Thriller im Puppentheater und Desillusionierung im Rathaus

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Die 130. Spielzeit im Eduard-von-Winterstein-Theater startet ereignisreich. Allein im September stehen fünf Premieren auf dem Spielplan. Mittendrin: drei neue Gesichter.

Annaberg-Buchholz.

Er gilt als einer der gefragtesten Puppenspieler der Gegenwart: Nikolaus Habjan, Jahrgang 1987. Der gebürtige Grazer sorgt am 11. September gleich zum Auftakt der 130. Spielzeit im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz für ordentlich Spannung. Er inszeniert die Geschichte "Was geschah mit Baby Jane?" als Thriller fürs Puppentheater. Der Stoff war in den 1960er-Jahren mit Bette Davis und Joan Crawford verfilmt worden. Die Uraufführung als Puppentheater erlebte das Stück im Schubert-Theater in Wien 2013. Und genau dieses Schubert-Theater Wien bringt die Inszenierung, die auf dem Roman von Henry Farrell basiert, auf die Bühne des Annaberg-Buchholzer Theaters.

Was es sonst noch in dieser Spielzeit zu erleben gibt, davon bietet das große Theaterfest unter freiem Himmel am Samstag einen ersten Vorgeschmack. Bei Rätseln und Spielen, Musik, Kindertanz und Kinderlesungen, Puppentheater und vielem mehr erfahren die Besucherinnen und Besucher, welche Höhepunkte der neue Spielplan bereit hält. So stehen unter anderem fünf Uraufführungen und drei deutsche Erstaufführungen auf dem Spielplan, kündigt Intendant Moritz Gogg an. Und gibt zugleich einige besondere Empfehlungen für die Sparte Musiktheater, die gleich mit einer Rarität startet: Die Oper "Falstaff" erlebt am 17. September ihre deutsche Erstaufführung. Denn es handelt sich dabei nicht um das bekannte Werk von Giuseppe Verdi, sondern um die bereits 55 Jahre vorher entstandene Komposition von Michael William Balfe. Er gilt laut Moritz Gogg als der herausragende irische Opernkomponist seiner Zeit - ein später Vertreter des Belcanto, stark geprägt von seinem Idol Rossini. Das Premierenschaufenster dazu öffnet sich bereits am 11. September.

Ganz andere Klänge sind dann schon bei der nächsten Uraufführung einen Tag später auf der Studiobühne des Hauses zu hören: "Mei Harz braucht Lieder" ist der Anton-Günther-Abend überschrieben, den Tenor Richard Glöckner aus Seiffen und Oberspielleiterin Jasmin Sarah Zamani gemeinsam inszenieren. Zusammen begeben sie sich anlässlich seines 85. Todestages auf eine Spurensuche im Leben des Anton Günther, den seine Heimat prägte, der das Bild eben jener aber gleichfalls maßgeblich bestimmen sollte.

Raus aus der Historie, rein in die Moderne geht es mit der Uraufführung "Ein Kind unserer Zeit". Eine Moderne, die angesichts der aktuellen Bilder aus der Ukraine einen brandaktuellen Zeitbezug hat. Die Grundlage der Inszenierung bildet Ödön von Horváths gleichnamiger Roman, der 1938 nach dem Tod des Autors in einem Amsterdamer Exil-Verlag erschienen ist. Erzählt wird die Geschichte der Desillusionierung eines arbeitslosen jungen Mannes, der in der Armee seine einzige Zukunft sieht. Mit der Aufführung setzt das Ensemble zugleich die in der vorangegangenen Spielzeit begonnene "Eroberung" der Stadt als Bühne für das Theater fort. Was in der Manufaktur der Träume begonnen wurde, findet nun im ehemaligen Buchholzer Rathaus seine Fortsetzung. Die erste der insgesamt vier Aufführungen gibt es am 30. September.

In die Rolle des Soldaten schlüpft Benedict Friederich, eines der drei neuen Gesichter im Ensemble des Theaters. 1998 in Würzburg geboren, war er nach seinem Abitur an mehreren Produktionen der dortigen Theaterwerkstatt beteiligt. Von 2018 bis 2022 studierte er Schauspiel an der Akademie für Darstellende Kunst Bayern in Regensburg. 2019 und 2021 war er jeweils für den Ralf-Bender-Preis für Krimikurzgeschichten nominiert. Aus Berlin kommt Anna Bittner ins Erzgebirge. Jahrgang 1989, hat sie nach ihrem Abitur an der Berliner Schule für Schauspiel studiert und schon während des Studiums in verschiedenen künstlerischen Projekten mitgewirkt. Nach dem erfolgreichen Abschluss 2013 führte der Weg zunächst ins Mittelsächsische Theater nach Freiberg und nun ins Theater nach Annaberg-Buchholz. Komplettiert wird das Trio der Neuzugänge durch Mira Sanjana Sharma, Jahrgang 1997. Sie stammt aus der Nähe von München und hat ebenfalls in Berlin studiert - am Michael-Tschechow-Studio. Nach dem erfolgreichen Abschluss und einer Weiterbildung als Synchronsprecherin war sie überwiegend in der freien Theaterszene in Berlin aktiv. Alle drei Neuzugänge kann das Publikum beim Theaterfest kennenlernen.

Und noch einen besonderen Höhepunkt hält der erste Monat der neuen Spielzeit am 18. September bereit: selten in Annaberg zu erlebendes Tanztheater. Möglich machen es die Landesbühnen Sachsen mit ihrem Gastspiel "Bach Brasil - die Kunst der Flucht" von Mario Nascimento. Er ist Leiter der Tanzcompagnie des "Teatro Amazonas" in Manaus in Brasilien und gilt als einer der einflussreichsten Choreografen des Landes. Getanzt wird zu Musikwerken von Johann Sebastian Bach und Heitor Villa-Lobos.

Das ausführliche Programm gibt es unter www.winterstein-theater.de


Sonst noch auf dem Spielplan

Als weitere Premieren stehen im September "Schwester Robert Annes Musicalkurs" - eine unterhaltsame One-Nonnen-Show von Dan Goggin - sowie "Zehn kleine Marzipanschweine" in der Sparte Kinder- und Jugendtheater auf dem Programm, eines von insgesamt drei Klassenzimmerstücken.

Die Philharmoniker starten mit dem 1. Philharmonischen Konzert in die neue Spielzeit - am 24. September im Kulturhaus Aue und am 26. September im Theater in Annaberg-Buchholz. Dabei wird "Große Romantik" geboten. (af)

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