Auferstanden von den Toten

Die Fans dieser Thriller haben lange auf das Finale der Jagd nach dem einen Serienkiller warten müssen, doch mit "Lazarus" von Lars Kepler werden sie für diese Geduldsprobe mehr als entschädigt.

Wer einen der mittlerweile sieben Thriller aus der Feder des schwedischen Ehepaars Alexandra und Alexander Ahndoril gelesen hat, weiß es und kennt auch die Gründe, warum die unter dem Pseudonym Lars Kepler erschienenen Bücher zu den weltweit erfolgreichsten vor allem in der Spannungsliteratur gehören. Denn seit dem vor neun Jahren herausgebrachten deutschen Debüt "Der Hypnotiseur" ist das Autorenduo seinem Stil treu geblieben und hat ihn sogar noch verfeinert.

Auf einen gemeinsamen Nenner gebracht: Die unmittelbare Verknüpfung der Charaktere und der persönlichen Probleme der Protagonisten mit dem Täter und seiner grausamen Verbrechen sorgen dafür, dass es in jedem der Romane einen Punkt gibt, an dem man das Buch nicht mehr aus der Hand legen will, weil man unbedingt wissen muss, wie alles zusammenhängt und ob das Gute siegt, nur weil es gut ist, oder auch weil es eine höhere als die im Gesetz verankerte Gerechtigkeit gibt.

Mit "Lazarus" ist jetzt die von den Fans herbeigesehnte Fortsetzung beziehungsweise das Finale der in erster Linie mit in "Der Sandmann" gestarteten Geschichte über den ebenso charismatischen wie sich an psychischen Abgründen bewegenden Serienmörder Jurek Walter erschienen; eigentlich ist er seit dem letzten Band tot, seine Leiche aber wurde nie gefunden, nun ist er von den Toten auferstanden, wie Lazarus in der Bibel. Dieser Killer findet nicht nur Befriedigung darin, seine Opfer betont qualvoll zu töten, er will vor allem auch deren psychische Vernichtung, indem er ihnen alles nimmt, was ihnen wichtig und lieb ist. Und dies vorneweg: Die letzten 200 Seiten will man ohne Unterbrechung lesen können, denn ob alles ein versöhnliches Ende nimmt (oder es doch noch weitergeht), ist ein Geheimnis, dessen Lösung den Leser einfach packt und mitreißt.

Und natürlich sind sie wieder mit von der Partie: Joona Linna als der im Mittelpunkt stehende Ermittler, der seine Familie vor dem Killer (leider vergeblich) zu verstecken versuchte, bevor er das Gesetz brach, um ihn zu stoppen, und dafür ganz bewusst auch einen Gefängnisaufenthalt akzeptierte, und der nun erfahren muss, dass bei einem der Opfer eines in ganz Europa aktiven Serienmörders eine Kühltruhe mit Leichenteilen gefunden wurde, darunter eben auch der Schädel seiner ermordeten Ehefrau. Ab da weiß Joona Linna: Jurek Walter lebt, auch wenn niemand ihm glauben will. Und Saga Bauer, seine ehemalige Kollegin, die damals die vermeintlich tödlichen Schüsse auf den Killer abgegeben hat, lässt sich auch nur schwer überzeugen, aber als sie eine Ahnung von dem bekommt, was noch auf sie zukommt, ist sie nicht nur selbst auf der Flucht vor Jurek Walter, sondern muss auch noch um das Leben ihrer kleinen Schwester fürchten; von den Geistern ihrer Vergangenheit, die sie heimsuchen, mal ganz zu schweigen.

Für eher zart besaitete Gemüter sind die Thriller von Lars Kepler weniger geeignet, auch "Lazarus" nicht, denn die beiden Autoren schildern die körperliche Brutalität und die psychische Grausamkeit auf eine Weise, wie sie schonungsloser kaum sein kann, wobei ihre Sprache gar nicht mal so direkt ist, sondern vielmehr subtiler den Finger dort in die Wunde legt, wo es dem Leser so vorkommt, als würde er den Schmerz selbst empfinden. Denn die tatsächlich extrem krassen psychischen Belastungen, denen die beiden Ermittler und ihre Angehörigen ausgesetzt sind, kommen einem beim Lesen durchaus realistisch beziehungsweise nachvollziehbar vor, weshalb man das Buch auch nach dem furiosen Finale zwar aus der Hand legen, aber keinesfalls einfach zur Tagesordnung übergehen kann. Also: Entscheidung treffen.

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