Auf den Spuren jüdischer Bürger in der Annaberger Geschichte

Neustart im Erzhammer nach langer Zwangspause - nicht mit prominenter Kultur, dafür mit Worten zum Nachdenken.

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland, war am Dienstag zu Gast in Annaberg-Buchholz. Anlass des Besuches war das Jubiläumsjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland", in dem es auch Veranstaltungen in Annaberg-Buchholz gibt.

Für Sie berichtet: Antje Flath

Ein Jubiläum wird in diesem Jahr gefeiert: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. So lange haben jüdische Familien das Geschehen in Annaberg zwar nicht mitgeprägt, denn die einstigen Bergfürsten wollten sie nicht in ihren Städten haben, kennt Oberbürgermeister Rolf Schmidt (Freie Wähler) die Geschichte seiner Stadt. Erst nach 1860 etwa durften sie sich auch innerhalb der Stadtmauern ansiedeln. Für die heutigen Verantwortlichen im Rathaus aber kein Grund, sich nicht an den bundesweiten Feierlichkeiten zu beteiligen. Denn das jüdische Leben habe nicht nur die Entwicklung Annabergs stark geprägt, sondern die des gesamten Erzgebirges.

Das machte auch Felix Klein deutlich, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland. Der erzgebirgische Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß (CDU) hatte ihn anlässlich des Jubiläumsjahres nach Annaberg-Buchholz eingeladen. Und wie der Oberbürgermeister verwies auch er in seinen Worten darauf, dass der Rückblick auf das jüdische Leben nicht nur Anlass zur Freude gebe. Auch der Antisemitismus ziehe sich wie ein roter Faden durch die Geschichte dieses Landes. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten habe er seinen Höhepunkt erreicht. Ein tragisches Kapitel Historie, dass auch in Annaberg mitgeschrieben wurde - unter anderem mit der Zerstörung des jüdischen Friedhofes am 9. November 1938 und mit der Errichtung eines Zwangsarbeiterlagers. Dessen Insassen mussten laut Klein an einer neuen Reichsautobahn mit bauen.

Aktuell sieht der Bundesbeauftragte wieder "Dynamiken, die Anlass zur Sorge bieten". Hass werde erneut als Ventil genutzt. Eine Entwicklung, die unter anderem die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Chemnitz vielfach erleben, wie Igor Gurevych bestätigt. Er ist Gemeinderatsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Chemnitz. Der Antisemitismus sei "wieder laut und wieder sichtbar auf unseren Straßen". Bei der Suche nach den Ursachen sei nicht nur die Politik in der Pflicht, sondern auch die Zivilgesellschaft. Deren klares Bekenntnis könne nicht gesetzlich verordnet werden, sondern müsse freiwillig kommen.

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