Ohrlaub

In den Herbstferien fahren wir in den Urlaub. Oder auch nicht. Vielleicht fahren wir nur nach Balkonien. Dort ist es zwar zurzeit nass, dafür ist das Infektionsrisiko gering. Aber gehen wir jetzt erst mal davon aus, ich würde für den Urlaub packen. Das müsste ich inzwischen ja im Schlaf können. Wäre auch besser, denn die Reisevorbereitungen für die ganze Familie ziehen sich meistens bis spät in den Abend hin.

Eigentlich wollen wir nur für ein paar Tage Freunde besuchen, die in Bayern auf dem Land leben. Früher hätte man vorher mal auf die Wettervorhersage für die Zielregion geschaut. Heutzutage recherchiert man die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohnern. Und man packt die Masken ein. Wir haben welche mit Pferden, Comic-Figuren und Herzchen. Die Große trägt sie mit Murren, die Kleinen mit Begeisterung. Ungefähr 3,5 Sekunden lang. Trotzdem lieben meine Kinder den Urlaub. Denn dann gibt es jeden Tag Teja. So nennt der Zweijährige einen Nuss-Nougat-Brotaufstrich, dessen Name sich vom englischen Wort für Nuss ableitet. Vielleicht sollte ich ihm das Zeug erst wieder erlauben, wenn er Vollkornbrot sagen kann.

Mit der Aussprache ist es nun mal so eine Sache. Zumal ja das sächsische Alphabet einen Buchstaben weniger hat als das deutsche: O und U klingen genau gleich. Deshalb freut sich der Mittlere schon riesig auf den Ohrlaub. Ich erinnere mich an einen Dialog zwischen meinen Kindern: Die Große erklärte, beim Sport müsse man die Uhr abnehmen. Da zog sich der Mittlere am Ohrläppchen und rief: „So geht das!“

Wir haben übrigens auch einen Wohnzimmertisch, der noch von der Ohroma ist. Und mancherorts gibt es einen Opabürgermeister. Was den Vierjährigen zu der Frage veranlasste, ob es denn auch einen Ur-ur-ur-Bürgermeister gebe. Keine Ahnung. Vielleicht in 50 Jahren?

Der Wohnzimmertisch wird übrigens immer in die äußerste Ecke des Zimmers geschoben, damit die Kinder viel Bodenfläche zum Spielen haben. Wenn bald wieder Schulen und Kindergärten geschlossen sind, lernen sie eben zu Hause. Anschauungsmaterial gibt’s genug. Das exponentielle Wachstum von Infektionszahlen lässt sich zum Beispiel anhand von Spielzeug veranschaulichen. Preisfrage: Wenn sich die Fläche des Fußbodens, die mit Spielzeug bedeckt ist, jede Stunde verdoppelt, und der Boden nach 48 Stunden vollständig bedeckt ist – nach wie vielen Stunden war er zur Hälfte bedeckt? Die Antwort rechne ich später aus. Jetzt habe ich erst einmal Ohrlaub.

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