdorf/Grumbach.

Die Natur bestimmt, wo es langgeht. Wie sehr der Mensch auch versuchen mag, sie zu beherrschen. Als gelernter Waldarbeiter und Forstwirt, der Forstwirtschaft und Ökosystemmanagement studiert hat, weiß und akzeptiert Matthias Wendlandt das. So blieb ihm beim nächsten Schritt im Berufsleben keinerlei Einarbeitungszeit. "Stürme, die Pflanzzeit, eine Großbaustelle - ich musste mit Vollgas einfach aus der Vertretung heraus weitermachen", sagt der neue Leiter des Staatsforstreviers Grumbach im Forstbezirk Neudorf.

Nach dem plötzlichen Tod von Wolf Katzschmann, der mehr als drei Jahrzehnte lang Chef im Grumbacher Revier war, sprang Wendlandt zunächst kommissarisch ein. Als das Revier dann ausgeschrieben wurde, bewarb sich der 30-Jährige und setzte sich gegen alle Mitbewerber durch. "Es ist ein großes und wertvolles Erbe, das Wolf Katzsch-mann hinterlassen hat. Das will ich in jeder Hinsicht gut fortführen", sagt der gebürtige Annaberg-Buchholzer.

Aufgewachsen ist Wendlandt in Hormersdorf, wo er heute noch wohnt. "Nach dem Abitur am Zwönitzer Gymnasium hatte ich erst einmal genug vom Lernen", blickt er zurück. Weil sein Vater ihn oft mit zum Brennholz machen in den Wald nahm, kam der junge Mann auf die Idee, sich beim Sachsenforst um eine Lehre als Waldarbeiter und Forstwirt zu bewerben. "Die habe ich dann im Forstbezirk Eibenstock im Waldschulheim ,Conradswiese' in Lauter absolviert und als Viertbester in Sachsen abgeschlossen."

Danach sammelte der Erzgebirger zwei Jahre lange praktische Erfahrungen im Revier Sosa, wobei er da bereits mit einem Studium geliebäugelt habe. Von 2015 an erwarb er den Abschluss als Bachelor für Forstwirtschaft und Ökosystemmanagement. "Mit dem Ziel, Förster zu werden, weshalb ich mich für ein Studium in Erfurt entschied, weil das sehr praxisbezogen ist."

Nach dem Abschluss verschlug es Wendlandt während seines Anwärterjahrs in den Forstbezirk Neudorf. "Ins Revier Cranzahl zu Carsten Lohr." Schließlich beschloss er, als Forstbezirksassistent im Neudorfer Bezirk weiterzumachen. Das beinhalte die Vertretung und Unterstützung verschiedener Revierförster sowie das Planen und Ausrichten von Drückjagden im Herbst. "Dann ist leider Wolf Katzschmann überraschend gestorben und ich übernahm", sagt der 30-Jährige.

Förster sei sein Traumberuf und das insgesamt 1685 Hektar große Revier Grumbach eine besonders reizvolle Aufgabe. "Weil es so zergliedert ist und durch Höhenlagen von knapp 480 bis circa 850 Meter so viele unterschiedliche Waldbilder aufweist", erklärt Wendlandt. Die sechs wichtigsten Walteile seines Reviers sind der Kalte Muff, das Frauenholz zwischen Wiesa und Wiesenbad, Schindelbach zwischen Niederschmiedeberg und Großrückerswalde, der Streitwald um Grumbach, der Kriegwald bei Jöhstadt und Schmalzgrube bis zur tschechischen Grenze sowie Berghof zwischen Jöhstadt und Kühberg. "Darunter sind große Rauchschadflächen, die in den 1980er-Jahren mit Kiefern aufgeforstet wurden und Anfang der 90er-Jahre erneut abgestorben sind." Inzwischen wachsen da Lärchen und Fichten.

Aktueller Schwerpunkt seiner Arbeit sei die bereits erwähnte Großbaustelle. Sie befindet sich im Frauenholz. Als Folge der Stürme im Februar müssen in einem teils sehr steilen Areal an der Talstraße (S 261), die Thermalbad Wiesenbad und Wiesa verbindet, Tausende Bäume gefällt werden. "Das wird für uns immer wichtiger: der Umgang mit solchen punktuellen Schadereignissen, zum Beispiel durch Wind- und Schneebruch oder den Borkenkäfer", sagt der neue Revierförster, der ledig ist und keine Kinder hat.

Als einen wichtigen Teil seiner Arbeit bezeichnet Matthias Wendlandt darüber hinaus den Kontakt zu den Waldbesuchern. Da im Forsthaus in Grumbach, seinem Dienstsitz, noch gebaut wird, sei er derzeit am besten unter der Rufnummer 0162 2697201 zu erreichen. Wohnen wird der Hormersdorfer in dem Gebäude auch nach Abschluss der Bauarbeiten nicht. "Die Lage ist ja idyllisch, aber mir wäre das zu einsam." Er will sich nicht weit davon einen Zweitwohnsitz bei seiner Schwester in Mildenau nehmen.

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