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„Leser helfen“-Aktion für das Hospiz in Oederan: „So viel Dankbarkeit erlebt man sonst nirgendwo“

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Heidrun Wießner und ihre Kolleginnen kochen täglich für die schwerkranken Bewohner des Hospizes. Wünsche erfüllen und Lebensqualität erhalten sind das Ziel. Dafür benötigt die Einrichtung Spenden.

Oederan.

Heidrun Wießner steht am Herd. Vier Platten, ein Topf voll Makkaroni, in der großen Pfanne schmort Schinkenspeck. Der Duft zieht durch das ganze Haus, und das soll er auch. Denn die Bewohner sollen sich im Hospiz „Ellen Gorlow“ in Oederan wie zu Hause fühlen.

Die Köchin rührt in der Pfanne, schaut nach dem Brokkoliauflauf im Ofen, räumt auf. „Man muss organisiert sein, dann klappt es“, sagt sie. An manchen Tagen klappen auch fünf verschiedene Gerichte, die für die maximal zehn Bewohnerinnen und Bewohner und das Team zubereitet werden. Denn im Hospiz gilt, was Pflegedienstleiterin Angela Kräher formuliert: „Wir versuchen, alles möglich zu machen.“ Die Menschen im Hospiz haben meist nur noch kurze Zeit zu leben, und viele wünschen sich noch einmal ihr Lieblingsgericht.

Eintöpfe sind im Hospiz in Oederan besonders beliebt

Das Küchenteam nimmt fast jede Herausforderung an. Zu Weihnachten gibt es meistens Gans. Im Allgemeinen seien aber einfache, traditionelle Gerichte beliebt: „Am besten gehen Eintöpfe.“ Denn sie sind leichter zu essen, auch für Menschen, die Schluckbeschwerden haben. Manchmal wünscht sich jemand sehnlichst Kartoffelpuffer und kann sie dann nicht schlucken - und das Küchenteam holt den Pürierstab hervor. Manchmal geht es nur um den vertrauten Duft oder um das Gefühl, das Nahrungsmittel im Mund zu haben.

Manchmal bereitet die Köchin für einen Bewohner das Lieblingsessen zu - und wenn sie zum nächsten Dienst erscheint, lebt derjenige nicht mehr. Das Sterben gehört zum Leben dazu, das ist im Hospiz ganz deutlich zu spüren. Aber auch Genuss und Dankbarkeit. Wenn jemand sagt, „das schmeckt wie bei meiner Frau zu Hause“, dann zaubert er auch der erfahrenen Köchin ein Lächeln ins Gesicht. Sie sagt: „Eine dankbarere Arbeit kann man gar nicht haben.“

Heidrun Wießner wollte eigentlich gar nicht mit einem Foto in der „Freien Presse“ vorkommen. Es war ihr wichtig, dass ihre Kolleginnen, Sigrid Bonitz und Martina Günther, ebenfalls erwähnt werden. Sie will nicht im Mittelpunkt stehen.

Wer möchte, wird im Pflegebett zum Essen gefahren

Doch das Team des Hospizes ist sich einig: Die Küche ist der Mittelpunkt des Hauses. Der Ort, wo sich alle treffen. Viele Bewohner mögen das Geklapper, die Gerüche und das Stimmengewirr. Wer es nicht mag oder es gerade nicht vertragen kann, kann aber auch im Zimmer essen.

Wer selbst nicht mehr gehen kann, wird auf Wunsch im Pflegebett in die Küche gefahren. Entsprechend sind die Betten viel im Einsatz - im Sommer werden sie sogar gelegentlich zu einem Grillabend in den Park des Hospizes gefahren.

Dadurch gibt es einen gewissen Verschleiß. Deshalb sammelt das Hospiz Spenden aus der Leseraktion der Freien Presse. Zwei neue Betten werden gebraucht, die Kosten liegen laut Hospiz bei knapp 10.000 Euro.

Auch darüber hinaus ist das Haus auf Spenden angewiesen. Die Krankenkassen übernehmen 95 Prozent der Gesamtkosten, fünf Prozent muss das Hospiz aus Spenden selbst aufbringen. Spendengelder werden unter anderem auch für Anschaffungen und Reparaturen verwendet. Für Bewohner ist ein Platz im Hospiz kostenfrei. Die Personalausstattung ist besser als in einem Pflegeheim oder Krankenhaus - die Pflegerinnen arbeiten in drei Schichten, tagsüber sind sie zu dritt und nachts zu zweit. Hinzu kommt die Pflegedienstleitung, die auch organisatorische Aufgaben hat.

Wer ausschlafen will, darf das tun

Soweit wie möglich richten sich auch die Pflegerinnen nach den Wünschen der Bewohner: „Sie dürfen ausschlafen“, sagt Angela Kräher, „wenn jemand nachmittags duschen will, ist das auch okay.“ Wer sein Leben lang Frühschicht gearbeitet habe, bleibe meist ein Frühaufsteher. Ein Gastwirt sei daran gewöhnt, lange wach zu bleiben und morgens länger zu schlafen.

So verschieden die Lebenswege - sie gehen irgendwann zum Ende. Auch den Profis, die im Hospiz arbeiten, fällt das Loslassen nicht immer leicht: „Mit manchen Bewohnern geht man ein Stück weit mit“, sagt Angela Kräher. Um die Herausforderungen zu verarbeiten, geht das Team regelmäßig zur Supervision. Auch dafür werden Spenden gebraucht. eva

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