Neue Oldies?

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Herrscht eigentlich schon Oldie-Alarm, wenn eine Band verkündet, auf "Greatest-Hits"-Tour zu gehen? Derzeit tun dies etwa Franz Ferdinand. Einerseits feiern die schottischen Britpop-Helden "erst" ihren um ein Jahr verschobenen 20. Bandgeburtstag. Andererseits ist ihr früher Erfolg von heute aus genauso lang her wie für die Jugend damals die frühen 80er: Der Britpop, dem sie dereinst als 60er-Revival Höhenflüge verpassten, ist längst selbst schon wieder retro. Und tatsächlich tummeln sich in den Konzerten zu guten Teilen die mittlerweile deutlich gesetzteren Hipster und Indiefans von "damals", dazu einige Ältere, die schon immer eher den Vintage-Charme von Franz Ferdinand schätzten. Das allgemein in Erinnerungen schwelgende "endlich wieder" reicht demnach länger zurück als nur vor Corona: Endlich wieder springen, jubeln und tanzen, als gäbe es den Arbeitstag ein paar Stunden später noch nicht.

Doch mit der Schublade "Oldie" ist es trotzdem so eine Sache, die zumindest hier nicht ganz passen will. Denn seit nunmehr ein paar Jahrzehnten scheint man sich still darauf geeinigt zu haben, dass es sich dabei um etwas handelt, was spätestens in den 70ern stattgefunden hat. Danach kommt "das Beste der 80er, 90er und von Heute". Klar, das ist ein sehr langes "Heute" - aber niemand meckert, um nicht "Oldie" genannt zu werden. Dabei ist es auch im zwangsjungendlichen Musikgeschäft unsinnig, über das Alter von Protagonisten zu witzeln: Immer, wenn man das tut, schickt Iggy Pop ein Zwinker-Emoji an Keith Richards - stelle ich mir zumindest vor. Und seien wir ehrlich: Im Grunde ist jedes Livekonzert ein "Best-Of" des jeweiligen Künstlers, außer vielleicht bei Bob Dylan.

Dennoch gibt es Warnsignale, die auf heranrollende Zenitüberschreitung hinweisen: Verwendet man plötzlich Wendungen wie "karriereumspannend", "alte und neue Songs" oder eben "Greatest Hits", hat man schon mal vorsichtig den Fuß in die Tür der Retrospektive geschoben. Die Betonung von Bandjubiläen bekommt oberhalb der 20 irgendwann einen Bauchansatz, und man ist nicht mehr überrascht, die Platte im Schrank der Eltern gefunden zu haben. Und wenn einem gar nichts mehr einfällt, packt man eben flugs noch eine Ladung Hits vor der Zugabe in ein Medley. Das haben zwar Die Ärzte auch schon getan, aber da kann man das als Ironie durchgehen lassen: Die gibt es nun auch schon 40 Jahre, und wenn man die mal vom Zeitpunkt ihrer Gründung zurückrechnet, gab es da noch nicht mal Oldies.

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