In 100 Jahren keineswegs nur geschnitzt

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Der Schnitzverein Johanngeorgenstadt holt die Sonderschau zum runden Jubiläum nach. Am Samstag öffnen sich die Türen.

Johanngeorgenstadt.

Der Christbaum-Dieb hat einen Baum stibitzt. Die geschnitzte Figur mit grüner Jacke und Mütze sägt eine Fichte um am Fuß der Hans-Heinz-Schanze. Die im Original längst abgerissene Johanngeorgenstädter Wintersportanlage ist im Miniformat erhalten geblieben, und steht im Vereinsheim der Bergstädter Schnitzer. "Wer das Schanzenmodell geschnitzt hat, wissen wir nicht genau", sagt Oswald Breuer. Der Schnitzer, der die Kindergruppen betreut, hat die zuletzt ziemlich ramponierte Schanze wieder hergerichtet.

Zudem hat er mit dem Nachwuchs des Vereins Bäume gefertigt, einen Skispringer auf den Schanzentisch gesetzt und so den Fichtendieb neu in Szene gesetzt. Der "Christbaam-Mauser" ist eine Erinnerung an den bis zu seinem Tod im August 2021 sehr engagierten Schnitzer und Unternehmer Siegfried Ott, der in Johanngeorgenstadt unter anderem hinter den Projekten Großschwibbogen und Riesenpyramide stand. Offen sei noch, was aus dem Ausstellungspavillon für Schnitzkunst wird, den Siegfried Ott in der Bergstadt errichten lassen wollte, sagt Lucas Bergauer, der Vorsitzende des Schnitzvereins, der mittlerweile seit 100 Jahren besteht.

Das Schanzenmodell ist Bestandteil der großen Sonderausstellung, die am Samstag im Schnitzerheim eröffnet wird. Die 18 aktiven erwachsenen Mitglieder feiern damit den 100. Geburtstag nach. Der stand bereits 2021 im Kalender ("Freie Presse" berichtete). Doch wegen Corona wurde die dafür geplante Schau in diesen Sommer verschoben. Bis 21. August zeigt die Gruppe bei freiem Eintritt Arbeiten von früheren und heutigen Schnitzern. Sie erinnern so beispielsweise an ehemalige Mitstreiter wie Egon Estel (1935 bis 2006), der sehr filigran gearbeitet habe, wie Oswald Breuer sagt. Von Estel stammt auch ein großer Schwibbogen mit Schneekristallen. Arbeiten von Erich Göbel (1932 bis 2001) werden ebenfalls gezeigt. Seine Figuren, zum Beispiel eine Mutter mit zwei Kindern - eins an der Hand, eins auf dem Rücken - wirken sehr modern und leicht abstrakt.

Die derzeit aktiven Schnitzer haben eigene, ehrgeizige Projekte fürs Jubiläum umgesetzt. So hat Tischlermeister Konrad Fenzl seit 2017 nach und nach einen Schwibbogen mit geschnitzten Figuren bestückt. Auch die sehr umfangreiche Chronik können sich die Jubiläumsgäste anschauen. Die hatte das langjährige Mitglied Gotthard "Gola" Lang bis zu seinem Tod im Herbst 2021 akribisch geführt. "Das so weiterzumachen, ist sehr, sehr schwierig", räumt Lucas Bergauer ein.

Ausstellungen haben im Schnitzerheim übrigens lange Tradition. Einst gab es 80 Ferienheime in Johanngeorgenstadt. Deren Gäste haben, so erzählt Breuer, früher Schlange gestanden, um sich die Bergleute, Pyramiden, Hirsche und Figuren anzuschauen. Nach der Wende sei das Interesse daran jedoch verschwunden, Ausstellungen habe es kaum noch gegeben.

Immer donnerstags trifft sich die Gruppe in ihrem Domizil, um zu schnitzen und gesellig beisammen zu sein. In den zurückliegenden Wochen haben sie alle aber kräftig Hand angelegt, um ihr Schnitzerheim (eine kommunale Immobilie) auch von außen wieder schick zu machen und innen die Sonderschau auszubauen. Darum greifen die wenigsten jetzt zum Schnitzmesser, wie Lucas Bergauer sagt. "Doch früher war das Schnitzen auch eher eine Arbeit für den Winter, im Sommer hatte man mit der Landwirtschaft und anderen Dingen zu tun."

Abgesehen von vielen alten und neuen Holzkunstwerken gibt es einen anderen guten Grund, in den kommenden Tagen das Schnitzerheim zu besuchen - dort drinnen ist es auch bei sommerlicher Hitze angenehm kühl.

Sonderausstellung"100 Jahre Schnitzverein Johanngeorgenstadt", vom 13. bis 21. August im Vereinsheim an der Eibenstocker Str. 111, geöffnet montags bis freitags 13 bis 18 und Sa/So jeweils 11 bis 18 Uhr.

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