Welt der Gedanken in Sprache und Eigensinn

Andreas Eichler erzählt Literaturgeschichten und lädt zu einer literarischen Wanderung durch Mitteldeutschland ein.

In diesem Buch begegnen wir einem nachdenklichen Leser, der Literatur in ihrem Zusammenhang von Geschichte bedenkt, ein schwieriges, schönes Unternehmen. Andreas Eichlers literarische Wanderung hat ihre Ursprünge in Herders Vorstellung von der Sprache als einer jahrtausendealten Tradition, verbunden mit menschlicher Vernunft. Und so sucht er denn die Gedankenwelt in Sprache und Eigensinn.

Seine Wege führen durch die Literatur von Walther von der Vogelweide bis zu Herder. Literatur hat ja als Hintergrund immer auch Landschaft und Geschichte. Heraklit konstatierte einst "Nichts ist so beständig wie der Wandel", und Eichlers literarische Wanderung beschreibt solche Verwandlungen in den Texten der Dichter. Dabei bedient sich der Autor ganz verschiedener Methoden, die Nacherzählung der Werke, das Foto heutiger Welt, auch das Didaktische, es formuliert die Vorstellung vom "Bleibenden" in der Literatur. Bilder und Beschreibungen liefern die Fundamente solcher geistiger Exkursionen.

Darauf ist besonders zu verweisen, das Buch ist eine Gelegenheit, in Bild und Text die Entdeckungen in der Wirklichkeit und Sprache der Autoren sichtbar zu machen. Erlebnis von Landschaft, Darstellung von historischen Vorgängen, Bilder der Handlungsräume bilden sozusagen die Wege, durch die das Dichterische gesehen und das Bleibende beschrieben werden. Aber so sehr wir auch auf die größeren Zusammenhänge verweisen, das Buch ist keine Literaturgeschichte, sondern konstituiert sich aus Geschichten zur Literatur. So bewegen wir uns in das Feld der Dichtung Mitteldeutschlands. Und für diese Weltgegenden erfahren wir den Erlebnisraum in Burgen und Klöstern, Wäldern und Städten.

Andreas Eichler, promovierter Philosoph entwickelt dabei eine Philosophie der literarischen Begegnung. Birgit Eichler bebildert diesen Weg, diese Wanderung mit ihren Fotos. Ihre Bilder sind ganz eigene Entdeckungen des Literarischen in der Landschaft, die es auf dieser Wanderung zu sehen gibt. Es ist der Kern der Unternehmung: eine Wanderung durch das Land und seine Geschichte in Eigensinn und Sprache.

Wir wandern, wir wandern ... - das beginnt in den frühen Bistümern Meißen, Merseburg und Naumburg. Da leuchtet die Wartburg, da begegnen wir Meister Eckart in Erfurt. Luthers Wittenberg und Müntzers Bad Frankenhausen werden besichtigt, und irgendwann hört man das Rauschen der Mulde bei Hartenstein in den Gedichten des Paul Fleming. Auch der ganz unbekannte Valentin Weigel stellt sich uns in Zschopaus Schlosskulisse vor.

Ach ja, wir treten in viele Fußstapfen, gehen mit Christian Thomasius und Gottfried Schnabel. Die Neuberin spielt sich in die Welt, und Winckelmann bestimmt auf seinem Weg die Gesetze der Kunst. Schon sind wir bei Heyne in Göttingen und bei Lessing in Kamenz bis wir schließlich die Tür zur Kirche in Weimar öffnen, die heute den Namen Herders trägt. Des Dichters Gedankenwelt ist ja ein Zentrum dieser Darstellung. Und schon denkt der Autor an eine Fortsetzung des Buches bis in unsere Tage.

Wir wandern, wir wandern ... - ein Buch für Leser und Liebhaber des Lesens, der Bücher, der Literatur.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...