Kind 1 und Kind 2 haben gewisse Techniken entwickelt, die das Leben angenehmer machen. Das geht schon beim Schuheanziehen los. Ihnen gehört der untere Schub des Schuhschranks, der in unserem Flur steht. Früher mussten sie sich bücken. Nun beherrschen sie es, ihn mit den Fußzehen zu öffnen. Sie schieben ihre Zehen in den Spalt zwischen den Schüben und beugen schwungvoll das Bein, bis sie den gewünschten Effekt erzielen und sich die Schublade öffnet. Als Nächstes fädeln sie die Schuhe direkt auf den Fuß. Der ganze Prozess kommt ohne Hände aus und ohne sich bücken zu müssen.

Ein Moment, in dem der Vater Schnappatmung bekommt: „Aufhören! Der Schrank war teuer! Wenn ihr den kaputt macht, muss ich ja noch mehr arbeiten!“ Ich hatte neulich erwähnt, dass die Kinder später einmal Gutbürger werden sollen. Deshalb bringe ich ihnen das ABC des friedlichen Zusammenlebens bei. Es ist wie bei einem Puzzlespiel. Immer schön Teilchen für Teilchen aneinanderstecken. Unsere nächste Lektion: Wir gehen achtsam mit unseren Sachen um und lernen, dass Geld nicht an Bäumen wächst. Um den gewünschten Lerneffekt zu erzielen, ließ ich Kind 1 und Kind 2 einen Vertrag unterschreiben. Wer das nächste Mal beim Schrankauftreten erwischt wird, muss alle Schuhe putzen. Kind 1 fand das gemein und unfair. Der Junge befindet sich seitdem im Streik-Modus. Der Profi erkennt diesen Zustand daran, dass Kind 1 den Schrank nun nicht mehr benutzt und seine Schuhe davor abzustellen pflegt.

„Aber wir müssen uns unser Geld erarbeiten, auch für Dinge wie diesen Schrank“, sagte ich. Damit aus meinen Kindern freundliche Gutbürger werden, gebe ich ihnen hier und da ein paar Zusatzinformationen zu meinen Vorschriften. Würde ich sie ausdrucken, würde mein Sohn sehr wahrscheinlich Papierflugzeuge daraus basteln. „Ich arbeite auch hart“, sagte der Junge.

„Und was?“

„Geheim. Wirst du sehen.“

Etwas später bat mich mein Sohn, ihn zur Gärtnerei zu begleiten. Er wolle sich wie sein bester Freund Oskar ab sofort mehr der Gartenarbeit widmen und brauche dafür seine privaten Pflanzen. Er nahm Kleingeld mit und investierte es in sieben Salatköpfe. Winzig, aber ein Schnäppchen. 30 Cent pro Stück. Ich fragte den Jungen, was er mit dem Salat vorhabe. Schließlich esse er keinen Salat. Jaja. Esse er auch nicht. Aber er werde die Salatköpflein hegen und pflegen und dann verkaufen. An mich. Für zwei Euro pro Stück.

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