Wenn das Lesen eine wunderbare Wirkung hat

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Das Glück auf der letzten Seite" ist eine spannende Liebeserklärung ans Buch

Ein Liebesroman für das Buch - das ist die Quintessenz des Romans "Das Glück auf der letzten Seite" der Französin Cathy Bonidan. Bis zur letzten Seite erzählt sie von Menschen, die Bücher lieben und sogar noch das ganz altmodische Briefeschreiben. So ist ein Roman in Briefen über die Liebe zu Büchern entstanden.

Der Roman beginnt recht unaufgeregt. Eine Frau findet im Nachttisch ihres Hotelzimmers in der Normandie ein Romanmanuskript, mit Schreibmaschine geschrieben, was ungefähr sein Alter erkennen lässt. Sie liest es, findet einen Anhaltspunkt, wer der Autor sein könnte und schickt die Seiten an jenen ihr Unbekannten. Dieser schreibt zurück. Und zwar mehr als verwundert, denn er hat das Manuskript zwar verfasst - vor nunmehr 33 Jahren - aber nur bis zur Hälfte. Das Manuskript sei ihm damals abhanden gekommen. Irgendjemand hat also das Werk vollendet - aber wer und warum?

Es folgt Brief auf Brief, zwischen der Finderin und dem "Halbautoren", der Finderin und ihrer Freundin, zwischen dieser und dem Verfasser des Manuskripts. Mit jedem Brief erfährt der Leser ein weiteres Detail, lernt die Protagonisten Stück für Stück näher kennen, stößt mit ihnen auf neue Spuren bei der Suche nach demjenigen, der die Geschichte vollendet hat. Dass die drei inzwischen fieberhaft versuchen, das Rätsel zu lösen, ist verständlich. Dass sie dazu um die halbe Welt reisen, die unterschiedlichsten Menschen ins Spiel kommen, man sogar ganz in Familie gemeinsame Tage verbringt, ist dann ein wenig realitätsfern. Ein Roman eben.

Auch wenn manch langatmige Passage eine Kürzung vertragen hätte, es nicht immer leicht ist, den Überblick zu behalten, wer denn jetzt wem schreibt, bleibt man gern an der Geschichte dran. Von Brief zu Brief wird es spannender: Wer ist denn nun derjenige, welcher ...? Was das absolut Verrückte ist, bis zur letzten Seite erfährt der Leser nicht, um was es eigentlich in dem Buch geht. Es muss eine wahre Liebesgeschichte sein, das zumindest lässt sich vermuten. Aber mehr wird nicht verraten, man liest nur immer wieder, welche große Wirkung das Geschriebene auf all jene hat, die es lesen dürfen. Das ist, ein Lob an die Autorin, gut gemacht. Und auch die Idee dahinter spricht für sich. Denn Briefromane hat es ja wahrlich schon unzählige in der Literatur gegeben.

Das Ende ist glücklich, was bei dem Titel "Das Glück auf der letzten Seite" jetzt nicht wirklich überrascht. Hatte man anfangs noch das Gefühl, einen mehr oder weniger banalen Unterhaltungsroman in der Hand zu halten, wird man nach der letzten Seite doch eines Besseren belehrt. Es ist eine überzeugende Liebeserklärung an das Lesen und an das Buch.

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