Wie auf einer sanften Flugbahn

Nat und Ed lernen sich bei einem Federballspiel kennen. Der erste ein altgedienter Agent des britischen Geheimdienstes, der zweite ein schlaksiger junger Mann. Es entsteht eine Art Vater-Sohn-Beziehung, auch homoerotisch. Nat war jahrelang in Osteuropa unterwegs und hat viel zu erzählen, wenn sie nach dem Spiel beim Bier sind. Federball, hat John le Carré gesagt, sei ein "poetisches Spiel. Der Ball bewegt sich auf einer sanften Flugbahn".

Das könnte das letzte Buch des englischen Schriftstellers sein. John Carré ist 88 und war schon auf Abschiedstournee. Aber der Brexit und der Präsident im Weißen Haus in Washington haben ihn in Rage gebracht. Hier schreibt ein alter, zorniger Mann mit der ihm eigenen Eleganz.

Der Autor lässt an den Geheimdienstkadern und katzbuckelnden Schranzen kein gutes Haar. Wie schon 1963 bei "Der Spion, der aus der Kälte kam". Die Geheimhalter der Königin gehören zur Oberschicht, Nat verachtet sie. Der junge Ed ist noch idealistisch, wettert aber, dass England von einem "Haufen postimperialer Nostalgiker regiert wird, die nicht mal einen Obststand betreiben könnten". Ihrem Erfinder le Carré geht hier die Empörung durch. Der Roman ist makellos gebaut, ein Spannungsbuch bis zum Ende.

Es wird erzählt von früheren Erfolgen in der Spionage. Doch Nat, einst Agentenführer, leitet mit der Abteilung "Oase" eine Abstellkammer für überflüssige Geheimdienstler. In Ed erkennt er einen, der auf der richtigen Seite ist und den Präsidenten der USA als eine "Bedrohung der gesamten zivilisierten Welt" attackiert. So einer war Nat vor langer Zeit auch einmal. Nun aber sitzt er mit seiner Ehefrau auf einer Parkbank und lässt lieber mal die anderen machen.

Der Roman handelt in Wahrheit von Menschen, die nicht mehr wissen, wohin sie gehören. John le Carré hat einen irischen Pass beantragt, um im Falle des Brexits England zu verlassen. (romi)

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