"Das Wasser kam von allen Seiten": So erlebte eine Familia aus Erla die Flutkatastrophe

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Lebensbedrohlich wälzte sich im August 2002 die braune Brühe durch Sachsen. In der Region verursachten allein Bäche und Flüsse am 12. und 13. August Schäden in Millionenhöhe. Ein Rückblick auf die Jahrhundertflut.

Erla.

Das Haus der Familie Buschbeck steht unmittelbar an der Karlsbader Straße in Erla. Zum Ufer des Schwarzwassers trennt sie nur die Straße und das kleine Haus von Lotte Müller. Die Buschbecks sind nur eine von unzähligen Familien, die zur Flut 2002 massive Schäden zu verzeichnen hatten.

"Das Wasser kam von allen Seiten, es hatte das Fenster eingedrückt, und ist buchstäblich zur Werkstatt rein und vorn wieder raus", schildert Jana Buschbeck aus der Erinnerung die Eindrücke der Flut vom Sommer 2002. Ihr Mann Uwe ergänzt: "Als ich nach Hause kam stand das Wasser schon so hoch im Hof, dass ich nur noch übers Vorhäusel durchs Fenster ins Haus gelangen konnte." Allein sich daran zu erinnern, fällt dem heute 59-Jährigen schwer. Er muss schlucken, die Tränen zurückhalten.

Gut 1,80 Meter hoch stand das Wasser im Haus der Buschbecks. Bis heute erinnert eine selbst gemalte Wassermarke an die Katastrophe von vor 20 Jahren. "Und bis dort stand das Wasser dann 2013", fügt Jana Buschbeck hinzu und zeigt auf eine weitere Markierung im Raum, allerdings wesentlich tiefer.

"Bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich davon rede"

"Alles hat geschwommen, alles war nass und der Schlamm. Überall Schlamm", berichtet das Ehepaar. Möbel, Schuhe, das gesamte Weihnachtszeug - Pyramiden, Nussknacker, Räuchermännchen - lagen in Schlamm und Dreck verwüstet und unbrauchbar. "Nur vier goldne Christbaumkugeln konnte ich retten", so die Hausfrau. Ein riesiger Berg Schuhe, eine Schubkarre voller Lebensmittel, Kleidung und Spielzeug von den Kindern - alles dahin. Um Willy, der gerade erst drei Jahre war, konnte sich die Schwester in Schwarzenberg kümmern. Nicole, die heute 32-Jährige, hat damals als Zwölfjährige versucht, zu helfen. Doch der Schlamm war schwer. "Das war nur irre", sagt sie heute.

In einem Fotoalbum haben die Buschbecks Bilder von damals eingeklebt. "Fotografiert hat jeder mal, aber vorrangig haben wir geschippt, geputzt, getrocknet und Müll beräumt", so Jana Buschbeck. "Ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich davon rede", sagt sie. Die Nachbarin von Gegenüber habe es noch schlimmer getroffen: "Lotte war damals 79 Jahre und stand de facto vorm Nichts." Doch die Hilfe sei enorm gewesen. Nicht nur die Familie, auch Fremde hätten mit zugepackt. Lotte Müller sei tatsächlich später wieder in ihre Haus eingezogen und erst vor wenigen Jahren gestorben, erzählt Jana Buschbeck.

Mittlerweile hat die Familie versucht, Vorsorge zu treffen. Im Keller haben sie sich selbst ein kleines Wasserrückhaltebecken gebaut. Darin ist eine Pumpe. "Das hab' ich nach 2013 gemacht", sagt Uwe Buschbeck, der immer froh ist, wenn unter dem Metalldeckel alles trocken ist. Doch seine Angst vor einer neuer Überflutung wächst - genauso schnell wie der wilde Bewuchs im nahen Schwarzwasser: "Das Flussbett ist wieder so zugewuchert, wenn jetzt Starkregen kommt, tritt das Wasser wieder ganz schnell über die Ufer", sagt er sorgenvoll. Und mit dieser Sorge ist er nicht allein.

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