Lernen daheim ist Normalität geworden

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Auf dem Weg zum Abitur: "Freie Presse" begleitet einige Schüler der drei Gymnasien im Altkreis von der 5. bis zur 12. Klasse. Wie erleben sie ihre Schulzeit, wie ändern sich ihre Vorstellungen vom Leben, wie meistern sie Herausforderungen? Heute: Steven Gläser und Enya Gießner vom Evangelischen Gymnasium in Leukersdorf.

Leukersdorf/Chemnitz.

Was ein Jahr nach dem letzten Treffen mit Steven Gläser sofort ins Auge fällt: Er ist deutlich gewachsen. Wie groß der 13-Jährige aktuell ist, weiß er nicht sicher - seine Mutti Nicole Gläser holt darum einen Zollstock. 1,76 Meter - das sind 25 Zentimeter mehr als am Anfang des 5. Schuljahres. Einen Größenschub gab es bei allen Mädchen und Jungen dieser Schul-Serie, aber bei Steven ist er am auffälligsten.

An Veränderungen hat Steven, der in Chemnitz-Rabenstein lebt, aber noch mehr zu bieten. "Ich spiele jetzt Klavier", erzählt er. Neu ist das Erlernen eines Instrumentes für Steven nicht - in der 5. Klasse saß er noch am Schlagzeug, das aber inzwischen ein Schattendasein führt. Diesmal aber hat er keinen Lehrer, sondern bringt sich das Klavierspiel selbst bei, erzählt der Siebtklässler. Das E-Piano dafür hat er von seiner Oma geschenkt bekommen.

Stevens Mitschülerin Enya Gießner - beide besuchen die gleiche Klasse am Evangelischen Gymnasium in Leukersdorf, hat zwar größenmäßig auch zugelegt, aber bei ihr fällt an Äußerlichkeiten eher auf, dass sie wieder zu ihrer Naturhaarfarbe zurückkehrt und die schwarzen Haare herauswachsen lässt. Ihre Friseuse habe gesagt, dass die Intensivtönung auf Dauer nicht so gesund für die Haare sei, sagt sie.

Enya ist nach wie vor eine Pferdenärrin und verbringt jetzt noch mehr Zeit als in den Vorjahren auf dem Reitplatz in Neukirchen. Was das Reiten selbst betrifft, so gab es zwar infolge Corona zunächst eine Pause, aber dann hat sie eine sogenannte Reitbeteiligung übernommen. Auch in der Pandemie müssen die Tiere ja versorgt und bewegt werden, und so war sie regelmäßig im Stall und auf dem Platz anzutreffen. Neuerdings hat sie auch das Longieren jüngerer Reiter übernommen. "So verdiene ich mir auch gleich noch ein Taschengeld dazu."

Im Rückblick auf das 7. Schuljahr spielt Corona natürlich auch bei den beiden Schülern des Evangelischen Gymnasiums Leukersdorf eine große Rolle, war doch auch bei ihnen die Zeit des Präsenzunterrichts nur kurz und Lernen daheim Normalität. Steven gibt zu, dass der Ehrgeiz, den er noch im Vorjahr beim Homeschooling an den Tag gelegt hat, der Vergangenheit angehört. Damals löste er die wochenweise vergebenen Aufgaben gleich am Wochenbeginn und stand dafür auch früh beizeiten auf. "Dieses Schuljahr habe ich die Schulsachen auch oft rausgezögert." Auch das morgendliche Joggen sei Geschichte.

Lange ausschlafen war im zurückliegenden Schuljahr dennoch nicht unbedingt drin, denn mit Einführung der Videokonferenzen gab es vorgegebene Lernzeiten. Ab Mitte Juni stand dann wieder die tägliche Fahrt zur Schule an. Das war durchaus nach der langen Zeit daheim eine Umstellung, sagen beide. Als dann auch noch die Maskenpflicht wegfiel, war das für Steven gewöhnungsbedürftig. "Ohne Maske war anfangs richtig komisch, es hat sich fast verboten angefühlt." Enya: "Für mich hat es sich schnell wieder normal angefühlt. Aber ich hatte immer das Gefühl, ich hab' was vergessen."

Kurz vorm Schuljahresschluss nutzte ihre Klasse auch die Möglichkeit, wieder auf Schulausfahrt gehen zu können. Man habe an den knapp drei Tagen viel gemeinsam Sport getrieben, sagt Enya. Die Fahrt sei eine gute Idee ihrer neuen Klassenleiterin und nach der langen Zeit ohne gemeinsamen Unterricht auch sehr schön gewesen.

In den bevorstehenden Ferien stehen für Steven ein Ostsee-Urlaub mit seiner Mutti an und wie jedes Jahr wird er auch einige Zeit bei seinem Vati verbringen. Bei Enya wird das Urlaubsziel spontan entschieden. Weil so lange unklar war, was überhaupt möglich ist, habe man noch nichts gebucht, sagt Mutti Susann Kaule. Enya freut sich aber auch aufs Zusammensein mit Freunden. Sie hat in ihrer Klasse inzwischen eine kleine Clique gefunden, mit der sie auch viel Freizeit verbringt.

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