Meine Kinder sind ja sehr ordentlich. Wer uns in letzter Zeit mal besucht hat, wird jetzt lachen. Es ist aber wirklich so. Der Kleine (1) zum Beispiel stört sich sehr daran, wenn beim Essen etwas runterfällt. Dann meckert er so lange, bis es jemand aufhebt. Auch Bausteine räumt er gerne auf – und zwar immer und immer wieder: Auskippen, Einräumen, Auskippen .... Kinder haben ein Bedürfnis, die Welt zu ordnen. Und dazu muss erst Unordnung sein.

Auch in seiner Küche hält der Junge Ordnung. Auf jeden Topf muss der passende Deckel, und das Wäscheklammerfilet an Teelöffelschaum muss natürlich mit der Grillzange gewendet werden. Reicht man ihm das falsche Utensil, etwa die Nudelzange, hört man „Neineineineinein!“ Ich warte nur drauf, dass sich der Spitzenkoch auch noch seine eigenen Messer mitbringt.
Natürlich kocht er nicht in der Puppenküche. Sondern er nimmt die richtigen Töpfe aus dem Regal und breitet sie auf dem Boden genau im Kücheneingang aus. Damit auch jeder sieht, wie schwer er wieder zu arbeiten hat. Typisch Mann.

Wir lassen ihn aber auch alle Schränke ausräumen. Früher hätte man gesagt, das Kind ist schlecht erzogen, heute spricht man von einer „Ja-Umgebung“: Er darf sich ausleben, ohne dass gleich jemand „Nein!!!“ brüllt. Motorik, Forscherdrang und meine Nerven werden so gleichermaßen trainiert.

Früher hatte auch unsere Große (5) ein Ordnungsbedürfnis. Beim Aufräumen steckte sie alles in die Schuhe – oder gleich in den Mülleimer. Auch fürs konsequente Wegschmeißen gibt es heutzutage ein Modewort: Minimalismus. Unsere Kinder sind offenbar wahre Trendsetter. Inzwischen hat’s die Große aber nicht mehr so mit dem Aufräumen. Motto: Wer Ordnung hält, ist zu faul zum Suchen. Und wer keine Ordnung hält, auch. Auf die Bitte, beim Tischabräumen zu helfen, bekam ich neulich zur Antwort: „Ich hab‘ das ja auch nicht ausgeräumt.“ Da hatte sie wohl recht. Am Tischdecken hatte sie sich an dem Tag auch nicht beteiligt. Manchmal hilft sie aber – nicht ohne genau mitzuzählen, wie viele Abräumaufgaben ihr zuzumuten sind („Nur so viele wie ich alt bin!“)

Nun heißt es, man solle den Kindern ein gutes Vorbild sein und voller Freude und Elan an die Hausarbeit gehen. Das kann ich gut. Zum Beispiel erfüllt es mich mit großer Freude, wenn mein Mann abends das Durcheinander aufgeräumt hat, das ich in der Küche veranstaltet habe. Aber, trotz allem: Auch das Chaos ist in Ordnung.

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